Ex-Wirtschaftsminister Werner Müller wird Chef der RAG-Stiftung

Als Ruhrkohle-Chef hob Werner Müller sie einst mit aus der Taufe - nun ist der frühere Bundeswirtschaftsminister an die Spitze der RAG-Stiftung gewählt worden. Sie hält die Mehrheit am Chemiekonzern Evonik und wickelt den Steinkohlebergbau ab.

Werner Müller (Archivfoto von 2006): Neuer Chef der RAG-Stiftung
dapd

Werner Müller (Archivfoto von 2006): Neuer Chef der RAG-Stiftung


Essen - Das politische Tauziehen um den Spitzenposten bei der RAG-Stiftung ist entschieden: Der frühere Wirtschaftsminister Werner Müller wird neuer Chef der Stiftung, die den Steinkohlebergbau in Deutschland bis zum Jahr 2018 abwickelt. Das Kuratorium wählte Müller zum Nachfolger von Wilhelm Bonse-Geuking, wie die Stiftung mitteilte. Neuer Vorsitzender des Kuratoriums, das Aufsichtsgremium der Stiftung, wird der ehemalige RWE-Chef Jürgen Großmann. Müller und Großmann sollen ihre Ämter zum 1. Dezember antreten.

Die Kohlestiftung hält die Mehrheit am Essener Spezialchemiekonzern Evonik. Aus ihren Einnahmen finanziert sie die Milliardenkosten für die sogenannten Ewigkeitslasten des Bergbaus, vor allem das Abpumpen des Wasser aus den mehreren tausend alten Stollen an der Ruhr und der Saar. Außerdem fördert sie Kultur, Bildung und Wissenschaft in den Bergbauregionen.

Müller hatte dieses Konzept einst vorgeschlagen. Nach seiner Zeit als parteiloser Wirtschaftsminister im rot-grünen Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder von 1998 bis 2002 wechselte er 2003 an die Spitze der Ruhrkohle AG. In dieser Funktion schlug er vor, die Chemie aus dem Konzern herauszulösen und sie unter neuem Namen und im Eigentum einer Stiftung an die Börse zu bringen. So könnte sie sich frei entwickeln, Milliarden einspielen und aus diesen Einnahmen würde die Stiftung die sozialverträgliche Abwicklung der Steinkohlezechen bezahlen. Müller setzte sich mit dieser Idee durch, und die Chemiesparte wurde zum Evonik-Konzern.

Zu ihrer Finanzierung greift die Stiftung unter anderem auf die Evonik-Dividenden zurück. Ziel bleibt aber ein Börsengang des Konzerns, an dem auch der Finanzinvestor CVC mit rund 25 Prozent beteiligt ist. Der Vorstand der RAG-Stiftung umfasst insgesamt drei Manager, nach dem Willen des Kuratoriums soll das gesamte Gremium sbis zum 1. Dezember neu besetzt werden.

Um den Vorsitz des Stiftungsvorstands hatte es jahrelanges politisches Gerangel gegeben, weil die NRW-CDU Müller abgelehnt hatte. Im Kuratorium sitzen unter anderem die Ministerpräsidentinnen des Saarlands und Nordrhein-Westfalens, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Hannelore Kraft (SPD), Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis.

