Rohstoffboom: Obama befeuert Amerikas Gasrausch

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Die USA wollen der größte Energieproduzent der Welt werden - und künftig Gas weltweit exportieren. Präsident Obama genehmigt dafür jetzt ein milliardenschweres Infrastrukturprojekt. Konzerne und Investoren hoffen, dass Amerikas Rohstoffrausch noch größer wird.

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Corbis

Hamburg - Der Gasrausch in den USA verstärkt sich: Präsident Barack Obama hat das Ziel gesetzt, die Vereinigten Staaten zum größten Energieproduzenten der Welt und zum Nettoexporteur von Gas zu machen - um so das geopolitische Gewicht der von China attackierten Supermacht weiter zu steigern. Nun stellt die US-Regierung die ersten Weichen in diese Richtung.

Gerade hat sie dem sogenannten Freeport-Projekt die Exportgenehmigung erteilt. Im Bundesstaat Texas soll ein Terminal für Erdgas so umgerüstet werden, dass es ab 2017 keine Annahmestelle für Gaslieferungen aus dem Ausland mehr ist, sondern eine Abschussrampe für das in den USA produzierte Gas. Zwei Prozent der derzeitigen US-Gasproduktion könnten dann in Freeport auf Minus 164 Grad Celsius heruntergekühlt und per Schiff in alle Welt verkauft werden.

Die Genehmigung des sogenannten LNG-Exportterminals war erwartet worden, doch sie kam überraschend früh. Und sie stellt, mit Blick auf die bisherige US-Energiepolitik, eine Zäsur da. Vor Freeport war erst ein weiteres Infrastrukturprojekt für Gasausfuhren genehmigt worden: die Umrüstung der Sabine-Pass-Anlage im US-Südstaat Louisiana, ebenfalls von Import auf Export. Das war bereits im Mai 2011. Danach wurde die Entscheidung, ob die USA verstärkt auf Gasexporte setzen sollten, vertagt.

Nun handelt die Regierung erstmals seit zwei Jahren wieder - und weckt sofort Begehrlichkeiten vieler Großindustrieller. Diese hoffen auf einen verstärkten Gasexport, der Amerikas Rohstoffrausch zusätzlich befeuert. Und damit auf Milliardengewinne.

Kontroverse Fördertechnik

Es ist allerdings umstritten, wie viel Gasexporte für die USA ökonomisch sinnvoll sind. Befürworter sagen, die Ausfuhren würden die US-Handelsbilanz in Ordnung bringen - das Verhältnis aller Einnahmen und Ausgaben aus Importen und Exporten der Vereinigten Staaten. Zudem könne man einer im Vergleich zur Kohle deutlich weniger klimaschädlichen Technologie weltweit Auftrieb geben - und Verbündete, die auf Energieimporte angewiesen sind, politisch stärker an die USA binden.

Kritiker dagegen sagen, die Ausfuhren könnten zu einem Anstieg der heimischen Energiepreise führen - was der heimischen Industrie und den US-Verbrauchern schade. Zudem konkurriere man auf dem gerade entstehenden Weltmarkt für Gas mit anderen Ländern wie Australien und Katar, die in wichtigen Importregionen einen Wettbewerbsvorteil haben könnten.

Unstrittig ist, dass jedes neue Exportterminal die Nachfrage nach US-Gas potentiell steigert - und damit in Amerika den Bedarf an einer Fördertechnologie, die in der Bevölkerung teils heftigen Protest auslöst und deren Auswirkungen auf die Umwelt von vielen Wissenschaftlern als problematisch erachtet werden.

Angezapft werden Amerikas neue Rohstoffreservoirs durch zwei moderne Fördertechniken: durch kilometerlange horizontale Bohrungen und das sogenannte Fracking, bei dem Erdgas mit Hochdruck aus verstreuten unterirdischen Quellen herausgepresst wird. Speziell beim Fracking gibt es viele ökologische Bedenken: Die Technologie verbraucht unter anderem viel Wasser, es wurden teils giftige Chemikalien im Boden verpresst, zudem befürchten US-Behörden Luft- und Grundwasserverschmutzungen und eine Verschlechterung der Lebensqualität für Anwohner.

Weitere Exportterminals warten auf Genehmigung

In Deutschland hat die Fördertechnik eine heftige politische Kontroverse ausgelöst, in den USA ist sie längst flächendeckend im Einsatz. Die USA können ihren gesamten Energiebedarf dadurch bereits jetzt zu 83 Prozent selbst decken. Wenn sie künftig sogar Gas exportieren, wird die Gasförderung noch stärker angekurbelt - und Fracking bekommt zusätzlich Auftrieb.

