München/Hamburg - Der frühere HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher muss sich vor Gericht verantworten, ebenso wie fünf weitere Ex-Vorstandsmitglieder des Instituts. Sie werden der Veruntreuung von Bankvermögen in einem besonders schweren Fall verdächtigt.
Das Landgericht Hamburg habe die Anklage gegen die Manager zugelassen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Nonnenmachers Anwalt Heinz Wagner bestätigte die Angaben gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Das Landgericht hat die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen die ehemaligen Vorstände der HSH Nordbank zur Hauptverhandlung zugelassen", sagte er. Der Prozessbeginn ist für Mitte Juli geplant.
Die Ermittler leiten den Verdacht der vorsätzlichen Untreue im Wesentlichen aus den berüchtigten Wertpapiergeschäften namens Omega 55 ab. Omega war eine Art Risiko-Ringelpiez: Die HSH Nordbank ließ Immobilienkredite von der Bank BNP Paribas gegen Verluste versichern; im Gegenzug sicherte sie Risiken der französischen Bank ab. Das Geschäft verbuchte die HSH in ihrer Bilanz als Kredit - obwohl es nur wenige Monate lief. Aus Sicht der Finanzaufsicht BaFin war das illegal - das Geschäft hätte erst ab einer Laufzeit von zwei Jahren so bilanziert werden dürfen. Die Bilanz der Bank musste um eine halbe Milliarde Euro berichtigt werden.
Die Bank geriet unter anderem durch dieses Geschäft in eine dramatische Schieflage. 2008 fuhr sie einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro ein und konnte nur durch Milliardenhilfen der Hauptaktionäre Hamburg und Schleswig-Holstein gerettet werden.
Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück.
ssu/dpa
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