Ex-Bahn-Boss Hartmut Mehdorn soll Air Berlin retten

Er war jahrelang Chef der Deutschen Bahn, nun soll Hartmut Mehdorn Vorstandsvorsitzender der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin werden. Der bisherige Amtsinhaber Joachim Hunold ist zurückgetreten - das Unternehmen kämpft mit massiven Problemen.

Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn: Überraschende Ankündigung von Air Berlin
dapd

Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn: Überraschende Ankündigung von Air Berlin


Berlin - Eine der schillerndsten Figuren der deutschen Wirtschaft gibt auf - eine andere kommt zurück. Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold kündigte am Donnerstag überraschend an, zum 1. September von seinem Posten als Vorstandschef zurückzutreten. Sein Vorschlag: Übergangsweise soll der frühere Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn das Unternehmen führen.

Mehdorn gehört bereits dem Verwaltungsrat (Board of Directors) von Air Berlin an, ohne bisher operative Aufgaben zu haben. Auf eine solche, nicht-operative Rolle will sich der 61-jährige Hunold nun zurückziehen. Die Air-Berlin-Aktie drehte nach Hunolds Ankündigung ins Plus und legte binnen Minuten um 4,4 Prozent zu - fiel danach aber wieder etwas zurück.

Hunold hatte die heutige Air Berlin 1991 gegründet und in den Folgejahren zur zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft aufgebaut. Doch schon seit einigen Jahren ist das Unternehmen in der Krise. Der starke Expansionskurs hatte sich nicht rentiert.

Im zweiten Quartal dieses Jahres schrieb Air Berlin einen Verlust von 32 Millionen Euro. Am Donnerstagmorgen hatte Hunold noch verkündet, zahlreiche Strecken zu streichen, um wieder profitabel zu werden. Hunold sagte, er habe entschieden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der Air-Berlin-Spitze gekommen sei. Ein Nachfolger könne nun "unbelastet" den eingeleiteten Sparkurs fortsetzen.

Hunolds Interimsnachfolger Hartmut Mehdorn war zehn Jahre lang Chef der Deutschen Bahn. Wegen einer Affäre um ausgespähte Mitarbeiterdaten war er 2009 von diesem Posten zurückgetreten. Als Bahn-Chef stand Mehdorn häufig in der Kritik - auch wegen seiner sperrigen Art. Diese Charaktereigenschaft verbindet ihn mit Hunold, der ebenfalls als eigenwilliger Einzelkämpfer gilt.

Wie lange der 69-jährige Mehdorn den neuen Job machen wird, ist fraglich. Bisher gibt es allerdings noch keine Kandidaten für eine dauerhafte Nachfolge auf der Chefposition.

Die gesamte Personal-Rochade steht noch unter dem Vorbehalt, dass der Verwaltungsrat dem Schritt zustimmt. Diese Sitzung werde am Donnerstag oder Freitag stattfinden, sagte Hunold. Air Berlin ist eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht. Ursprünglich war das Unternehmen 1978 als Berliner Charterfluggesellschaft unter US-Zulassung gestartet. Mit dem Einstieg Hunolds im Jahr 1991 wurde Air Berlin in seiner heutigen Form neu gegründet.

stk/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 174 Beiträge
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Seite 1
autocrator 18.08.2011
1. Ablach
Der völlig geist- und phantasielose Befehlsempfänger Mehdorn soll Air-Berlin-Chef werden? Na, mal gucken, wie lange er diesmal braucht, den Konzern in den Ruin zu reiten! Als Air-Berlin-Angestellter würde ich mir schonmal nen neuen Job suchen.
Rodelkoenig 18.08.2011
2. Zu jedem Messer gehört eine Gabel!
Naja. Der Mehdorn hat schon die Bahn geschafft. Dann wird er Air Berlin wohl auch noch zur Service-Ruine umfunktionieren können. Viele Grüße
spon-1277755831106 18.08.2011
3. oh oh
schon der Plan reicht, dass ich mit denen nicht mehr fliegen werde. Zu gefährlich!
christafaust 18.08.2011
4. Oje jetzt ist vorbei mit gutem Service
und niedrigen Preisen, schade.
eigene_meinung 18.08.2011
5. Viel Spaß
Warum fällt so vielen Unternehmen denn nichts besseres ein, als erfolglose, skandalträchtige Ex-Politiker und Ex-Chefs zu ihrem Vorstand zu machen?
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