Ex-Marktführer: Solarpionier Q-Cells macht 350 Millionen Euro Verlust

Von den manager-magazin-Redakteuren Ursula Schwarzer und Thomas Werres

Abstieg eines Giganten: Q-Cells, einst größter Solarzellenhersteller der Welt, kämpft ums Überleben. Das Unternehmen hat nach manager-magazin-Informationen im ersten Halbjahr rund 350 Millionen Euro Verlust gemacht - fast das Dreifache des Umsatzes.

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Q-Cells: Das Unternehmen verbrennt in hohem Tempo seine Barreserven

Hamburg - Einst war Q-Cells der größte Solarzellenhersteller der Welt. Jetzt kämpft das Unternehmen aus dem ostdeutschen Bitterfeld um die nackte Existenz. Die Aktie, die Ende 2007 über 80 Euro wert war, notiert mittlerweile unter einem Euro, und sie dürfte - unabhängig von der allgemeinen Börsenentwicklung - noch weiter unter Druck geraten.

Wie das manager magazin aus Unternehmenskreisen erfuhr, wird der Vorstandsvorsitzende Nedim Cen (45) am Freitag einen Verlust für das erste Halbjahr von rund 350 Millionen Euro verkünden. Das ist fast das Dreifache dessen, was Q-Cells im ersten Quartal 2011 an Umsatz erwirtschaftete. Hält das verheerende Tempo an, mit dem Q-Cells sein Cash verbrennt, werden die Lieferanten vermutlich nur noch gegen Vorkasse liefern. Dann droht binnen Monaten die Zahlungsunfähigkeit.

Besonders brisant: Im Februar 2012 muss Q-Cells die restlichen rund 230 Millionen Euro aus einer Wandelschuldverschreibung zurückzahlen. Nun sollen ein neues Vorstandsmitglied und ein verschärftes Sanierungsprogramm eine mögliche Zahlungsunfähigkeit abwenden. Langfristig kann dem einstigen Solarwunder allerdings nur noch ein Investor helfen. Schon vor etwa zwei Jahren waren Verhandlungen mit dem französischen Energiekonzern Total weit gediehen, um dann doch zu scheitern. Zuletzt führten Sondierungsgespräche mit einem Staatsfonds aus Oman nicht zum gewünschten Ergebnis.

Potenzieller Investor aus China stellt Bedingungen

Jetzt verhandelt Q-Cells mit einem chinesischen Investor. Doch der stellt eine wichtige Bedingung: Bevor die Chinesen in ernsthafte Verhandlungen einsteigen, muss sich Q-Cells erst einmal stabilisieren. Es sind überwiegend externe Faktoren, die dem Unternehmen zu schaffen machen: In wichtigen Märkten wie Deutschland, Frankreich und Italien stockt der Verkauf, weil die staatlichen Förderungen für Solarstrom reduziert wurden. Gleichzeitig überschwemmen chinesische und andere asiatische Firmen den Weltmarkt mit Solarzellen, die Preise fallen in zweistelligen Raten.

Gleichzeitig stauen sich bei Q-Cells die Lagerbestände. Die Kapazitäten sind nur zwischen 30 und 50 Prozent ausgelastet, in den Hallen liegen Teile im Wert von rund 350 Millionen Euro. Unternehmenschef Cen steuert jetzt hart gegen: Nach einem Abbau von 500 Stellen sollen demnächst weitere 200 bis 300 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, hauptsächlich in der deutschen Fertigung. Gleichzeitig will man über Kurzarbeit verhandeln. Außerdem soll der Vertrieb reorganisiert werden, um den Verkauf anzukurbeln.

Wechsel im Vorstand geplant

Doch der bisherige Marketing- und Vertriebsvorstand Hans-Gerd Füchtenkort (61) wird das neue Konzept nicht mehr umsetzen. Er hat sich - nicht zuletzt wegen der rapide sinkenden Verkaufszahlen - mit Vorstandschef Cen überworfen. In der Aufsichtsratssitzung am 11. August wird das Ausscheiden von Füchtenkort besiegelt. Einen Nachfolger gibt es nicht, seine Aufgaben soll Cen übernehmen.

Zudem steht eine weitere Toppersonalie an - der Ersatz für Produktionsvorstand Gerhard Rauter (53), der das Haus vor drei Monaten verließ. Bei der Suche nach einem Nachfolger stieß Q-Cells-Aufsichtsratschef Karlheinz Hornung (60) auf Andreas von Zitzewitz (51). Der Manager genießt einen hervorragenden Ruf als Produktionsfachmann.

