Job für Ex-Siemens-Chef: Pierer will Software-Händler zum Durchbruch verhelfen
Der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer hat eine neue Aufgabe: Der Manager berät eine Firma, die mit gebrauchter Software handelt. Seine Fähigkeiten als Netzwerker stellte er schon unter Beweis. Den Job ergatterte er durch eine Kreuzfahrt-Bekanntschaft.
München - Eigentlich könnte sich Heinrich von Pierer mit 71 Jahren zur Ruhe setzen. Aber der frühere Siemens-Chef wagt sich noch einmal an eine neue Aufgabe. Er steigt als Verwaltungsrat bei dem Unternehmen Usedsoft ein, das gebrauchte Microsoft-Produkte an Firmen verkauft. Neben Pierer heuerte die Firma auch den früheren BDI-Chef Hans-Olaf Henkel als Berater an.
Erst vor einigen Monaten hatte Pierer mit der Nachricht für Aufsehen gesorgt, dass er als Edel-Animateur auf einem Kreuzfahrtschiff anheuert. Dort lässt er die Gäste an seinen Erfahrungen als Wirtschaftsprofi teilhaben. Und dieser Job wiederum verhalf ihm nun auch zur neuen Aufgabe. Denn als Pierer auf einem Kreuzfahrtschiff in China als Gastredner auftrat, lernte er den Geschäftsführer von Usedsoft, Peter Schneider, kennen.
Es war wohl nicht das Geld, das Pierer und Henkel an ihrem neuen Job reizte. "Ich habe noch nie ein so geringes Gehalt bekommen", sagte Henkel, der früher als Manager bei IBM arbeitete und von 1995 bis 2000 Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) war. Über die Höhe schweigen die Firma und die beiden Verwaltungsräte.
Pierer begründete sein Engagement mit Kampfeslust: "Es hat mir immer Spaß gemacht, gegen festgefahrene Strukturen und Monopole anzukämpfen, die dem freien Wettbewerb entgegenstehen", sagte er am Freitag in München über seine neue Aufgabe. Usedsoft ist seit 2003 am Markt und beschäftigt 22 Mitarbeiter. Umsatzzahlen nennt das Unternehmen nicht.
Pierer stand von 1992 bis 2005 an der Spitze von Siemens. Bis 2007 saß er im Aufsichtsrat des Konzerns, trat aber im Zuge der Schmiergeldaffäre zurück. Der einstige Top-Manager zahlte seinem Ex-Arbeitgeber im Rahmen eines Vergleichs fünf Millionen Euro. Seit seinem Ausscheiden bei Siemens tritt Pierer kaum noch öffentlich auf. Eine Verwicklung in die Affäre hat er stets zurückgewiesen.
mmq/dpa
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