Neuer BER-Chef: Ein Hessenfürst für den Chaos-Flughafen

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Er ist der Wunschkandidat von Ministerpräsident Platzeck: Nach drei Jahren im Ruhestand soll der ehemalige Fraport-Chef Wilhelm Bender dem Hauptstadtflughafen neues Leben einhauchen. Berlin bekommt einen gewieften Manager mit einem Hang zu barocker Selbstdarstellung.

Ehemaliger-Fraport-Chef Bender (Archivbild): Hang zu höfischer Lebensweise Zur Großansicht
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Ehemaliger-Fraport-Chef Bender (Archivbild): Hang zu höfischer Lebensweise

Berlin - Ein paar Tage Bedenkzeit hat Wilhelm Bender sich erbeten. Kein Wunder. Schließlich ist es nicht gerade der einfachste Job, den Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) seinem Parteifreund angeboten hat. Genau genommen dürfte der Vorstandsvorsitz in der Berliner Flughafengesellschaft zu den schwierigsten Posten zählen, die derzeit in der deutschen Wirtschaft zu vergeben sind.

Für einen wie Bender wäre das allein noch kein Grund zu kneifen. Das tat er auch nicht als ihn 1992 der damalige hessische Ministerpräsident Hans Eichel anrief und fragte, ob er in den Vorstand der Flughafengesellschaft Frankfurt wechseln wolle. Ein Unternehmen in schwerer See, unter massivem Druck der Konkurrenz, angefeindet von Umweltschützern und im Innern zerfressen von Intrigen. 18 Jahre tat Bender schließlich dort Dienst, 17 davon als Boss. Wer da durch ist, den kann auch Schönefeld nicht schocken.

Die Frage ist wohl eher, ob sich der 68-Jährige das alles noch einmal antun will. Die vergangenen drei Jahre seit seiner Pensionierung gaben Bender schließlich wenig Grund zur Langeweile. Engagements bei zahlreichen Stiftungen und Fördervereinen und in verschiedenen Aufsichtsratsgremien nehmen mehr als genug Zeit in Anspruch. Seit 2010 lenkt er überdies als Chefaufseher die Geschicke des Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Und natürlich ist da noch seine kleine Tochter Sophia aus zweiter Ehe, die 2007 auf die Welt kam.

Ausgeprägter Hang zur Selbstdarstellung

"Er wird wahrscheinlich zusagen", mutmaßt ein Beobachter. Bender sei einfach zu gern Chef eines Flughafens, gehöre zu gern zu den Honoratioren. Für die Einschätzung spricht, dass der Manager noch lange Zeit nach seinem Abschied aus dem Fraport-Vorstand den entsprechenden Titel auf seiner Visitenkarte führte - ergänzt um den Zusatz 1993 - 2009. Loslassen geht anders.

Seine Anhänger würden eine Zusage dagegen als Ausdruck eines ausgeprägten Pflichtbewusstseins interpretieren. Sie beschreiben Bender als Mann, geprägt von protestantischer Leistungsethik und den Werten der Sozialdemokratie, unprätentiös und fest verwurzelt in seiner Heimat. Der in seiner Freizeit gern Fahrrad fährt und natürlich die Fußballspiele der Eintracht besucht. Den Aufstieg von Fraport zum neuntgrößten Passagierflughafen der Welt rechnen sie in erster Linie ihm zu. Sie loben seinen Führungsstil und sein politisches Geschick, vor allem als es um den Ausbau des Frankfurter Flughafens ging.

Seine Kritiker werfen Bender dagegen ein gerütteltes Maß an Eitelkeit vor. Seinen ausgeprägten Hang zur Selbstdarstellung bewies er auch an seinem 60. Geburtstag, zu dem er sich von der "Bild"-Zeitung mit einer achtseitigen Sonderbeilage feiern ließ - mit Fotos aus seiner Kindheit und tiefen Einblicken in sein Privatleben.

Auch die Feier zu seinem Abschied fiel geradezu pompös aus. Rund 800 Gäste, darunter nahezu die gesamte Prominenz aus Wirtschaft und Politik in Hessen, feierten Bender in einem Flugzeughangar. Bender selbst zelebrierte seinen Auftritt, indem er mit einem Flugzeugschlepper für den Airbus A380 auf die Bühne fuhr.

Enge Heimatverbundenheit

Die Sucht nach höfischer Lebensweise treibt Bender offensichtlich noch immer um. Seinen einflussreichen Posten bei der Eintracht nutze er vor allem, um sich bei den Heimspielen mit anderen Würdenträgern unterhalten zu können, ätzt ein Beobachter. Schwierigen Entscheidungen gehe er dagegen zuverlässig aus dem Weg.

