Exporte Deutsche Firmen trotzen der Flaute - noch

Die deutschen Exporteure stemmen sich gegen den Abschwung. Im November legten die Ausfuhren überraschend stark zu. Doch die Stimmung verdüstert sich: Bereits jetzt gehen bei den Firmen weniger Aufträge ein. Manche Volkswirte sehen Deutschland schon in einer Rezession.

Containerschiff im Hamburger Hafen: Deutsche Exportwirtschaft ist noch stabil
DPA

Containerschiff im Hamburger Hafen: Deutsche Exportwirtschaft ist noch stabil


Berlin - Die deutsche Wirtschaft hält sich trotz des weltweiten Konjunkturabschwungs wacker. So bleibt die Nachfrage aus dem Ausland nach Waren aus der Bundesrepublik groß. Im November steigerten deutsche Exporteure ihre Ausfuhren im Vergleich zum Vormonat um 2,5 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Im Vergleich zum November 2010 stiegen die Ausfuhren sogar um 8,3 Prozent.

Insgesamt wurden Waren im Wert von 94,9 Milliarden Euro ins Ausland geliefert. Im Oktober 2011 waren die Ausfuhren um 2,9 Prozent zurückgegangen. Durch das Plus im November wurde dieses Minus nahezu ausgeglichen.

Während die Ausfuhren stiegen, fielen die Einfuhren nach Deutschland im November um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Insgesamt wurden Waren im Wert von 78,7 Milliarden Euro eingeführt, das sind 6,7 Prozent mehr als im November 2010. Die Handelsbilanz - also die Differenz zwischen Ein- und Ausfuhren - fiel mit 15,1 Milliarden Euro unerwartet hoch aus.

Etwa 40 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Euro-Zone. Die Statistiker meldeten für die Ausfuhren in die Länder mit Gemeinschaftswährung ein Plus von 7,7 Prozent. Die Exporte in Länder außerhalb der EU stiegen um 8,2 Prozent.

Das Geschäft für die deutschen Firmen dürfte sich in den kommenden Monaten aber abschwächen. Denn die Auftragsentwicklung läuft schleppend. Im November erhielt die exportabhängige Industrie 7,8 Prozent weniger Aufträge aus dem Ausland. Bereits am Freitag hatte die Industrie einen Auftragseinbruch vermeldet. Der Branchenverband BGA rechnet für 2012 nur noch mit einem Wachstum von gut sechs Prozent. Für das vergangene Jahr hatte der Verband noch einen Rekord verkündet. Demnach wurde 2011 erstmals die Marke von einer Billion Euro geknackt, laut BGA betrug das Plus bei den Exporten im vergangenen Jahr zwölf Prozent.

Ökonomen sehen Deutschland bereits in "milder" Rezession

Die Bundesbank hat bereits Ende des vergangenen Jahres eine Wachstumsdelle bei den Exporten vorausgesagt. Zudem befürchten viele Volkswirte, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal geschrumpft ist - es wäre das erste Mal seit der schweren Rezession um den Jahreswechsel 2008/2009.

Manche Ökonomen sehen die Lage der deutschen Wirtschaft offenbar noch düsterer. Die "Welt" befragte 14 Volkswirte, von denen die Mehrheit davon ausgeht, dass die Bundesrepublik bereits in einer Rezession steckt. Davon sprechen Volkswirte, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwei Quartale in Folge schrumpft.

Laut der Zeitung geht die Mehrheit der befragten Experten davon aus, dass das BIP im vierten Quartal 2011 geschrumpft ist und sich der Rückgang im ersten Quartal 2012 noch weiter verstärkt. Der Verlauf der Euro-Krise wird dabei als größter Risikofaktor bewertet.

Zugleich sprechen die befragten Volkswirte von einer "milden" Rezession und rechnen damit, dass die Wirtschaftsleistung im Laufe des Jahres wieder etwas an Fahrt gewinnt. Im Durchschnitt erwarten die Ökonomen jedoch nicht mehr als 0,5 Prozent Wachstum für 2012. Zum Vergleich: Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr wegen der Verunsicherung durch die Schuldenkrise ein Wachstum von 0,6 Prozent zu.

Lagarde sieht Lage in Europa etwas optimistischer

Am Mittwoch wird es genauere Zahlen für das vergangene Jahr geben, dann präsentiert das Statistische Bundesamt eine erste Schnellschätzung zum Wachstum 2011.

