Europas Börsen: Aktienkurse rutschen ins Minus

Die Krisenintervention der großen Industrieländer hat die Märkte nur kurz besänftigt: An den europäischen Börsen rutschen die Kurse weiter ab, der Dax erreicht zwischenzeitlich ein Elf-Monats-Tief. Angespannt warten Investoren auf die Eröffnung der Wall Street, die Prognosen sind negativ.

Händler an der Frankfurter Börse: Nur kurze Besänftigung durch Krisenintervention der G7 Zur Großansicht
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Händler an der Frankfurter Börse: Nur kurze Besänftigung durch Krisenintervention der G7

Frankfurt am Main - Wird dieser Handelstag noch zum schwarzen Montag? Die europäischen Aktienmärkte beschleunigen zumindest zunehmend ihren Abwärtskurs: Der Leitindex in Athen fällt bis zum Mittag um 4,5 Prozent, der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen rutscht zeitweise mit einem Minus von 2,7 Prozent auf ein Elf-Monats-Tief ab, und auch der italienische Leitindex dreht ins Minus. Der EuroStoxx 50 Chart zeigen sackt um mehr als ein Prozent ab. Kurz zuvor hatte ein deutscher Regierungssprecher eine Aufstockung des europäischen Rettungsfonds EFSF erneut abgelehnt.

Zuvor hatten die asiatischen Börsen bereits deutliche Verluste eingefahren. Der wichtigste Index, der japanische Nikkei, ging mit einem Minus von 2,2 Prozent mit 9098 Punkten aus dem Handel. Andere Börsen in Fernost verloren noch stärker. Nach der hektischen Krisendiplomatie der führenden Wirtschaftsmächte am Wochenende infolge der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit war die Reaktion der asiatischen Märkte, die zuerst die Börsenwoche eröffnen, mit Spannung erwartet worden.

An den europäischen Börsen hatte es zwischenzeitlich immerhin eine kurze Phase der Beruhigung gegeben: Das Bekenntnis der sieben wichtigsten Industrienationen (G7), die Finanzmärkte stabilisieren zu wollen, hatte am Vormittag zunächst massive Kursverluste verhindert. Manche Indizes drehten sogar vorübergehend ins Plus.

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Auch die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), Staatsanleihen von Ländern der Euro-Zone kaufen zu wollen, kam bei Investoren zunächst gut an. Davon profitierten die Krisenstaaten Spanien und Italien. Die Rendite auf Staatspapiere der beiden Länder sank - ein Zeichen für eine leichte Entspannung. Im Gegenzug gerieten die Kurse deutscher Staatsanleihen unter Druck. Deutsche Papiere hatten zuletzt von der Flucht aus den Anleihen der beiden Länder profitiert.

Futures des Dow-Jones-Indexes sinken

Nun schauen Investoren mit bangem Blick auf die Eröffnung der Wall Street am Nachmittag. Futures des Dow-Jones-Index Chart zeigen sanken um 1,4 Prozent auf 11.239 Punkte und die Terminkontrakte im breiter angelegten Index S&P 500 gaben 1,5 Prozent auf 1.180 Zähler nach. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hatte den USA am Freitagabend nach Börsenschluss erstmals die Bestnote entzogen und die Bewertung der US-Kreditwürdigkeit von "AAA" auf "AA+" gesenkt.

Aus Furcht vor einem Rückfall der USA in die Rezession als Folge verstärkter Sparanstrengungen brach der Preis für die beiden Öl-Sorten Brent und WTI um 1,9 beziehungsweise 2,3 Prozent ein. Unter Druck geriet auch der Dollar: Er fiel zur Schweizer Währung auf ein neues Rekordtief von 0,7525 Franken. Der Dollar-Index, der den Wert der US-Valuta zu sechs weiteren wichtigen Währungen widerspiegelt, rutschte um bis zu 0,8 Prozent ab.

Hoch im Kurs stand dagegen die Antikrisen-Währung Gold. Der Preis des Edelmetalls markierte mit 1715,01 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) eine neue Bestmarke.

yes/dpa/dapd/Reuters

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insgesamt 91 Beiträge
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1. Briefeschreiber
mitwisser 08.08.2011
Zitat von sysopDie Krisenintervention der G7 hat die Märkte nur kurz besänftigt: An den europäischen Börsen rutschen die Kurse weiter ab - der Dax erreicht zwischenzeitlich ein Elf-Monats-Tief. Mit bangem*Blick warten*Investoren auf*die Eröffnung der Wall Street, die Prognosen sind negativ.
Keine Bange, auf den schwarzen Montag folgt ein schwarzer Dienstag... Und bald schreibt irgendein Experte wieder einen kleinen Brief. Und die LV ist wieder weniger wert :-(
2. Der einzige sinnvolle Weg
Kalaharry 08.08.2011
Zitat von sysopDie Krisenintervention der G7 hat die Märkte nur kurz besänftigt: An den europäischen Börsen rutschen die Kurse weiter ab - der Dax erreicht zwischenzeitlich ein Elf-Monats-Tief. Mit bangem*Blick warten*Investoren auf*die Eröffnung der Wall Street, die Prognosen sind negativ. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778953,00.html
Die Verluste sind absolut positiv zu sehen, denn sie führen zu einer Marktbereinigung. Es ist ein kaum wieder zu reparierender Fehler, wenn die EZB mit Steuergeldern die Staatsanleihen von Bankrottländern aufkauft, mal ganz davon abgesehen, dass dies der EZB eigentlich verboten ist. Diese Länder MÜSSEN endlich umschulden und die Gläubigerbanken auf einen Teil des Gewinns verzichten. Alles andere dient nur der Rettung von Banken und hilft den Staaten kein bisschen. Nur ein ganz großer Knall gibt eine Chance für einen Neuanfang. Also muss folgendes sofort in die Wege geleitet werden: - Erklärung des Staatsbankrotts durch Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Irland und Belgien - Sofortige Umschuldung unter Verwertung aller Sicherheiten - Verzicht der Gläubigerbanken auf Gewinne - Austritt der Pleiteländer aus dem Euro-Raum - Stabilisierung des Euro in der Kernzone Wird dies nicht gemacht, so werden auch alle anderen Staaten zugunsten der Banken und der Bankrotteure in den Abgrund gerissen. Je länger man wartet, desto schlimmer wird es. Mit den Banken braucht man kein Mitleid zu haben, die verdienen trotzdem noch genug. Die Lücke, die Pleitebanken hinterlassen, werden von den besseren geschlossen werden.
3. Das ist das Ende...............
Klaus.G 08.08.2011
es gibt kein halten mehr, die Interventionen der Regierungen verpuffen, Geld in den Markt pumpen bringt überhaupt nichts. Wir stehen vor der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten. Es wird Massenarbeitslosigkeit geben und keine will es wieder verursacht haben...
4. The day after tomorrow..
Systemrelevanter 08.08.2011
Du meine Güte! Wenn es mich nur etwas mehr interessieren würde, hätte ich richtig Panik. Ein Leben ohne Dax kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. Oder wie titelte ein Magazin kürzlich: "Sorge in Ost-Afrika: "Hoffentlich schafft's der Dax"".
5. Na so was aber auch!
burninghands 08.08.2011
"Im Gegenzug gerieten die Kurse deutscher Staatsanleihen unter Druck." Mit der Tatsache, daß die Bundesregierung nach und nach die Deckung der Schulden der meisten anderen Euroländer übernimmt (bis zu 3,3 Billionen Euro) hat das sicher gar nichts zu tun. [/sarc]
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.
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