Mit dem Freeport-Projekt hat die Regierung Obama einen Schritt in diese Richtung gemacht - und weckt damit Begehrlichkeiten. Beim US-Energieministerium liegen noch 26 weitere Anträge für LNG-Exportterminals auf dem Tisch, würden sie alle gebaut, könnten die Vereinigten Staaten rund 50 Prozent ihrer aktuellen Gasproduktion exportieren. Energiekonzerne und Investoren hoffen, dass bald weitere Projekte genehmigt werden. Und ihre Hoffnung ist nicht unbegründet.

Von der US-Regierung kamen zuletzt vermehrt Signale, dass Exporte gewollt sind. Und das Energieministerium befand Ende 2012 in einer Studie, dass die ökonomischen Vorteile von Energieausfuhren überwiegen dürften. Allzu große Erwartungen will die US-Regierung indes auch nicht wecken. Sie betont, die Entwicklungen am Gasmarkt aufmerksam zu verfolgen und Entscheidungen über den Ausbau der Exportinfrastruktur stets von den aktuellen Entwicklungen abhängig zu machen.

Experten rechnen dennoch mit einem vorsichtigen Ausbau der Kapazitäten für Ausfuhren. Sie erwarte zwar nicht, dass Obama in Kürze entscheide, den Weltmarkt mit amerikanischem Gas zu fluten, sagt Mihoko Manabe, Chefautorin einer Studie der Rating-Agentur Moody's zur Zukunft des US-Gasmarkts, dem Finanzdienstleister Bloomberg. Doch dürften bald zwei weitere Terminals genehmigt werden, schätzt die langjährige Energieexpertin. Eines in Richmond, im Bundestaat Virginia, ein anderes im kalifornischen San Diego.

