Ex-HSH-Chef vor Gericht Nonnenmacher-Prozess startet im Juli

Einst wurde Dirk Jens Nonnenmacher als Zahlengott gefeiert - jetzt muss der Ex-Chef der HSH-Nordbank vor Gericht, der Prozess beginnt im Juli. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn, Bankvermögen veruntreut zu haben. Der Anwalt des Managers weist die Vorwürfe zurück.

Ex-HSH-Chef Nonnenmacher: Verdacht auf Veruntreuung von Bankvermögen
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Ex-HSH-Chef Nonnenmacher: Verdacht auf Veruntreuung von Bankvermögen


München/Hamburg - Der frühere HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher muss sich vor Gericht verantworten, ebenso wie fünf weitere Ex-Vorstandsmitglieder des Instituts. Sie werden der Veruntreuung von Bankvermögen in einem besonders schweren Fall verdächtigt.

Das Landgericht Hamburg habe die Anklage gegen die Manager zugelassen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Nonnenmachers Anwalt Heinz Wagner bestätigte die Angaben gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Das Landgericht hat die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen die ehemaligen Vorstände der HSH Nordbank zur Hauptverhandlung zugelassen", sagte er. Der Prozessbeginn ist für Mitte Juli geplant.

Die Ermittler leiten den Verdacht der vorsätzlichen Untreue im Wesentlichen aus den berüchtigten Wertpapiergeschäften namens Omega 55 ab. Omega war eine Art Risiko-Ringelpiez: Die HSH Nordbank ließ Immobilienkredite von der Bank BNP Paribas gegen Verluste versichern; im Gegenzug sicherte sie Risiken der französischen Bank ab. Das Geschäft verbuchte die HSH in ihrer Bilanz als Kredit - obwohl es nur wenige Monate lief. Aus Sicht der Finanzaufsicht BaFin war das illegal - das Geschäft hätte erst ab einer Laufzeit von zwei Jahren so bilanziert werden dürfen. Die Bilanz der Bank musste um eine halbe Milliarde Euro berichtigt werden.

Die Bank geriet unter anderem durch dieses Geschäft in eine dramatische Schieflage. 2008 fuhr sie einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro ein und konnte nur durch Milliardenhilfen der Hauptaktionäre Hamburg und Schleswig-Holstein gerettet werden.

Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück.

ssu/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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jim_panse13 30.04.2013
1. Pflichtlügner?
Ist es denn nicht die Pflicht eines guten Anwalts, die Wahrheit zu ignorieren und für den Mandanten das Beste herauszuholen?
zeitmax 30.04.2013
2. So ist es - und
schön wäre es, wenn der StaatsANWALT ein Gleiches für das Steuerzahlervolk täte - aber da ist die Weisungsgebundenheit vor. Wir brauchen UNABHÄNGIGE Ankläger!
Whitejack 30.04.2013
3.
Zitat von jim_panse13Ist es denn nicht die Pflicht eines guten Anwalts, die Wahrheit zu ignorieren und für den Mandanten das Beste herauszuholen?
Das ist zwar richtig. Dadurch ist aber noch nicht erwiesen, dass der Anwalt auch lügt.
spiegelator 30.04.2013
4. ....jein
Zitat von jim_panse13Ist es denn nicht die Pflicht eines guten Anwalts, die Wahrheit zu ignorieren und für den Mandanten das Beste herauszuholen?
Der Rechtsanwalt in Deutschland (Anwalt darf sich jeder nennen) ist ein Organ der Rechtspflege. Er hat im Sinne seines Mandanten für ein rechtlich einwandfreies Verfahren zu sorgen und in diesem Rahmen die Interessen seines Mandanten zu vertreten. Nicht mehr und nicht weniger. Auf gar keinen Fall ist er oder soll er Komplize seines Mandanten sein. Den allermeisten Rechtsanwälten scheinen diese Jura-Erstsemster Erkenntnis abhanden gekommen zu sein.
Veterano48 30.04.2013
5. Der Sumpf ist noch tiefer
Für viele Das ekelerregende Schurkengesicht. Die Banken, die Politik und die Justiz haben (bisher) diesen Herrn No gewähren lassen und mit reichlich Bürger-Geld entlohnt. Die Verantwortlichen für die Möglichkeit dieser kriminellen Abzocke gehören auch vor den Kadi.
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