Expansion nach Großbritannien Bahn spielt bei Milliarden-Zukauf auf Risiko

Es ist die größte Übernahme in der Geschichte der Deutschen Bahn - doch beim milliardenschweren Kauf des britischen Konkurrenten Arriva geht der Staatskonzern erstaunlich blauäugig vor. Das Motto lautet: blindes Vertrauen statt eingehender Prüfung.

Von Michael Machatschke

Bahnchef Grube: "Durch den Kauf sparen wir Zeit und Geld"
REUTERS

Bahnchef Grube: "Durch den Kauf sparen wir Zeit und Geld"


Hamburg - Schluss mit dem Trübsinn! Monatelang musste Bahn-Chef Rüdiger Grube öffentlich leiden; die Pannenserie im Winter zwang ihn zu Demut ("In unserem Brot- und Buttergeschäft läuft vieles nicht rund"). Doch jetzt ist er wieder obenauf. Die geplante Übernahme des britischen Bus- und Bahnbetreibers Arriva euphorisiert Grube geradezu. Arriva biete "exzellente Chancen" im europäischen Geschäft, schwärmt der Manager. Um so weit zu kommen, "hätten wir sonst Jahre gebraucht", "durch den Kauf sparen wir viel Zeit und Geld".

Flott voran kommt der Konzern nun in der Tat, der Umsatz springt um 3,5 Milliarden Euro in die Höhe. Ob allerdings die 2,7 Milliarden Euro gut angelegt sind, die Grube für den teuersten Erwerb in der Geschichte der Deutschen Bahn (DB) ausgeben will, ist fraglich. Experten fürchten, der Kaufpreis könne arg hoch gegriffen sein. Durch eine nüchterne Analyse jedenfalls scheint er nicht gedeckt. Vertrauliche Aufsichtsratspapiere zum Arriva-Deal (Codename: "Projekt Blue") legen den Schluss nah, dass die Wertermittlung mehr auf Gutgläubigkeit und Phantasie beruht denn auf Wissen.

Tiefe Einblicke ins Zahlenwerk? Intime Detailkenntnisse? Was bei Transaktionen dieser Größenordnung zu erwarten wäre, fehlt offenkundig. "Die Unternehmensbewertung", heißt es in der Unterlage, "basiert weitestgehend auf den öffentlich verfügbaren Unternehmensinformationen sowie Annahmen von Brokern."

Zwar ist in dem Papier von einer "Due Diligence" die Rede, also einer eingehenden Prüfung. Einschränkend heißt es aber gleich darauf: "Der Business-Plan des Arriva-Managements wurde im Rahmen der 'Due Diligence' nicht bereitgestellt." Die Arriva-Führung war bei der Faktenfeststellung nur eingeschränkt hilfreich. Sie empfing die DB-Emissäre zwar und lobte das eigene Unternehmen in den höchsten Tönen.

Zu strahlend dargestellte Zukunft?

Doch sich festlegen, die Prognosen schriftlich manifestieren, wollten die Vorstände nicht. "Ein Großteil der erhaltenen Informationen", räumt das DB-Papier ein, "basiert auf mündlichen Aussagen des Managements." Die Briten hatten allen Grund, zum Kauf zu raten. Denn mit dem Eigentümerwechsel ist auch für sie eine erhebliche finanzielle Veränderung drin.

Die Arriva-Führung ist mit gleich drei Bonusprogrammen gesegnet. Sobald die Bahn Arriva übernimmt, hat der Vorstand das Recht, nach Belieben zu kündigen - und sämtliche Boni sofort mitzunehmen. Allein für Unternehmenschef David Martin würden 8,6 Millionen Euro herausspringen, für den Finanzchef wären es 5,7 Millionen Euro. Bislang heißt es zwar, das Management solle unbedingt an Bord bleiben. Es wäre aber keine Überraschung und reihte sich die gängige Erfahrung ein, wenn die Führungskräfte doch bald das Weite suchten - von Grund auf saniert.

