Ex-Arcandor-Chef Insolvenzverwalter verklagt Middelhoff auf Schadensersatz

Das könnte teuer werden: Der Insolvenzverwalter von Arcandor will nach Informationen der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" 175 Millionen Euro Schadensersatz von Ex-Vorständen und ehemaligen Aufsichtsräten des Pleitekonzerns. Zahlen soll auch der frühere Konzernchef Middelhoff.

Thomas Middelhoff: Der ehemalige Arcandor-Chef gerät unter Druck
dpa

Thomas Middelhoff: Der ehemalige Arcandor-Chef gerät unter Druck


Essen - Sie sind schon länger nicht mehr bei Arcandor aktiv. Nun aber werden mehrere Top-Manager von der unschönen Vergangenheit des Konzerns eingeholt: Auf den früheren Vorstandschef des insolventen Essener Handelskonzerns, Thomas Middelhoff, sowie weitere frühere Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder kommt eine Klage auf Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe zu. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg will nach Informationen der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" ("NRZ") am Mittwoch beim Amtsgericht Essen eine Klage im Umfang von mehr als 175 Millionen Euro einreichen.

Darüber sei der Gläubigerausschuss gestern informiert worden, berichtete die Zeitung am Dienstag vorab und berief sich auf Kreise des Gremiums. Im Wesentlichen geht es in der Klage um den Verkauf von fünf Warenhausimmobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds (Troisdorf) und deren Zurückmietung. Der Sprecher des Insolvenzverwalters, Thomas Schulz, bestätigte auf Anfrage, dass die Vorbereitungen für eine entsprechende Klage nahezu abgeschlossen seien.

Beklagte sind laut "NRZ" neben Middelhoff die ehemaligen Vorstände aus den Jahren 2004 bis 2005 des damals noch unter dem Namen KarstadtQuelle firmierenden Konzerns: Christoph Achenbach, Helmut Merkel, Harald Pinger und Matthias Bellmann. Aber auch von früheren Aufsichtsratsmitgliedern verlange Görg Schadensersatz.

Hintergrund ist der Verkauf der Warenhausimmobilien in Potsdam, München, Karlsruhe, Leipzig und Wiesbaden an den Projektentwickler Josef Esch, den noch der frühere Konzernchef Wolfgang Urban eingeleitet hatte. Hierbei seien die betreffenden Immobilien deutlich unter deren Marktwerten verkauft und anschließend zu deutlich überhöhten Sätzen zurückgemietet worden.

Görg führe nun unter anderem an, dass Mietverträge abgeschlossen worden seien, obwohl allen Beteiligten deren Nachteilhaftigkeit bekannt gewesen sei, so die Zeitung. Der Vorstand um Middelhoff sowie die Mitglieder des Aufsichtsrates hätten es zudem unterlassen, die für die Ursprungsverträge verantwortlichen Organe in Regress zu nehmen - obwohl bekannt gewesen sei, dass solche Ansprüche bestanden hätten.

böl/dpa-AFX



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