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17. August 2009, 12:47 Uhr

Ex-SachsenLB-Manager

Pleitebanker beraten Nordländer im HSH-Debakel

Ihre Aufgabe ist bedeutend, ihr Ruf jedoch zweifelhaft. Ex-Manager der ehemaligen Landesbank Sachsen beraten die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein in Sachen HSH Nordbank. Dabei war die SachsenLB in ihrer Amtszeit pleitegegangen.

Hamburg - Hamburg und Schleswig-Holstein überlassen die Verwaltung und Überwachung eines großen Teils ihrer Anteile an der HSH Nordbank ausgerechnet Ex-Managern der pleitegegangenen SachsenLB. Das räumte der Hamburger Senat jetzt auf eine Anfrage der Linkspartei ein, wie das "Hamburger Abendblatt" und der NDR berichten.

Konkret geht es um die Beratungsfirma SAM (Sachsen Asset Management), die nach der Pleite der SachsenLB im Jahr 2007 von mehreren früheren Mitarbeitern der Bank rund um Ex-Kapitalmarktvorstand Wolf-Dieter Ihle gegründet worden war.

SAM habe Hamburg und Schleswig-Holstein zunächst bei der Ausarbeitung der Garantie über zehn Milliarden Euro beraten, die der HSH zur Verfügung gestellt wurden, schreibt das "Hamburger Abendblatt". Inzwischen unterstützten die Berater die Länder auch bei der Auswahl der Treuhänder und kontrollierten Treuhand-Aufgaben.

Die im Zuge der Rettungsaktion für drei Milliarden Euro neu erworbenen HSH-Aktien verwalteten die Länder in der gemeinsamen Anstalt "HSH Finanzfonds", die Vertragspartner der SAM sei, hieß es weiter. Ihr sollen nach Informationen von Joachim Bischoff, Finanzexperte der Hamburger Linkspartei, bis 2013 bis zu 250 Millionen Euro für Verwaltungskosten zur Verfügung stehen. Weder der Senat noch SAM wollten dazu Stellung nehmen.

Die SachsenLB hatte 2007 im Zuge der Finanzkrise Milliardenverluste geschrieben und war als erste Landesbank pleite gegangen. Daraufhin sprang die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) als Käufer ein.

Dass die kurz danach gegründete Firma SAM auch den Freistaat beim Abbau toxischer Bank-Papiere berät, sorgte bereits in Sachsen für Aufsehen. Dass sich der Fall nun in Hamburg wiederholt, stößt bei den Hamburger Linken auf Kritik: "Da die handelnden Personen hinter SAM den Flurschaden bei den Banken ja selbst angerichtet haben, ist es natürlich ein Einfaches, nun gezielt die zu sanierenden Banken zu beraten. So werden die früheren Brandstifter zu Feuerwehrleuten", sagte Bischoff.

SAM-Chef Ihle dagegen verteidigt das Konzept: "In Hamburg und Schleswig-Holstein ist es wichtig, dass Leute mit Erfahrung arbeiten", sagte er dem "Abendblatt". "Wir haben diese Erfahrung aus dem Fall der SachsenLB." Im Übrigen sei er erst 2007 zur SachsenLB gekommen.

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