Exotische Meerestiere Großgarnelen made in Niedersachsen

Die Deutschen essen immer mehr Garnelen - zumeist Importware aus Asien und Lateinamerika. Ein Bauer aus der niedersächsischen Provinz will nun den Markt für sich erobern: In einem 900-Einwohner-Dorf baut er eine gigantische Zuchtanlage auf.

Aus Affinghausen berichtet Daniela Schröder


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Bauern-Startup: Landwirt Schäfer züchtet Garnelen
Eigentlich könnte Bauer Heinrich Schäfer beim Tierefüttern eine Badehose tragen. Im Stall ist es schwül-warm, die Luft ist drückend und feucht. Es dauert nicht einmal fünf Minuten - und Schäfer hat das dünne Karohemd durchgeschwitzt. Seine zigtausend Tiere aber lieben und brauchen das Treibhaus-Klima, ohne die Wärme würden sie nicht überleben.

Schweine und Kühe sind auf dem Hof in der Nähe von Bremen Vergangenheit. Bauer Schäfer sieht die Zukunft im Wasser: Als erster Landwirt in Deutschland züchtet er tropische Großgarnelen.

Und das im großen Stil. In Schäfers ehemaliger Traktorenhalle wachsen mehr als 170.000 graue Tierchen zur Erntereife heran. Vergangenen November hat er sie als winzige Larven in die Wasserbecken gesetzt, kurz vor Ostern will Schäfer mit dem Verkauf ab Hof frischer Riesengarnelen starten. "Dann dürften unsere Weißen Tiger gut 20 Zentimeter lang sein", sagt er. "Wiegen wird so ein Bursche etwa 25 Gramm."

Die Garnelen im deutschen Handel stammen meist aus Zuchtfarmen in Asien oder Lateinamerika, einige solcher Aquakulturen gibt es auch in südeuropäischen Ländern. Dass es die pazifische "White Tiger"-Garnele nun in das 900 Einwohner-Dorf Affinghausen verschlagen hat, liegt an einer Biogasanlage. Aus dem Mais, den Schäfer anbaut, gewinnt die Anlage Strom. Aber als Abfallprodukt erzeugt sie auch Wärme. Fernwärmeleitungen zu verlegen, hätte zu viel Geld gekostet, sagt Schäfer. Die Abwärme ungenutzt verpuffen zu lassen, empfand er jedoch als Verschwendung.

Die Garnele wird immer beliebter

Auf die Idee mit den wärmebedürftigen Meerestieren kamen der Landwirt und seine Familie eines Abends vor dem Fernseher. "Wir guckten eine von diesen Kochsendungen", erzählt Schäfer. Dabei sei ihnen aufgefallen, dass bei den Fischgerichten der Fernsehköche ständig Garnelen im Spiel sind. Rund 200 Tonnen davon landen täglich tiefgekühlt in Deutschland. Die Garnele wird immer beliebter, überlegten sich die Schäfers, doch weil es hierzulande zu kalt ist, gibt es sie nur als Importware. Wir dagegen haben jede Menge Wärme, und wir brauchen ein weiteres Standbein.

"Wenn man heute als Landwirt bestehen will, dann muss man sich was einfallen lassen", sagt Schäfer. Mit dem Einfahren der Ernte für andere Höfe verdiente der 60-Jährige zuletzt sein Geld, dann investierte er in die Biogasanlage. In der niedersächsischen Provinz eine Garnelenzucht aufziehen zu wollen, erwies sich jedoch als Expedition ins Unbekannte.

Nicht nur für die Schäfers. "Ob Baubehörde oder Veterinäramt, anfangs wusste niemand, ob man unsere Garnelenfarm überhaupt genehmigen darf", sagt Schäfer. Und die Banker hätten lange nur die Köpfe geschüttelt. Exotische Meerestiere aus Niedersachsen - für so eine Spinnerei wollten sie keinen Kredit geben.

Daher dauerte es von der Idee bis zum Einsetzen der ersten Larven zweieinhalb Jahre. Als es endlich einen Kredit gab, engagierte Schäfer für die Planung der Anlage ein Bremer Ingenieurbüro für Umwelttechnik. Bereits seit 2003 arbeitet die Firma Polyplan an Konzepten für Garnelen-Aquakulturen. Die Profi-Zucht in Affinghausen gilt nun als Härtetest. Sollte sich das für Bauer Schäfer entwickelte Konzept entgegen aller Berechnungen doch nicht rentieren, dann dürfte es mit der Garnelenzucht in Deutschland vermutlich gar nicht klappen. Sagen zumindest die Konstrukteure.

insgesamt 39 Beiträge
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Haio Forler 28.02.2010
1. .
Zitat von sysopDie Deutschen essen immer mehr Garnelen - zumeist Importware aus Asien und Lateinamerika. Ein Bauer aus der niedersächsischen Provinz will nun den Markt für sich erobern: In einem 900-Einwohner-Dorf baut er eine gigantische Zuchtanlage auf. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,678615,00.html
Warum sollen asiatische Garnelen nicht in Nniedersachsen aufwachsen könnten. Und so langsam stirnt halöt auch die Generation aus, die nix außer Vollkornbrot mit Schinken drauf kennen.
JeremiahRose 28.02.2010
2. Monopol
Ich finde es interessant, das er gleich vertragstechnisch schon eine Monopolstellung eingeplant hat. Mit dem Praxiswissen seines Sohnes und der fertigen Konstruktion seh ich da tatsächlich Potenzial für die Projekt. Aus Sicht des Kunden (meine Sicht! ;)) wäre es schön, wenn dieses Beispiel Schule machen könnte, denn ich esse gerne Garnelen, doch die Preise sind mir zu hoch.
sample-d 28.02.2010
3. Banker ;)...
"Und die Banker hätten lange nur die Köpfe geschüttelt. Exotische Meerestiere aus Niedersachsen - für so eine Spinnerei wollten sie keinen Kredit geben." Verstehe ich nicht, logisch wird sich das rechnen - gerade im Zusammenspiel mit der Biogasanlage... Banker sind echt nicht die allerhellste Berufsgruppe in Deutschland...
Diwoka1 28.02.2010
4. ...
Und doch endlich einmal ein positiver Bericht über einen in der Landwirtschaft /Nahrungsmittelgewinnung, der nicht nur nach der nächsten Eu-Subvention schreit, der sich nicht permanent beschwert, daß es zu naß, zu trocken, zu heiß oder zu kalt ist.
kurtwied, 28.02.2010
5. Lohnt es sich, weil ...
... die Förderung im Rahmen des Erneuerbaren Energie Gesetz so üppig sprudelt? Diese Subvention scheint ein Grund für die erwartete positive Bilanz. Das würde erklären, warum es sich für andere nicht gerechnet hat ...
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