Dieselaffäre Staatsanwaltschaft bereitet Anklage gegen Ex-Audi-Chef Stadler vor

Audi gilt als Keimzelle des Skandals um manipulierte Abgaswerte im VW-Konzern. Jetzt geht die Aufarbeitung in die Endphase. Nach SPIEGEL-Informationen werden wohl bald vier Manager vor Gericht stehen.

Rupert Stadler
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Rupert Stadler

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Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II in der Dieselaffäre bei Audi sind offenbar weit vorangeschritten. Nach Informationen des SPIEGEL aus Justizkreisen wollen die Strafverfolger spätestens bis zum Frühsommer 2019 Anklage gegen den langjährigen Audi-Chef Rupert Stadler, den früheren Motorenchef Wolfgang Hatz, den Diesel-Spezialisten Giovanni Pamio und den Ingenieur Henning L. erheben. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Die vier Männer aus verschiedenen Hierarchieebenen der VW-Tochter aus Ingolstadt werden damit voraussichtlich die ersten sein, die sich wegen der Manipulation von Abgaswerten vor Gericht verantworten müssen. Erst danach soll es weitere Verfahren geben, insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft München II gegen 20 Beschuldigte bei Audi. Stadler, Hatz und Pamio saßen jeweils mehrere Monate in Untersuchungshaft.

Vorwurf der Zeugenbeeinflussung

Stadler werfen die Staatsanwälte vor, lange nach dem Auffliegen der Dieselaffäre bei der Konzernmutter Volkswagen im Herbst 2015 Zulassungsbescheinigungen für nicht zulassungsfähige Autos unterschrieben zu haben. Außerdem soll er versucht haben, Zeugen oder Beschuldigte zu beeinflussen.

Stadler hat die Vorwürfe bis zu seiner Festnahme stets bestritten, gegenüber dem SPIEGEL wollten er und sein Anwalt sich dazu ebenso wenig äußern wie Pamio und der weitere Ingenieur mit ihren Verteidigern. Bei ihnen geht es um Betrug oder um Beihilfe dazu. Hatz' Anwälte Peter Gauweiler und Gerson Trüg erklärten, ihr Mandant bestreite die gegen ihn erhobenen Vorwürfe mit Nachdruck, es sei grotesk, dass er Kunden und Behörden betrogen haben soll.

Bei Audi entwickelte Motoren wurden auch bei den Schwestermarken VW und Porsche verbaut. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen insgesamt rund 40 frühere und aktuelle Mitarbeiter von VW, darunter der frühere Vorstandschef Martin Winterkorn. Er hatte seine Karriere im Konzern bei Audi begonnen, ehe er 2007 von Stadler abgelöst wurde und an die VW-Spitze wechselte. Winterkorn weist alle Vorwürfe zurück.

Audi galt bis vor einigen Jahren als technologisch führend in der deutschen Autobranche. Im Zuge der Dieselaffäre sind andere Hersteller vorbeigezogen, mittlerweile hat das Ingolstädter Unternehmen auch wirtschaftliche Probleme. In den vergangenen Monaten ist der Absatz drastisch eingebrochen.

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insgesamt 11 Beiträge
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dirkcoe 30.11.2018
1. Das sind gute Nachrichten
Niemand hätte es verstanden, wenn nicht Manager angeklagt würden. In einem Konzern passiert nichts von solcher Tragweite ohne den Vorstand. Die Marke Audi ist bereits abgestraft. Vorsprung durch Betrug wird als Firmenwagen weitgehend abgelehnt und es ist nur noch peinlich, so ein Autochen vor der Tür stehen zu haben.
fht 30.11.2018
2. Anklage nur wegen Betrug?
Diese Herren haben genau gewusst, was sie machten und sind wegen der höheren Abgaskonzentrationen der von ihnen widerrechtlich in den Verkehr gebrachten Diesel-Fahrzeuge für das vorzeitige Ableben vieler Menschen verantwortlich. Die Anklage müsste auf Mord, mindestens Totschlag lauten.
Angus Young II 30.11.2018
3. @SPON: Gelbe Karte fürs Nachtreten.
Lieber Spiegel, danke für den aktuellen Stand. Bei dem Satz "In den vergangenen Monaten ist der Absatz drastisch eingebrochen." frage ich mich allerdings, ob nicht auch weniger Boulevard geht: Der Absatz ist doch aufgrund der WLTP-Umstellung eingebrochen. Da sollte nicht auch noch nachgetreten werden.
michi_meissner 30.11.2018
4. endlich ist der größte Betrüger an der Reihe.
Middelhoff ist ein Wickelkind gegen Stadler und dessen kriminelle Energie. Wie man aber am Beitrag der Anwälte hört, merkt Rupert Stadler immer noch keine Einschläge. Reue hört sich anders an. Hoffentlich wird das Urteil so hart, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Und hoffentlich schöpft man den gesamten Gewinn ab, den dieser Betrüger in den Jahren bei Audi verdient hat. Dass er bei Porsche die ehrlichen Leute kündigen bzw. versetzen wollte, um sie ruhig zu stellen, ist wirklich das allerletzte.
rwachsmu 30.11.2018
5. vier Anklagen
VIER! Angesichts des bekannten Sachverhalts reift der Verdacht, dass es sich um Alibiverfahren handelt. Das müssten eigentlich Prozesse, wie weiland gegen die Mafia in Palermo sein, mit mindestens 50 Angeklagten in Käfigen. Man wird ja sehen, wie weich die Prominenten fallen, sprich, welche Einstellungen und Mickerstrafen wir so erleben. Ich erinnere nur an das lächerliche Bußgeld und die lächerliche Gewinneinziehung gegen VW.
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