Insgesamt setzt die Bewertung von Arriva auf eine strahlende, womöglich allzu strahlend dargestellte Zukunft. Das Bewertungsverfahren basiert auf zukünftigem Cash Flow, also den Rohertrag. Dies sei üblich, heißt es in dem Dokument, "wenn das zu bewertende Unternehmen sehr stark in Umsatz- und Ergebniswachstum investiert hat und sich das Wachstum noch nicht in den derzeitigen Zahlen widerspiegelt, wie dies bei Arriva der Fall ist". Frei übersetzt: Gelobt sei, was man nicht sieht. Allein die Schuldenlast ist schon jetzt deutlich auszumachen. Für Arriva lässt Grube alle Sparvorsätze fahren.

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Forum - Ist Grube der Richtige für die Deutsche Bahn?
insgesamt 215 Beiträge
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Seite 1
rick.sander 25.03.2010
1. Grube ist genauso der Richtige
wie Mehdorn der Richtige war, oder auch nicht. Er hat ja bei ihm gelernt. Beide sind keine Eisenbahner und damit von vornherein für diesen Job ungeeignet, denn die Bahn hat ihre eigenen Gesetze. von dem "Gewinn" muß man die Einsparungen noch abziehen, die nicht erzielt worden wären, wenn die Fahrzeuge anständig gewartet worden wären(denn das kostet) und das notwendige Personal um pünktlich und sauber zu sein. Dann bliebe nichts mehr übrig und die Mißwirtschaft und Unfähigkeit der Verantwortlichen läge offen zu Tage. dann wäre da noch die Frage, wo denn der "Gewinn" herkommt und wofür er verwendet wird. Denn von den notwendigen Streckensanierungen und -Ausbauten ist ja keine Rede. Das Netz gehört weg von der DB und dann werden wir sehen.
Elfenklatscher 25.03.2010
2. selbst ins knie geschossen
die dbag wundert sich wohl ernsthaft über diesen einbruch? sie ist selbst verantwortlich dafür! die db verhindert mit aller kraft jeglichen gütertransport, wo sie nur kann. es werden keine gleisanschlüsse an fabrikgelände gebaut, lkw per zug transportieren wurde wieder abgeschafft, die kosten für speditionsfirmen hat die bahn in die höhe geschraubt, strecken werden eingestampft. es gibt mehrere gutachten, die belegen, daß dadurch der güterverkehr auf der strasse wieder zugenommen hat. manchmal frage ich mich, wozu es die dbag noch gibt. immerhin arbeitet sie fatalerweise gegen ihre kundschaft und beschwert sich dann über einbrechende gewinne...sowas
japan10 25.03.2010
3.
Zitat von sysopDie Wirtschaftskrise hat die Deutsche Bahn stark gebeutelt: Der Gewinn ist 2009 um über 32 Prozent eingebrochen und sank auf 830 Millionen Euro. Ist Grube der Richtige für die Deutsche Bahn?
Nicht die Finanzkrise hat die Bahn gebeutelt, sondern die Bahn selbst zieht sich nach unten. Grube will ja auch an die Börse und sich im Haifischbecken tummeln, damit noch mehr die Daumenschrauben angezogen werden können. Dieser Konzern ist ein gutes Spiegelbild für unsere Gesellschaft.
weltbetrachter 28.03.2010
4. ... wann denn auch hier ? ? ?
Glückwunsch an die Deutsche Bahn ! ! ! Aber wann wird denn hierzulande mit gleicher Akrebie gehandelt? Projekte stecken jahrelang fest, die Ostanbindung des Münchener Flughafens sei da nur als Beispiel für viele andere genannt. Prima das im Ausland Projekte durchgeführt werden. Aber wo bleibt Deutschland ??? - Oder kommen künftig die Subventionen für die Bahn auch aus dem Ausland zur Entlastung des deutschen Steuerzahlers ? ? ?
oberst klein 28.03.2010
5. Bahn ergattert Großauftrag für Schienennetz am Golf
Das ist ja wohl ein Witz: In Deutschland sind die Züge dreckig und unpünktlich und jetzt investiert die heruntergewirtschaftete Bundesbahn Milliarden an Steuergeldern in Abu Dhabi.
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