Ex-Bundesbank-Chef: Weber heuert bei Schweizer Großbank an

Der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber mischt bald wieder in der Finanzwelt mit: Der 54-Jährige soll Präsident der Schweizer Großbank UBS werden und 2012 in den Verwaltungsrat einziehen. Damit ist der Manager bei der Nachfolgersuche für Deutsche-Bank-Chef Ackermann aus dem Rennen.

Axel Weber (im März 2011): Karriere in der Schweiz Zur Großansicht
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Axel Weber (im März 2011): Karriere in der Schweiz

Zürich - Die Suche nach einem neuen Job dauerte bei Axel Weber nur ein paar Monate. Der frühere Bundesbank-Chef soll Präsident der Schweizer Großbank UBS werden. Bis zu seinem Antritt hat er aber noch ein wenig Zeit. Weber soll bei der nächsten ordentlichen Generalversammlung im Mai 2012 in den Verwaltungsrat gewählt werden, teilte die UBS am Freitag mit.

Bis er dann an die Spitze der Bank vorrückt, werden wohl ein paar weitere Monate vergehen. Zunächst solle Weber Vizepräsident werden, nach seinem ersten Amtsjahr dann 2013 den derzeitigen Verwaltungsratschef Kaspar Villiger ablösen, teilte die UBS Chart zeigen mit. Der Verwaltungsrat in Schweizer Unternehmen ist vergleichbar mit dem Aufsichtsrat in Deutschland, hat aber deutlich mehr Einfluss.

Mit dem Zeitplan seines Wechsels hält Weber auch eine gewisse Pause nach seinem Abschied als Notenbank-Präsident ein. Er war von April 2004 bis April 2011 Präsident der Deutschen Bundesbank.

Im Februar hatte Weber mit der Nachricht überrascht, auf eine weitere Amtszeit als Bundesbank-Chef zu verzichten. Damit hatte er sich zugleich aus dem Rennen für den Posten des Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB) katapultiert. Der Finanzmanager gilt als geldpolitischer Hardliner und hatte in der Euro-Krise offen die Strategie der EZB kritisiert, Staatsanleihen zu kaufen.

Ackermann-Nachfolge weiter offen

Bis zu seinem Abgang bei der Bundesbank war Webers Karriere glänzend verlaufen. Er studierte Volkswirtschaftslehre, machte seinen Doktor, wurde Professor und lehrte anschließend in Bonn und Frankfurt. Er schaffte es bald in den Rat der Wirtschaftsweisen, und im April 2004 dann auf den Chefsessel der Bundesbank. Die Institution erreichte unter seiner Leitung nach dem Ende der D-Mark-Ära wieder internationale Anerkennung. Bei Ausbruch der Finanzkrise 2008 wurde Weber dann zu einem der wichtigsten Berater der Bundesregierung.

Nach seinem Abschied bei der Bundesbank hatte Weber angekündigt, er wolle ein Jahr lang als Gastprofessor an der Universität in Chicago dozieren. Doch eine spätere Tätigkeit in anderen Bereichen schloss Weber damals schon nicht aus. Kenner trauten ihm eine weitere steile Karriere in der Finanzwelt zu. So wurde Weber auch als möglicher Nachfolger für den Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, gehandelt. Ackermann selbst soll ihn als neuen Chef im Auge gehabt haben. Nun heuert Weber bei der Schweizer Konkurrenz an - und die Suche der Frankfurter nach einem künftigen Chef geht weiter.

Ackermann hat noch einen Vertrag bis zur Hauptversammlung 2013. Als Favorit für seine Nachfolge gilt ein Mann aus dem eigenen Haus. Der oberste Investmentbanker Anshu Jain wird als Kronprinz gehandelt. Von den aktuellen Deutsche-Bank-Vorständen werden auch Risikovorstand Hugo Bänziger Chancen eingeräumt. Häufig genannte externe Kandidaten für Ackermanns Nachfolge sind zudem der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Reto Francioni, sowie der Finanzvorstand des Versicherungskonzerns Allianz, Paul Achleitner.

mmq/Reuters/dpa

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insgesamt 37 Beiträge
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1. .
frubi 01.07.2011
Zitat von sysopDer frühere Bundesbank-Chef Axel Weber mischt bald wieder in der Finanzwelt mit: Der 54-Jährige soll Präsident der Schweizer Großbank UBS werden und 2012 in den Verwaltungsrat einziehen. Damit ist der Manager bei der Nachfolgersuche für Deutsche-Bank-Chef Ackermann aus dem Rennen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,771700,00.html
Damit schwindet die Grenze, wenn es denn überhaupt jemals eine gegeben hat, zwischen privater und staatlicher Finanzindustrie noch stärker. Aber nein. Der Herr Weber nimmt natürlich keine Vorteile aus seinem alten Arbeitsverhältniss mit zum neuen Arbeitgeber. Das sind ja alles total korrekte und anständige Leute.
2. Er
forumgehts? 01.07.2011
Zitat von sysopDer frühere Bundesbank-Chef Axel Weber mischt bald wieder in der Finanzwelt mit: Der 54-Jährige soll Präsident der Schweizer Großbank UBS werden und 2012 in den Verwaltungsrat einziehen. Damit ist der Manager bei der Nachfolgersuche für Deutsche-Bank-Chef Ackermann aus dem Rennen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,771700,00.html
handelte eben nach dem bekannten Sprichwort "drum such', wer sich bei Banken bindet, ob sich nicht noch was Bessres findet."
3. Bravo - Herr Weber
manni-two 01.07.2011
Sie treffen künftig die Entscheidungen,wie Sie es für richtig halten,Fachleute sollten sich nicht von einem Hosenanzug reinquatschen lassen.
4. .
alexbln 01.07.2011
Zitat von frubiDamit schwindet die Grenze, wenn es denn überhaupt jemals eine gegeben hat, zwischen privater und staatlicher Finanzindustrie noch stärker. Aber nein. Der Herr Weber nimmt natürlich keine Vorteile aus seinem alten Arbeitsverhältniss mit zum neuen Arbeitgeber. Das sind ja alles total korrekte und anständige Leute.
und? wollen sie ein berufsverbot oder was? er hält eine zeitlichen abstand von einen jahr ein, das find eich vollkommen ok. ein sofortiger wechsel wäre unanständig gewesen, aber so, isehe ich nun gar kein problem.
5. Mitnahme?
keinschwabe 01.07.2011
Zitat von frubiDamit schwindet die Grenze, wenn es denn überhaupt jemals eine gegeben hat, zwischen privater und staatlicher Finanzindustrie noch stärker. Aber nein. Der Herr Weber nimmt natürlich keine Vorteile aus seinem alten Arbeitsverhältniss mit zum neuen Arbeitgeber. Das sind ja alles total korrekte und anständige Leute.
Gut, die Verwicklungen zwischen privater und staatlicher Finanzindustrie sollten wirklich sauberer getrennt werden. Aber nehmen sie, beim Jobwechsel, nicht auch die Erfahrungen der bisherigen Arbeit mit? Wird man nicht gerade wegen dieser Erfahrungen beim nächsten Arbeitgeber eingestellt? Ich glaube, es ist immer noch besser, als dass Herr Weber den Nachfolger für den Ackermann gegeben hätte. Allerdings hätte Weber dann Fr. Kanzlerin deutlich heftiger in die Suppe spucken können.
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