Ex-VW-Chef Winterkorn soll schon 2014 von überhöhten Abgaswerten gewusst haben

Im September 2015 war bekannt geworden, dass VW Abgaswerte manipuliert hat. Ex-Chef Winterkorn will erst kurz zuvor davon erfahren haben. Einem Bericht zufolge beweisen interne Dokumente das Gegenteil.

Ex-VW-Chef Winterkorn (im September 2015): "Keines Fehlverhaltens bewusst"
REUTERS

Ex-VW-Chef Winterkorn (im September 2015): "Keines Fehlverhaltens bewusst"


Er sei sich "keines Fehlverhaltens bewusst", schrieb der damalige VW-Chef Martin Winterkorn am 23. September 2015 in seiner Rücktrittserklärung. Jetzt kommen Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aussage auf: Offenbar hatte ein Mitarbeiter den Ex-Vorstandschef bereits im Mai 2014 schriftlich über die Ermittlungen der US-Umweltbehörde wegen überhöhter Abgaswerte und der Suche nach einer VW-Betrugssoftware gewarnt, wie die "Bild am Sonntag" berichtet.

Fünf Tage vor Winterkorns Rücktritt, am 18. September, war bekannt geworden, dass VW illegale Softwarebefehle in Autos programmiert hat. Diese erkennen, wenn die Abgaswerte des Fahrzeugs auf dem Prüfstand getestet werden und sorgen dafür, dass sie sauber sind. Auf der Straße aber bläst der Wagen dann viel mehr Stickoxide als erlaubt in die Luft. Die US-Umweltbehörde ordnete den Rückruf von 500.000 Dieselautos an.

In den internen Dokumenten geht es laut "Bild am Sonntag" um Messungen der Behörden, bei denen die zulässigen Stickstoffwerte (Nox) um das bis zu 35-Fache überschritten wurden. "Eine fundierte Erklärung für die dramatisch erhöhten Nox-Emissionen kann den Behörden nicht gegeben werden", heißt es in dem Schreiben an Winterkorn. Es sei "zu vermuten, dass die Behörden die VW-Systeme daraufhin untersuchen werden, ob Volkswagen eine Testerkennung in die Motorsteuergeräte-Software implementiert hat (so genanntes defeat device)".

Gesetzeswidrige Abgaswerte bereits im August bestätigt

Zu diesem frühen Zeitpunkt gab es bereits den Verdacht, die Amerikaner könnten nach einer Manipulationssoftware (Defeat Device) suchen. Winterkorn hatte versichert, von der Schummel-Software erst kurz vor dem 18. September 2015 erfahren zu haben.

Laut der Notiz hatte bereits am 5. August 2015 ein hochrangiger VW-Manager gegenüber dem Vizechef der kalifornischen Umweltbehörde CARB die gesetzeswidrigen Abgaswerte bestätigt. Nach diesem Eingeständnis sei man in Wolfsburg davon ausgegangen, dass auf den Konzern erhebliche Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen zukommen werden.

Dennoch hatte VW die Öffentlichkeit erst am 22. September 2015 in einer so genannten Ad-hoc-Meldung darüber informiert.

kry

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