Fusionen Kirchenbanken verbünden sich

Die Kirchen wollen die Verwaltung ihres Vermögens schlagkräftiger machen. Zwei hauseigene Geldinstitute schließen sich deshalb zusammen - es entsteht eine Bank mit einer Bilanzsumme von acht Milliarden Euro.

EDG: Keine Zweifel an einem eindeutigen Votum
DPA

EDG: Keine Zweifel an einem eindeutigen Votum


Kassel/Kiel - Die Evangelische Darlehnsgenossenschaft (EDG) und die Evangelische Kreditgenossenschaft (EKK) schließen sich zur Evangelischen Bank zusammen. In Kiel dürfte die Fusion an diesem Freitag in einer Generalversammlung beschlossen werden, die Abstimmung in Kassel ist für Montag geplant. Zweifel an einem eindeutigen Votum gibt es nicht. "Wir fusionieren", sagt eine EDG-Sprecherin.

Das neue Institut wird mit einer Bilanzsumme von acht Milliarden Euro und etwa 500 Mitarbeitern die größte Kirchenbank Deutschlands. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hatte Ende 2013 rund 98.000 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von 1,6 Billionen Euro.

Von den normalen Geschäftsbanken unterscheiden sich die Kirchenbanken vor allem durch ihre Klientel. Kunden seien vor allem die Kirchen, die beispielsweise Kirchensteuern anlegten, aber auch diakonische Einrichtungen, Kirchenkreise und -gemeinden sowie Privatkunden, erklärt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. Vor rund 100 Jahren hätten Kirchen und Kirchenmitarbeiter als nicht besonders kreditwürdig gegolten, aus diesem Umstand seien die Kirchenbanken entstanden.

Schwerpunkt Einlagengeschäft

Kirchenbanken gelten laut Schiereck als "passivlastig". Das bedeutet, es wird dort viel Geld angelegt, sie vergeben im Vergleich dazu aber nur wenig Kredite. Vor allem wegen niedriger Zinsen sei genau das das Problem. "Wenn eine Bank vom Einlagengeschäft lebt, hat sie im gegenwärtigen Umfeld Riesen-Probleme. Da ist die Flucht in die Größe sinnvoll, um Kosten zu sparen." Allerdings habe sich das Konzept einer Kirchenbank überlebt, betont Schiereck. "Was sie machen, machen sie gut. Aber es gibt genügend alternative Institute, die das auch vor dem Hintergrund Nachhaltigkeit und Ethik übernehmen könnten."

Die Gründe für die Fusion sind laut Thomas Katzenmayer, Sprecher des EKK-Vorstandes, vielfältig: die aktuelle Niedrigzinsphase, größerer Wettbewerb, steigende gesetzliche und aufsichtsrechtliche Anforderungen sowie Veränderungen in der Kundenlandschaft. In Kirche und Diakonie gebe es infolge von Zusammenschlüssen zunehmend komplexere Einrichtungen, sagt Katzenmayer. Die größere Bank werde benötigt, um größere Kreditspielräume zu schaffen. Hauptsitze des neuen Instituts soll es in Kiel und Kassel geben, juristischer Sitz wird Kassel sein.

Um die Fusion zu stemmen, holen sich die beiden Institute Hilfe vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Der Branchenverband sichert mit einer Bürgschaft Risiken bis zu einer Höhe von 139 Millionen Euro ab. Dies sei eine Präventionsmaßnahme, betont EKK-Vorstand Katzenmayer. Keine der beiden Banken sei in der Not, Sicherungsmittel zu beantragen. Der BVR wollte sich nicht dazu äußern.

mik/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.