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insgesamt 145 Beiträge
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1. Da wird bei unseren Energie-Multis
kunta.kinte 18.05.2013
den Geschäftsführern wieder der Geifer aus den Lefzen tropfen ob der entgangenen "Chancen" beim Fracking... Die Grünen gehören sowieso verboten und sonstige denkende Bedenkenträger aus den übrigen Parteien gleich mit!
2. Yeah!!!
rogerthetaxpayer 18.05.2013
Fracking bis der Artzt kommt... Nur schade das erst mal alle die zurzeit foerdern miese machen weil der Preis zu niedrig ist!! Aber die Nachfrage wird schon kommen...;-)
3. Sehr gute Nachricht.
Paul Newman 18.05.2013
Das Ergebnis des Konzeptes der amerikanischen Eigenversorgung sieht man schon jetzt in Syrien: Die USA werden sich nicht einmischen, die Golfregion ist für Amerika geopolitisch nicht mehr wichtig. Solllen doch China und andere unter großen Opfern die Erdölversorgung sichern, Amerikaner müssen das nicht mehr. Und "Behind the Oil" wird die Region eh wieder das sein, was sie immer war: Wüste – in allen Beziehungen.
4. optional
snafu-d 18.05.2013
Und bei uns nölen alle mal wieder nur 'rum....
5. Gas - der beste Devisenbringer
Bruder Theodor 18.05.2013
Zitat von sysopDie USA wollen der größte Energieproduzent der Welt werden - und künftig Gas weltweit exportieren. Präsident Obama genehmigt dafür jetzt ein milliardenschweres Infrastrukturprojekt. Konzerne und Investoren hoffen, dass Amerikas Rohstoffrausch noch größer wird. Export von Erdgas: Obama genehmigt zweites LNG-Terminal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/export-von-erdgas-obama-genehmigt-zweites-lng-terminal-a-900655.html)
Die Richtung ist klar. Obama, Umwelt hier egal, muß und will den Haushalt sanieren. Völlig egal wie, der Zweck heiligt die Mittel, und verwerflich ist das erst einmal nicht. Israel steuert grad den selben Kurs an und versucht Gas zu exportieren. Nur so und nicht anders, über Energieexport, hielt die Sowjetunion die Warschauer-Pakt-Staaten zusammen, und welche Macht Gas hat, läßt das heutige Rußland hin und wieder gerne spüren, wenn es den Gashahn einmal etwas zudreht. Dennoch: Alles eine Politik von gestern.
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Unkonventionelle Gasförderung
In Deutschland gibt es einen Run auf neue Erdgasquellen. Durch spezielle Bohrmethoden lässt sich der wertvolle Rohstoff selbst dann bergen, wenn er in kleinen, abgeschotteten Zwischenräumen verstreut ist. SPIEGEL ONLINE zeigt Chancen und Risiken des Booms im Überblick.
Weltweite Vorräte
Die Internationale Energieagentur schätzt, dass weltweit rund 921 Billionen Kubikmeter unkonventionellen Gases im Erdreich verborgen sind - fünfmal so viel wie in konventionellen Vorkommen. Andere Expertern gehen von noch größeren Mengen aus. Bislang gibt es für viele Länder aber nur Schätzungen über prinzipiell vorhandene Mengen (in-situ Mengen). Wie viel davon tatsächlich technisch (Ressourcen) und wirtschaftlich (Reserven) gefördert werden kann, ist noch nicht bekannt.
Die Reservoirs
Im Gegensatz zu konventionellen Vorkommen befindet sich unkonventionelle nicht in durchlässigen Gesteinsschichten, sondern in kleinsten Poren und Bruchzonen im Gestein. Die größten Vorkommen sind in Schiefergestein eingeschlossen. Aber auch in Tonschichten und Tundraböden finden sich Vorräte.
Die Fördermethode
Steuerbare Bohrer dringen nicht nur tief ins Erdreich vor, sondern wühlen sich auch horizontal ins Gestein. So kann die gashaltige Gesteinsschicht über eine Strecke von mehreren Kilometern durchbohrt werden. Damit das Gas entweichen kann, wird das Gestein durch eine Mischung aus Wasser, Chemikalien und Quarzkügelchen in Tausende Stückchen gesprengt. Die Sprengungen bezeichnet man als "hydraulic fracturing" oder "fracing" (sprich: "Fräcking"). Fracing wird sehr selten auch bei konventionellen Bohrungen eingesetzt - bei unkonventionellen ist es Standard.
Die Chemikalien
Der Anteil der eingesetzten Chemikalien an der Gesamtflüssigkeit beträgt nach Angaben der Industrie gut ein Prozent. Angesichts der Tatsache, dass beim Fracing einer Bohrung teils mehrere Millionen Liter Wasser eingesetzt werden, ist das allerdings immer noch eine Menge. Über die genaue Zusammensetzung der Chemikalien gibt die Industrie nur sehr zögernd Auskunft.
Folgen der Technologie
In den USA hat der Abbau von unkonventionellem Erdgas bereits in großem Stil begonnen und den Energiemarkt so umgekrempelt, dass der Rohstoffexperte und Pulitzerpreis-Gewinner Daniel Yergin von einer "American Gas Revolution" spricht.
Folgen für die Umwelt
In den USA gibt es Beschwerden von Anwohnern, die sagen, ihre Lebensbedingungen hätten sich verschlechtert - unmittelbar, nachdem in Nähe ihrer Wohnungen Fracing-Bohrungen vorgenommen wurden. US-Behörden haben zudem Luft- und Grundwasserverschmutzungen nachgewiesen. Inwieweit es sich um Einzelfälle handelt oder um ein flächendeckendes Problem - und inwieweit all die aufgetretenen Umweltschäden tatsächlich mit der unkonventionellen Gasförderung zusammenhängen, ist kaum untersucht. Die US-Regierung hat es bislang versäumt, die Umweltrisiken genau zu untersuchen.ssu

Grafik: Wie unkonventionelles Gas gefördert wird Zur Großansicht
BNK Petroleum

Grafik: Wie unkonventionelles Gas gefördert wird

LNG
Die LNG-Technik hat den Gasmarkt revolutioniert - die wichtigsten Fakten im Überblick.
Das Verfahren
Die Abkürzung LNG steht für liquefied natural gas, zu Deutsch: Flüssiggas. Der Rohstoff wird auf bis zu -164 Grad Celsius abgekühlt und dadurch auf ein Sechshundertstel seines Volumens komprimiert. Gas kann so per Schiff statt per Pipeline transportiert werden.
Vorteile
Liegen zwischen Erdgasquelle und Verbraucher mehr als 2000 Kilometer, rentiert sich der Transport per LNG. Der Rohstoff kann plötzlich große Distanzen kostengünstig überwinden. Neue Handelsrouten entstehen. Der Gasmarkt wird flexibler.
Geopolitische Folgen
Staaten mit Terminals zum LNG-Import werden unabhängiger von regionalen Großversorgern. Sie können ihr Gas jetzt aus der ganzen Welt importieren. Energiemächte wie Russland verlieren tendentiell an Bedeutung. ssu