Gleichwohl zögerte Hornung mit seiner Berufung, denn Zitzewitz' Karriere ist von zwei Tiefschlägen gekennzeichnet: 2005 schied er aufgrund einer Bestechungsaffäre beim Chipfabrikanten Infineon aus; er wurde wegen Vorteilsnahme zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Eine zweite Chance bekam Zitzewitz beim Q-Cells-Konkurrenten Conergy, dort sollte er im Herbst 2010 zum Vorstandsvorsitzenden aufsteigen. Sein zerrüttetes Verhältnis zum damaligen Vorstandschef Dieter Ammer (61) endete aber kurz vor Vertragsunterzeichnung im Eklat. Zitzewitz musste gehen. Schließlich entschied sich Hornung doch für Zitzewitz - angesichts der finanziellen Situation von Q-Cells hatte er wohl keine große Auswahl an Kandidaten.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1323 Beiträge
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1. So etwas nennt man Marktwirtschaft
Pandora0611 10.08.2011
Zitat von sysopAbstieg eines Giganten: Q-Cells, einst größter Solarzellenhersteller der Welt, kämpft ums Überleben.*Das Unternehmen*hat nach manager-magazin-Informationen*im ersten Halbjahr rund 350 Millionen Euro Verlust gemacht - fast das Dreifache des Umsatzes. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,779393,00.html
So ist es nunmal, wenn man nur von Subventionen abhängig ist. Wenn diese nicht mehr so üppig fließen und dann auch noch die "böse" Konkurenz aus China auf den Markt tritt, dann wird es eng! Da muß doch sofort ein "Rettungsschirm" aufgespannt werden! Wo bleibt der Aufschrei der Grünlinge; was macht Merkel, was die EZB?
2. .
zero-bond 10.08.2011
Zitat von sysopAbstieg eines Giganten: Q-Cells, einst größter Solarzellenhersteller der Welt, kämpft ums Überleben.*Das Unternehmen*hat nach manager-magazin-Informationen*im ersten Halbjahr rund 350 Millionen Euro Verlust gemacht - fast das Dreifache des Umsatzes. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,779393,00.html
Was warf man E.ON und RWE vor? Trend verschlafen?
3. Aufwachen
weltoffener_realist 10.08.2011
Zitat von sysopAbstieg eines Giganten: Q-Cells, einst größter Solarzellenhersteller der Welt, kämpft ums Überleben.*Das Unternehmen*hat nach manager-magazin-Informationen*im ersten Halbjahr rund 350 Millionen Euro Verlust gemacht - fast das Dreifache des Umsatzes. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,779393,00.html
Wenn Q-Sells bei der Kostensituation mit den Wettbewerbern aus Fernost nicht mithalten kann, muss das Unternehmen vom Markt verschwinden - das ist der vorgesehene Gang der Dinge in einer Marktwirtschaft. Wer dachte, über das EEG ließe sich unter dem Deckmantel des Klimaschutzes eine jahrzehntelange Subventionierung der eigenen Wirtschaft organisieren, wird noch sein blaues Wunder erleben. Sachverstand und Idealismus sind eben komplementär und nicht substitutiv...
4. Zitzewitz
Stammzelle 10.08.2011
will wahrscheinlich einen dicken Firmenwagen, und eine Anfindung von mehreren Mio. €, falls sein Vertrag vorzeitig aufgelöst werden sollte. Derweil sollte so einer noch Kohle mitbringen, damit er wieder für eine Firma arbeiten dürfte.
5. Die EEG Umlage
Berta, 10.08.2011
Zitat von weltoffener_realistWenn Q-Sells bei der Kostensituation mit den Wettbewerbern aus Fernost nicht mithalten kann, muss das Unternehmen vom Markt verschwinden - das ist der vorgesehene Gang der Dinge in einer Marktwirtschaft. Wer dachte, über das EEG ließe sich unter dem Deckmantel des Klimaschutzes eine jahrzehntelange Subventionierung der eigenen Wirtschaft organisieren, wird noch sein blaues Wunder erleben. Sachverstand und Idealismus sind eben komplementär und nicht substitutiv...
ist sowieso eine einzige Frechheit. Ich bezahle und die Anderen kassieren ab. Nicht mal richtig informiert wurde man über die EEG Umlage. Geld abgezogen und fertig.
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