Auch die Prognosen für die Euro-Zone fallen verhalten aus. Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), geht aber davon aus, dass Europa in diesem Jahr eine Rezession vermeiden kann. Es gebe Gründe, die Aussichten für den Kontinent optimistischer zu sehen, sagte Lagarde der südafrikanischen Zeitung "Business Day". "Die Euro-Zone hat sich in den vergangenen 18 Monaten massiv verändert", sagte sie. Es gebe daher Anlass, etwas optimistischer in die Zukunft Europas zu schauen.

Auch Investoren blicken wieder etwas zuversichtlicher auf die Konjunktur in der Euro-Zone. Bei einer Umfrage der Limburger Beratungsfirma Sentix unter 884 Investmentprofis stieg das Stimmungsbarometer um 2,9 Zähler auf minus 21,1 Punkte. Auch die deutsche Konjunktur sehen die Investoren demnach wieder positiver. "Deutschland bleibt die Lokomotive in Euroland", hieß es.

mmq/Reuters/dpa

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Seite 1
anderton 09.01.2012
1. ...
Zitat von sysopDie deutschen Exporteure stemmen sich gegen den Abschwung. Im November legten die Ausfuhren überraschend stark*zu. Doch die Stimmung verdüstert sich:*Bereits jetzt gehen bei den Firmen weniger Aufträge ein. Manche Volkswirte sehen Deutschland schon in*einer Rezession. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,807909,00.html
Ich find den Aufschwung ja auch toll! Eine Frage allerdings bleibt unbeantwortet: Wer bezahlt eigentlich den deutschen Boom?
Zereus 09.01.2012
2. ...
Zitat von sysopDie deutschen Exporteure stemmen sich gegen den Abschwung. Im November legten die Ausfuhren überraschend stark*zu. Doch die Stimmung verdüstert sich:*Bereits jetzt gehen bei den Firmen weniger Aufträge ein. Manche Volkswirte sehen Deutschland schon in*einer Rezession. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,807909,00.html
Juhu, 15 Milliarden mehr exportiert als importiert! Davon haben wir alle was.. Insgesamt ist der mehrfach tägliche Wechsel in der Berichterstattung von "Deutschland konsumiert die Krise weg" über "Noch läufts ganz gut" bis "Die Katastrophe hat gerade an der Haustür geklingelt" langsam aber sicher ziemlich nervig.
wohlmein 09.01.2012
3. Was soll die SCHWARZMALEREI ?
Zitat von sysopDie deutschen Exporteure stemmen sich gegen den Abschwung. Im November legten die Ausfuhren überraschend stark*zu. Doch die Stimmung verdüstert sich:*Bereits jetzt gehen bei den Firmen weniger Aufträge ein. Manche Volkswirte sehen Deutschland schon in*einer Rezession. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,807909,00.html
Sehen Sie es als Ihre Mission, den nicht vorhandenen Optimismus der Deutschen zu dämpfen? GERMAN ANGST?
Casparcash 09.01.2012
4. Platzhalter
Zitat von sysopDie deutschen Exporteure stemmen sich gegen den Abschwung. Im November legten die Ausfuhren überraschend stark*zu. Doch die Stimmung verdüstert sich:*Bereits jetzt gehen bei den Firmen weniger Aufträge ein. Manche Volkswirte sehen Deutschland schon in*einer Rezession. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,807909,00.html
Ist das jetzt eigentlich Teil der Aktion: Wöchentllichen Panikmache?
jugo311 09.01.2012
5. Typisch deutsch: Schwarzseher
Zitat von sysopDie deutschen Exporteure stemmen sich gegen den Abschwung. Im November legten die Ausfuhren überraschend stark*zu. Doch die Stimmung verdüstert sich:*Bereits jetzt gehen bei den Firmen weniger Aufträge ein. Manche Volkswirte sehen Deutschland schon in*einer Rezession. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,807909,00.html
Wann eght das mal in die dummen Köpfe ? Volkswirtschaft ist KEINE Wissenschaft. Jammern auf hohem Niveau bzw. vom hohen Roß herunter: Firmen haben noch Aufträge für die nächsten fünf Jahr abzuarbeiten, aber "uj juj juj", danach sieht es düster aus, also: Rezession schon jetzt. Kann denn keiner diese "Experten" mal dazu bringen, einfach ihr Maul zu halten und die Wirtschaft schaffen zu lassen ? Et hätt noch immer joot jejange ...
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