Aus Affinghausen berichtet Daniela Schröder
Die sonst üblichen Fördergelder für Investitionen in der Landwirtschaft gab es bei dem 700.000 Euro-Projekt zwar nicht. Doch weil Schäfer nun auch die anfallende Wärme voll nutzen kann, zahlt ihm der Staat sogar mehr für den produzierten Strom. Auf ein Jahr hochgerechnet beträgt der gesetzlich festgelegte Bonus gut 100.000 Euro - mehr als das Futter für die Garnelen kostet.
Auch bei der Konstruktion liegt Schäfer günstig, denn Polyplan baute rein zweckmäßig. Wannen aus Holzlatten und Kunststoff-Folie hängen in einem vierstufigen Holzgerüst, das wie eine Treppe absteigt. Das minimalistische Stufen-Prinzip sorgt zudem für ein einfaches Ernten der Garnelen: In die oberen Becken kommen die Larven. Sind sie ein Stück gewachsen, dann lässt sie der Züchter durch ein Rohrsystem hinab in die nächste Wanne, bis sie schließlich im Erntebecken schwimmen.
Die Garnelen sind frei von Medikamenten
Alle sechs bis acht Wochen sollen neue Larven in die Wasserbecken kommen. Aus den 400 Kubikmetern will Schäfer bis zu 18 Tonnen Garnelen pro Jahr ernten und sie für 20 bis 30 Euro pro Kilo verkaufen. "Wir haben ein exklusives Produkt zu einem exklusiven Preis", sagt der Landwirt. "Schließlich wollen wir keine Supermärkte beliefern." Als Abnehmer sieht er vor allem Gourmet-Restaurants aus Norddeutschland, aber auch Privatkunden, denen frische Ware und kurze Transportwege viel wert sind.
Ein Biosiegel tragen die Garnelen vom Land zwar nicht. Doch anders als ihre Artgenossen aus Asien sind sie frei von Medikamenten. Groß und schwer werden die Tiere mit Sojaschrot, Erbsen, Algen und ein bisschen Fischmehl - diese Eiweißfuhre bekommen sie 14 Mal pro Tag.
"Da ist trotz des Fütterautomats eine Menge Fingerspitzengefühl gefragt", sagt Schäfer. Zu viel Futter verschmutze das Wasser, bei zu wenig werde die Garnele schnell zum Kannibalen. Überwacht und beraten wird das ungewöhnliche Projekt von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Schäfers Sohn Marco bereitete sich in den USA auf das neue Vieh im Stall vor, mehrere Monate arbeitete er dort auf einer Garnelenfarm. Aus Amerika stammen auch die ersten Larven.
Nicht so enden wie die Milchbauern
In den ersten drei Jahren kümmern sich zudem die Experten von Polyplan um das Zuchtprojekt der Schäfers. Denn die Garnele ist durchaus sensibel. Ihr Wasser muss exakt 30 Grad warm sein, und schon eine halbe Stunde ohne Sauerstoffzufuhr tötet den gesamten Bestand.
Das Aufbereiten des Wassers läuft nach einem ausgeklügelten Kreislaufprinzip auf biologischer Basis, alles dreht sich um Wasserchemie, um Biologie und um Technik. Von Kartoffeln auf Getreide wechseln, das mag für einen Landwirt einfach sein. Doch von Feld- auf Meeresfrüchte umzusteigen, sagen die Berater, dafür braucht es viel Wissen und Engagement.
Heinrich Schäfer aber ist zuversichtlich, dass sich seine "Marella Shrimps" auf dem gehobenen Markt etablieren werden. Um möglicher Konkurrenz vorzubeugen, hat er mit dem Hersteller der Anlage bereits einen Deal gemacht: Sollte die Firma einem anderen deutschen Landwirt eine Garnelenfarm verkaufen, muss dieser sich verpflichten, die Tiere in einen gemeinsamen Verkaufspool zu liefern. So will Schäfer eine Preisschlacht um die Garnele vom Festland verhindern. "Schließlich wollen wir nicht so enden wie die Milchbauern."
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