Schwache Konjunktur Deutscher Export bricht ein

Deutschlands Konjunktur trübt sich spürbar ein. Im August ist der Export um 5,8 Prozent gefallen - so stark wie seit mehr als fünfeinhalb Jahren nicht.

Container im Hamburger Hafen: Verzerrte Zahl
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Container im Hamburger Hafen: Verzerrte Zahl


Hamburg - Erst ein Rückgang der Industrieaufträge und Produktionszahlen, jetzt die Exporte: Deutschlands Ausfuhren sind im August eingebrochen. Sie sanken um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit Anfang 2009, als der Außenhandel wegen der weltweiten Wirtschaftskrise wegbrach.

Der jüngste Rückgang folgt allerdings auf einen Rekord im Vormonat. Zudem schränkt das Bundesamt ein, dass die schwache Entwicklung auch auf die späte Lage der Sommerferien zurückzuführen sei.

Die Unternehmen verkauften im August Waren im Originalwert von 84,1 Milliarden Euro ins Ausland. Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres bedeutet dies ein Minus von 1,0 Prozent. Noch im Juli hatten die deutschen Exporte erstmals die 100-Milliarden-Euro-Marke geknackt.

Während die Geschäfte im August mit den EU-Ländern um 2,0 Prozent anzogen, schrumpften die mit dem Rest der Welt um 4,7 Prozent im Vergleich zum August 2013. Der Überschuss in der Handelsbilanz - die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren - fiel auf 17,5 Milliarden Euro.

"Die Sanktionen gegen Russland greifen voll"

Ökonomen bezeichneten den Exportrückgang im August wegen der späten Sommerferien als verzerrt. Der Ferieneffekt erkläre aber nicht alles, sagte Stefan Kipar von der BayernLB. "Die Sanktionen gegen Russland greifen voll, das hinterlässt Spuren." Auch für das Winterhalbjahr dürften demnach vom Außenhandel kaum positive Wachstumsimpulse kommen. Grund sei vor allem die Ukraine-Krise.

Auch die führenden Forschungsinstitute rechnen in ihrem Herbstgutachten mit einem schwächeren Wachstum. Mehreren Medienberichten zufolge haben die Forscher ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr von 1,9 auf 1,3 Prozent gesenkt. Für 2015 werden statt 2,0 nun 1,2 Prozent vorhergesagt. Das Gutachten für die Bundesregierung soll am Vormittag offiziell vorgestellt werden.

Auch am Aktienmarkt macht sich Unsicherheit breit. Der Dax schloss am Mittwoch erstmals seit einem Jahr unter 9000 Punkten.

yes/Reuters/dpa



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insgesamt 181 Beiträge
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sebastian.teichert 09.10.2014
1. Ohhh nein! :O
Wenn Aufträge ausbleiben sinkt auch der Export? Wie kann das denn sein? Mal ganz ehrlich das war so absehbar wie das es heute Abend wieder dunkel wird! -.- Aber Hauptsache die nächste Hiobsbotschaft als erster abgedruckt zu haben -.-
protagon 09.10.2014
2. Einen lieben Dank...
... an "Stoppt Putin Jetzt"-Spiegel und Konsorten für die maßgebliche Unterstützung der Russland Sanktionen. Möget Ihr die ersten sein, die durch die Auswirkungen in die Insolvenz getrieben werden.
European 09.10.2014
3. Der Wirtschaftskrieg gegen Russland zeigt Erfolge
daran kann kein Zweifel sein. Im letzte Krieg zwischen Deuschland und Russland waren die Amerikaner auch die lachenden dritten. Europa geht es nun mal nicht gut wenn sich Russland und Deutschland nicht grün sind.
Spirit in Black 09.10.2014
4. Welch Wunder
Erst drückt 'man' der EU Spardiktate auf und dann kappt 'man' sich mit den Sanktionen gegen Russland einen der wichtigsten Exportmärkte. Ist ja alles nicht so schlimm, es sei denn 'man' ist "Export-Nation"...
axcoatl 09.10.2014
5. Tarifverhandlungen-Panik?
Stehen wieder mal TRifverhandlungen im vearbeitenden Gewerbe und der Industrie an, so dass wieder der Panik-Modus angestoßen wird? ;-) Irgendwie ist das alles doch mehr als unglaubwürdig: mal Rekord, dann Panik, dann hurra, dann oh weh ... letztendlich wird das gesagt, was die Wirtschaft hören will. Man sollte immer sehr misstrauisch bleiben.
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