Leistungsbilanz Deutschland bleibt Überschuss-Weltmeister

Die deutsche Wirtschaft führt viel mehr Waren aus als ein - das stört nicht nur US-Präsident Trump. Neue Berechnungen zeigen: Deutschland hat den umstrittenen Rekord 2017 verteidigt.

Container im Hamburger Hafen
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Container im Hamburger Hafen


Deutschland hat im vergangenen Jahr erneut den weltweit größten Überschuss in der Leistungsbilanz erzielt. Das ergeben Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts, aus denen die Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Mit umgerechnet 287 Milliarden Dollar sei das Plus mehr als doppelt so groß ausgefallen wie bei Exportmeister China, das auf 135 Milliarden Dollar kam.

"Damit lag Deutschland zum zweiten Mal in Folge vor allen anderen Ländern", sagte Ifo-Experte Christian Grimme. Noch vor China auf Platz zwei schob sich Japan, das einen Überschuss von etwa 203 Milliarden Dollar erwirtschaftete.

Die Daten bergen politischen Zündstoff: Deutschland wird wegen seines hohen Überschusses von US-Präsident Donald Trump kritisiert, aber auch vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission. Letztere hält Überschüsse von dauerhaft mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts für stabilitätsgefährdend, da Ländern mit Überschüssen solche gegenüberstehen, die Defizite haben und sich verschulden müssen.

Den Ifo-Berechnungen zufolge lag der deutsche Überschuss im vergangenen Jahr mit 7,8 Prozent erneut weit über dieser Marke, auch wenn er geringer ausfiel als 2016, als er bei 8,3 Prozent lag.

Die Leistungsbilanz erfasst sowohl Waren- als auch Zahlungsströme. "Der deutsche Überschuss lässt sich vor allem auf den Warenhandel zurückführen", sagt Ifo-Experte Grimme. Hier übertrafen die Exporte die Importe allein in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres um 249 Milliarden Euro. "Haupttreiber war die Nachfrage nach deutschen Waren aus der EU und den USA."

Zum Überschuss trugen aber auch die Erträge aus den im Ausland angelegten Vermögen bei. Das daraus resultierende Einkommen erreichte bis November netto 49 Milliarden Euro. Das macht mehr als ein Fünftel des Überschusses aus.

Chinesen geben mehr für Auslandsreisen aus

Wird nur der Warenhandel berücksichtigt, dann ist China erneut das Land mit dem weltgrößten Exportüberschuss. "Allerdings gaben die Chinesen noch mehr als in der Vergangenheit für Reisen in das Ausland aus", sagte Grimme. "Dadurch wurde der Leistungsbilanzüberschuss deutlich gedämpft." Der starke Anstieg des japanischen Überschusses erkläre sich durch zusätzlich empfangene Zahlungen aus Auslandsvermögen.

Das Ifo-Institut erwartet, dass der deutsche Überschuss in diesem Jahr ebenfalls bei 7,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen wird. Sollten die Notenbanken ihre Zinsen stärker als erwartet erhöhen, könnte er auch höher ausfallen.

"Sollte sich die geldpolitische Ausrichtung stärker als erwartet normalisieren, dürften über höhere Kapitalmarktzinsen die Einnahmen aus dem Auslandsvermögen steigen", sagte Grimme. "Dadurch würde der deutsche Leistungsbilanzüberschuss dann höher ausfallen."

dab/Reuters

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