Ex-Bundesbank-Chef: Axel Weber soll früheren Wechsel zur UBS erwägen
Axel Weber startet möglicherweise früher als gedacht bei der UBS: Kreisen zufolge sondiert der Ex-Bundesbank-Chef einen vorzeitigen Wechsel zur Schweizer Großbank. Dazu benötigt er die Zustimmung seines ehemaligen Arbeitgebers.
Zürich - Axel Weber scheint seinen Wechsel kaum mehr erwarten zu können: Der ehemalige Bundesbank-Präsident will Kreisen zufolge so früh wie möglich bei der von einem Handelsskandal erschütterten Schweizer Großbank UBS anfangen. Weber habe bei der Bundesbank sondiert, ob eine Wahl in den UBS-Verwaltungsrat schon vor dem bisher angepeilten Termin im Mai 2012 möglich sei, erklärten zwei mit der Sache vertraute Personen am Montag.
Weber müsste zuvor jedoch einige Hürden überwinden: Für einen Amtsantritt vor Mai 2012 brauchte Weber die Zustimmung der Deutschen Bundesbank. Sollte er zudem die Unterstützung der UBS
erhalten, wäre noch die Einberufung einer außerordentliche Generalversammlung notwendig.
Nach dem Skandal um einen Handelsverlust von 2,3 Milliarden Dollar hatte UBS-Konzernchef Oswald Grübel am Samstag seinen Rücktritt eingereicht. Vorerst übernimmt Europa-Chef Sergio Ermotti die operative Leitung der größten Schweizer Bank. "Das bedeutet, dass in dieser kritischen Situation, in der eine neue Finanzkrise droht und sich die Bank auf einen Strategiewechsel in ihrer Investmentbank vorbereitet, die UBS keinen wirklichen CEO hat, der langfristige Entscheidungen treffen kann", erklärte ein Kepler-Analyst. Er geht davon aus, dass Weber den permanenten CEO ernennen wird.
Auch Grübel soll vorzeitigen Wechsel Webers gefordert haben
Gemäß der bisherigen Planung sollte Weber im Frühjahr 2012 in den UBS-Verwaltungsrat gewählt und ein Jahr später zum Präsidenten des Gremiums ernannt werden. Nach den Worten des gegenwärtigen Präsidenten Kaspar Villiger ist Weber in die Personalentscheidung als außenstehender Berater aber bereits einbezogen. Schließlich werde er über Jahre mit dem Konzernchef zusammenarbeiten.
Weder die Bundesbank noch die UBS wollten am Montag eine Stellungnahme abgeben. Auch Weber hatte sich am Sonntag nicht äußern wollen. Einer Bundesbank-Sprecherin zufolge schreibt der EZB-Verhaltenskodex vor, dass ein EZB-Ratsmitglied zwölf Monate nach seinem Austritt keine Tätigkeit aufnehmen darf, die in einem Interessenkonflikt zur EZB steht.
Weber war am 30. April 2011 als Bundesbankchef zurückgetreten. Bis dahin hatte er als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gegolten, mit dem er sich in der Frage der Staatsanleihenankäufe der EZB überworfen hatte. Gegenwärtig ist Weber Gastprofessor in Chicago.
Einem Bericht der "Financial Times" zufolge soll auch Grübel den Verwaltungsrat aufgefordert haben, dass Weber bereits im Frühling 2012 Villiger ablöst und dass andere Verwaltungsräte das Gremium verlassen. Zudem habe Grübel verlangt, dass die UBS am Konzept einer Universalbank mit Investmentbanking, Asset Management und Vermögensverwaltung festhält. Nachdem er für all dies beim Verwaltungsrat keine Mehrheit fand, reichte er seinen Rücktritt ein.
kra/Reuters
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