fdi/dpa/Reuters



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Palmstroem 02.11.2012
1. Rotverschiebung
Zitat von sysopdapdAls Ruhrkohle-Chef hob Werner Müller sie einst mit aus der Taufe - nun ist der frühere Bundeswirtschaftsminister an die Spitze der RAG-Stiftung gewählt worden. Sie hält die Mehrheit am Chemiekonzern Evonik und wickelt den Steinkohlebergbau ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ex-wirtschaftsminister-werner-mueller-wird-chef-der-rag-stiftung-a-865055.html
Müller und Tacke - noch zwei rote Abstauber! "Für die rot-grüne Bundesregierung verhandelte Müller mit der Industrie den Kernenergiekompromiss (Atomausstieg). In die Schlagzeilen geriet Müller, als er das vom Bundeskartellamt ausgesprochene Verbot der Übernahme der Ruhrgas durch die Nachfolgegesellschaft seines ehemaligen Arbeitgebers VEBA, die E.ON AG,[1] aus Gründen des überragenden Interesses der Allgemeinheit[2] nicht hinnehmen wollte und deshalb seinen Staatssekretär Alfred Tacke anwies, die Fusion durch Erteilung einer Ministererlaubnis nach § 42 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen zu ermöglichen. Tacke wurde 2004 Vorstandsvorsitzender beim Stromversorgungsunternehmen STEAG, einer 100%igen Tochter der inzwischen seit Juni 2003 von seinem ehemaligen Chef Werner Müller geleiteten RAG, an der E.ON bis August 2007 mit rund 40 % beteiligt war.[3]" (wikipedia)
Kohle&Reibach 02.11.2012
2. Eigentum einer Stiftung
Zitat von sysopdapdAls Ruhrkohle-Chef hob Werner Müller sie einst mit aus der Taufe - nun ist der frühere Bundeswirtschaftsminister an die Spitze der RAG-Stiftung gewählt worden. Sie hält die Mehrheit am Chemiekonzern Evonik und wickelt den Steinkohlebergbau ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ex-wirtschaftsminister-werner-mueller-wird-chef-der-rag-stiftung-a-865055.html
grins. Was hier abgeht ist nicht mehr normal. Alles wird verkloppt und privatisiert. sozialverträgliche Abwicklung der Steinkohlezechen nennt man das.
konradhaderthauer 03.11.2012
3. Veruntreuung von Steuergeldern ?
Zitat von sysopdapdAls Ruhrkohle-Chef hob Werner Müller sie einst mit aus der Taufe - nun ist der frühere Bundeswirtschaftsminister an die Spitze der RAG-Stiftung gewählt worden. Sie hält die Mehrheit am Chemiekonzern Evonik und wickelt den Steinkohlebergbau ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ex-wirtschaftsminister-werner-mueller-wird-chef-der-rag-stiftung-a-865055.html
Ach, der fruehere Ruhrkohle-Chef ? Was hat er denn gemacht / geleistet, bevor er Bundesminister wurde ? Ach, er war ein kleiner ...... Hat man da etwa einen Apparatschik hochgejubelt, der, einmal im Amt, genau das tut, was man sich von ihm erwartet ? Schafft die Politik durch unnoetige Privatisierungen immer und immer mehr Jobs, die einzig und allein der gemessen am Leistungshorizont total ueberplanmaessigen Versorgung linientreuer, "zu belohnender" Parteihelden aller Lager dienen ? Im Strafgesetzbuch fehlt m.E. der Straftatbestand der Veruntreuung von Steuergeldern.
geotie 03.11.2012
4. yoooh
Habe ich nicht mal gelesen, weshalb die Politiker im Nachhinein so viel Geld hinterhergeworfen bekommen? Damit diese Leute keine Lobbyarbeiten danach *betreiben müssen*. Vielleicht sollte man beim leisesten Verdacht die weiteren Bezüge streichen.
walter_e._kurtz 03.11.2012
5. @ palmöl
Schön, daß Sie Ihren Beitrag mit dem Hinweis auf rot-grün untermalen, was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, daß dieser Vorgang ein unter Politikern allgemein üblicher ist; das Abstauben von Pöstchen und Pensionen, um sich das Altenteil nochmal so richtig zu vergolden - wie gesagt; ganz gleich, welches Parteibuch die Leute in der Brusttasche tragen. Und diese Praxis nimmt seit einigen Jahren immer groteskere Züge an. Es gibt Leute die behaupten, Ex-Kanzler Schröder hätte da eine Hemmschwelle derart tiefer gelegt, daß man nichtmal mehr hüpfen müßte um drüberzukommen. In der Form o.ä. hätte ich Ihnen vollumfänglich zugestimmt, aber da man ja Ihre pro-Schwatz-Geld Beiträge kennt...
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