Elektroautos Bloomberg prophezeit Preisverfall bei Auto-Akkus

Auf den Straßen genießen Elektroautos noch immer Exotenstatus. Jetzt wecken die Finanzexperten von Bloomberg Hoffnung: Sie beobachten einen extremen Preisverfall bei den Batterien - der noch eine Weile anhalten dürfte.

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London - Die Euphorie um das Elektroauto scheint fürs Erste verflogen zu sein. Kaum ein Experte glaubt noch daran, dass bis 2020 eine Million E-Mobile über die Straßen rollen, so wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor drei Jahren versprochen hat. Die aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts zur Elektromobilität in Deutschland sind ernüchternd. Am 1. Januar waren hierzulande 4541 Elektroautos zugelassen. Der Großteil davon entfiel auf Showfahrzeuge, die als Testwagen dienen oder als Aushängeschild für Umweltorganisationen und Stromerzeuger. In privaten Garagen landeten gerade einmal 101 Elektroautos.

Ein Grund für die Skepsis der Kunden dürften die exorbitanten Preise der Batterien sein, die immerhin rund 25 Prozent der Gesamtkosten für ein E-Mobil ausmachen. Ein vergleichbarer Kleinwagen mit einem modernen Verbrennungsmotor ist im Vergleich dazu unschlagbar preisgünstig.

Kapazitäten für 400.000 E-Mobile

Doch der Vorsprung schmilzt. Denn laut Bloomberg werden die Batterien Jahr für Jahr um 14 Prozent billiger. Die Experten der Bloomberg-Tochter New Energy Finance haben eigens einen neuen Index geschaffen, um die Preisentwicklung der Energiespeicher zu beobachten. "Batterien spielen eine Schlüsselrolle für den Erfolg der Elektroautos", erklärt der Chef von Bloomberg New Energy Finance, Michael Liebreich. "Der neue Index soll Investoren, Politikern und der Industrie die notwendigen Entscheidungshilfen liefern, um das Thema wirksam voranzutreiben".

Dem Index zufolge kostete eine Kilowattstunde eines Lithium-Ionen-Akkus im ersten Quartal 2012 noch rund 689 Dollar und damit rund 30 Prozent weniger als noch 2009. In 15 bis 20 Jahren, so schätzen die Experten, könnte der Preis dann auf 150 Dollar pro Kilowattstunde geschrumpft sein. Ein Kleinwagen vom Schlage eines Mitsubishi iMiEV oder eines Nissan Leaf mit 24 KWh wäre dann kaum teurer als sein Verbrenner-Pendant.

Doch nicht erst in ein oder zwei Jahrzehnten dürften die Batteriepreise deutlich sinken, sondern bereits in allernächster Zeit. Denn angesteckt von der allgemeinen E-Mobil-Euphorie hätten die Batteriehersteller in der Vergangenheit massive Überkapazitäten aufgebaut, die jetzt für einen entsprechenden Preisdruck sorgten. Bei voller Auslastung könnte eine Jahresproduktion von Lithium-Ionen-Akkus derzeit rund zehn GWh Strom speichern - genug, um rund 400.000 E-Mobile auszurüsten. Angesichts der noch im Bau befindlichen Fabrikationslinien wird der Wert noch auf 17 GWh steigen. "Der Preisverfall mag die Batteriehersteller schmerzen", sagt Liebreich. "Aber er wird der Technologie entscheidend zum Durchbruch verhelfen."



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mauimeyer 20.04.2012
1.
Kosten und Preise haben oft keinen Zusammenhang. wenn aber die Kosten mittelfristig nicht mehr durch verfallende Preise gedeckt werden, dann folgt unweigerlich das AUS, wie wir gerade bei der Photovoltaik sehen. Für so einen Krüppel von Auto, wie den Smart E-Drive, verlangt die Firma zu dem hohen Fahrzeugpreis 90 €/Monat Leasingkosten. Dann kommt noch die Ladestation in der eigenen Garage dazu, denn eine normale Steckdose dürfte bei >15 A Dauerladestrom an ihrer Grenze sein. Alle die Experten dürfen weiter träumen! Ach so - der nächste Winter kommt bestimmt. das ist eine ganz tolle Zeit für diese "Studentenvehicles". Kauri
Wurm 20.04.2012
2.
ist doch eher, dass der überwiegende Teil der Autofahrer sein Auto nicht in der eigenen Garage mit Steckdose stehen hat. Das gilt insbesondere für Städte (wo E-Autos am meisten Sinn machen).
markh 20.04.2012
3.
kommen erstmal die SuperCaps ... d.h. der Preisverfall
mauimeyer 20.04.2012
4. Städte und Garagen
Zitat von Wurmist doch eher, dass der überwiegende Teil der Autofahrer sein Auto nicht in der eigenen Garage mit Steckdose stehen hat. Das gilt insbesondere für Städte (wo E-Autos am meisten Sinn machen).
Sie haben absolut Recht. Mit offenen Augen und ein ganz klein wenig Nachdenken hätte auch unsere ach so beflissenen Subventionspolitiker darauf kommen können, daß die innerstädtische e-Mobilität nur über Car-sharing funktioniert, wo Plätze und Ladesäulen definiert sind. Aber dem stehen trotz aller Euphorie der "Protagonisten einer besseren Welt" erhebliche Probleme entgegen: Wer , d.h. welche Firma bkommt von dem kostbaren öffentlichen Raum die "Hot-Spots"? Nur die , die zuerst da sind und sich dann als Monopolisten gebärden? (Car2go) Wer stellt sicher, daß die Kisten nicht so behandelt werden, wie früher öffentliche Telefonzellen? Vandalismus ist in Paris schon jetzt der Grund für den Rückzug aus diesem Geschäft. Ergo: Der Batteriepreis ist nicht die große Hemmschwelle. Es ist die vergleichbar "schwachbrüstige" Technik und eine vorhandene Infrastruktur die auf "Verbrenner" ausgelegt ist. Ich stelle mir gerade vor, wenn in der Tiefgarage >40 Autos tagsüber am Saft hängen. und das gerade zu dem Zeitpunkt, wo auch Strom von der Industrie nachgefragt wird! Kauri
iberius 20.04.2012
5. Bei Verdoppelung der Stückzahlen sinken die Stückkosten um 20%
Das wichtigste 'Naturgesetz' der Wirtschaftswissenschaft besagt, dass mit der Verdoppelung der produzierten Stückzahl die Stückkosten um 20 % sinken. Begründung: Erfahrungskurve Skaleneffekt (Economies of scale) Bei den geringen Stückzahlen an Auto-Akkus ist diese Prophezeiung unter Wirtschaftswissenschaftlern keine Prophezeiung sondern ein Fakt. Solange Institutionen wie z.B. die Öl-Multis, OEM's keine Marktstörung verursachen und/oder keine Bildung eines Oligopols erfolgt, wird dieses Naturgesetz (Sinken der Stückkosten) wirken.
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