Ex-Barclays-Chef Diamonds Rache

Erst legt Ex-Barclays-Chef Bob Diamond sein Amt nieder, dann macht das Finanzinstitut eine brisante Mitteilung: Demnach könnte die ehrwürdige Bank of England gewusst haben, dass bei Barclays Zinsen manipuliert wurden. Der Skandal erfasst nun auch die Politik.

Ex-Barclays-Chef Diamond (Mitte): Wirbel um eine Gesprächsnotiz
REUTERS

Ex-Barclays-Chef Diamond (Mitte): Wirbel um eine Gesprächsnotiz


London - Im Skandal um Zinsmanipulationen gerät nun auch die britische Notenbank Bank of England (BoE) unter Druck. Angeblich hat sie von den krummen Geschäften der Barclays-Bank gewusst - das behauptet diese zumindest in einer Mitteilung vom Dienstabend.

Zuvor war Barclays-Chef Bob Diamond zurückgetreten. Sollen nun noch andere mit in den Strudel hinabgerissen werden? Das vermuten jedenfalls britische Medien: "Diamond hits back" titelt die Londoner "Financial Times" auf ihrer Website, "Diamond schlägt zurück".

Tatsächlich hat der Fall hohe politische Brisanz. Wenn die Bank of England wirklich gewusst oder gar stillschweigend geduldet hat, dass die Barclays-Bank den sogenannten Libor-Zinssatz zu ihren Gunsten manipulierte, wäre der Skandal noch weitaus größer als bisher bekannt. Schließlich ist es eigentlich die Aufgabe einer Notenbank, private Geschäftsbanken zu überwachen.

Pikant: Barclays bezieht sich in seiner Mitteilung ausgerechnet auf einen internen Vermerk, den seinerzeit Bob Diamond angefertigt haben soll - damals war er noch Chef des Investmentbankings. In der Notiz geht es um ein Treffen mit BoE-Vize Paul Tucker im Jahr 2008. Dabei habe Tucker nicht darauf bestanden, dass Barclays den Libor-Zinssatz, den die Banken für Verleihgeschäfte untereinander verlangen, so hoch übermittle wie zuvor. Diamond habe sich diese Äußerung bei dem Gespräch mit Tucker notiert.

Wusste die Bank of England also wirklich von den krummen Geschäften bei Barclays? Verdächtig ist zumindest, was die "Financial Times" berichtet: Demnach soll Barclays am Tag nach besagtem Gespräch einen viel niedrigeren Libor-Zinssatz übermittelt haben als zuvor. Die BoE wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Fest steht aber schon jetzt, dass der Fall auch die Politik beschäftigen dürfte: Denn Bank of England und Regierung arbeiten eng zusammen.

Barclays war vergangene Woche unter Druck geraten, die Bank muss wegen versuchter Zinsmanipulation an die Finanzaufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien sowie an das US-Justizministerium eine Rekordstrafe von umgerechnet rund 345 Millionen Euro zahlen.

bos/Reuters/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Glückshormon 03.07.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSErst legt Ex-Barclays-Chef Bob Diamond sein Amt nieder, dann macht das Finanzinstitut eine brisante Mitteilung: Demnach könnte die ehrwürdige Bank of England gewusst haben, dass bei Barclays Zinsen manipuliert wurden. Der Skandal erfasst nun auch die Politik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,842440,00.html
Die FED kauft Aktien wenn es brenzlig wird, die EZB kauft Anleihen und gibt den Banken Billionen, die BoE manipuliert die Zinsen. Neu ist doch nur, dass es jetzt mal ans Licht kommt. Der Euro ist dennoch nicht zu retten: "Laut Graham Summers ist Deutschland rein rechnerisch nicht in der Lage Europa zu retten ohne selbst Pleite zu gehen, deshalb und in diesem Wissen hat sich Angela Merkel seiner Meinung nach kategorisch gegen Eurobonds oder die Garantie von Bankeinlagen ausgesprochen. Summers geht davon aus, dass die Währungsunion nicht mehr zu retten ist."
gandhiforever 03.07.2012
2. Und warum sitzt da immer noch niemand
Zitat von sysopREUTERSErst legt Ex-Barclays-Chef Bob Diamond sein Amt nieder, dann macht das Finanzinstitut eine brisante Mitteilung: Demnach könnte die ehrwürdige Bank of England gewusst haben, dass bei Barclays Zinsen manipuliert wurden. Der Skandal erfasst nun auch die Politik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,842440,00.html
in Untersuchungshaft? Je mehr wir ueber die Umtriebe von Bankstern erfahren, umso schrecklicher wird das Bild. Wenn ich drann denke, welche Strafe ein kleiner Dieb erhaelt, dann wird schnell klar, dass die Klassenjustiz immer noch existiert.
Esistich 04.07.2012
3. Bankster
Wann werden diese Gangster endlich gestoppt und dorthin gebracht wo sie hingehören? Warum wartet man, bis diese ekeleregenden Schmarotzer unser Gesellschaftssystem völlig in Grund und Boden ruiniert haben - nur um Reiche noch reicher zu machen? Es reicht!
Dan22 04.07.2012
4. Vertuschen
Sollte es die Politik betreffen, wird wieder alles schön vertuscht und keiner trägt die Verantwortung. Wie in Deutschland, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
Arrivato 04.07.2012
5. 345 Mio Euro Strafe und wieviel Gewinn wurde durch die Manipulation gemacht?
345 Mio Euro Strafe dürfte ein Klacks sein. Ich schätze, dass die Gewinne, die die Bank durch die Zinsmanipulation gemacht hat, eher im Millardenbereich liegen. Bei einer solchen Strafe lachen sich die Beteiligten krumm. Das einzig Wirkungsvolle dürften Gefängnisstrafen sein, in entsprechender Länge.
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