Und noch eine andere Facette seines Charakters dürfte die Berliner mit Argwohn erfüllen. Die enge Verbindung mit seiner Heimat beschränkt sich nicht nur auf Folklore und die Eintracht, sie umfasst auch den Flughafen. Die Rolle Fraports als Nummer eins in Deutschland gilt für Bender quasi als Erbhof. Aktivitäten etwaiger Konkurrenten erstickte er während seiner Amtszeit regelmäßig im Keim. Das Billigflieger-Drehkreuz in Hahn übernahm er kurzer Hand, als der zum Verkauf stand.

Auch mit den Berliner Flughafenplänen hatte Bender Pläne. Statt eines - konkurrierenden - Hauptstadtdrehkreuzes hätte er lieber eine Tochtergesellschaft von Fraport gesehen, die ihre Passagiere für den Weiterflug nach Frankfurt leiten sollte. Doch gegen die Ambitionen der Hauptstädter konnte er nichts ausrichten.

Im Falle eines Engagements wird Bender seine Loyalitäten wohl neu definieren müssen. Man darf gespannt sein, wie viel Mühe ihm das bereitet. Immerhin wird der in Kirberg bei Limburg geborene Jurist als jemand beschrieben, der verlorene Schlachten hinter sich lässt. So musste er damals in einem Mediationsverfahren den Flughafengegnern sehr weit entgegenkommen, als es um den Ausbau ging, darunter auch das Nachtflugverbot. Bender jedoch habe seine Zusagen auch in den Jahren danach akribisch eingehalten, heißt es.

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1.
Adlhoch 01.02.2013
Zitat von sysopBerlin bekommt einen gewieften Manager mit einem Hang zu barocker Selbstdarstellung. Ex-Fraport-Chef Bender soll Hauptstadtflughafen retten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ex-fraport-chef-bender-soll-hauptstadtflughafen-retten-a-880837.html)
Na, er wird sicherlich ein paar Milliönchen als Zubrot zu seiner ohnehin üppigen Pension hinzu bekommen. Aber ich glaube, diese Art von "Spitzenmanager" haben ohnehin so viel Geld, dass sie das bis zu ihrem Lebensende nicht verprassen können. Ergo: Sie machen's aus freude an der Sache und für uns alle. 8-)
2. Tja
zickezackehoihoihoi 01.02.2013
Zitat von sysopEr ist der Wunschkandidat von Ministerpräsident Platzeck: Nach drei Jahren im Ruhestand soll der ehemalige Fraport-Chef Wilhelm Bender dem Hauptstadtflughafen neues Leben einhauchen. Berlin bekommt einen gewieften Manager mit einem Hang zu barocker Selbstdarstellung. Ex-Fraport-Chef Bender soll Hauptstadtflughafen retten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ex-fraport-chef-bender-soll-hauptstadtflughafen-retten-a-880837.html)
jetzt müssens die Schwaben (=alle nicht vor mindestens 40 Jahren nach Berlin Gezogene) wieder für Euch richten.
3.
spon-facebook-1340692654 01.02.2013
Zitat von zickezackehoihoihoijetzt müssens die Schwaben (=alle nicht vor mindestens 40 Jahren nach Berlin Gezogene) wieder für Euch richten.
Limburg = Schwaben? Ich glaube das finde weder die Limburger noch die Schwaben lustig... Aber wenn es einer richten kann, dann ein "zugereister", das stimmt wohl. ...und wer Frankfurt zur Nummer 1 gemacht hat, schafft es auch BER in Betrieb zunehmen - binnen der nächsten 25 Jahre...
4. Das hier ...
westerwäller 01.02.2013
Zitat von sysopBerlin bekommt einen gewieften Manager mit einem Hang zu barocker Selbstdarstellung. Ex-Fraport-Chef Bender soll Hauptstadtflughafen retten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ex-fraport-chef-bender-soll-hauptstadtflughafen-retten-a-880837.html)
... ist ja mal eine ganz neue Entwicklung. Na ja, es wird ein Kontrapunkt gegen die blassen Typen wie Wowereit gesetzt, die sich immer demutsvoll in die letzte Reihe stellen ...
5.
Robert_Rostock 01.02.2013
Zitat von zickezackehoihoihoijetzt müssens die Schwaben (=alle nicht vor mindestens 40 Jahren nach Berlin Gezogene) wieder für Euch richten.
Der Vorgänger von Bender als Flughafenchef wurde in Kettwig bei Essen geboren und war an den Flughäfen München, Nürnberg und Düsseldorf tätig.
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