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EZB-Entscheidung: Leitzins im Euroraum bleibt auf Rekordtief

EZB-Präsident Draghi: Furcht vor einer Deflation Zur Großansicht
DPA

EZB-Präsident Draghi: Furcht vor einer Deflation

0,05 Prozent - so niedrig bleibt der Leitzins im Euroraum. Das hat die Europäische Zentralbank entschieden. Noch offen ist, was die Notenbanker planen, um die Inflation anzutreiben.

Frankfurt am Main - Geld der Zentralbank im Euroraum ist so günstig wie nie - und bleibt es auch. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat in Frankfurt, wie die Notenbank mitteilte.

Allerdings ringen Europas Währungshüter um weitere Sondermaßnahmen gegen die gefährlich niedrige Inflation. Im November lag die jährliche Teuerungsrate im Euroraum nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat nur noch bei 0,3 Prozent. Sie entfernt sich damit immer weiter von der EZB-Zielmarke. Die Notenbank strebt mittelfristig stabile Preise bei einer Inflationsrate knapp unter 2,0 Prozent an.

Die Mini-Inflation lässt die Furcht vor dem Abrutschen in eine Deflation wachsen - also einer Abwärtsspirale der Preise, welche die ohnehin lahmende Konjunktur weiter bremsen könnte.

Viele Ökonomen rechnen inzwischen damit, dass die EZB schon bald in den breit angelegten Kauf von Anleihen ("Quantitative Easing", QE) einsteigen wird. Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt - und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert.

yes/dpa

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1. Papier kauft Papier
Werner Holt 04.12.2014
Die EZB soll mit Geld aus der Druckerpresse, Anleihen aus der Druckerpresse kaufen. Das soll die Wirtschaft ankurbeln. Exellente Idee, ich wette darauf wäre nicht einmal Günter Mittag gekommen. Der nächste Nobelpreis für Wirtschaft geht an Herrn Draghi.
2. Neusprech ?
dasdondel 04.12.2014
---Zitat--- Die Notenbank strebt mittelfristig stabile Preise bei einer Inflationsrate knapp unter 2,0 Prozent an ---Zitatende--- Man ist es wohl schon so sehr gewohnt, das nicht auffällt, das dieser Satz in sich einen Widerspruch enthält : die Preise sind nicht stabil bei 2% Inflation, sie steigen jährlich um 2%. Das ist ja gerade die Definition von Inflation.
3. Inflationsziel 2%
Flugor 04.12.2014
Seitens gewisser Marktteilnehmer wird offensichtlich versucht, die EZB zum nur Assetpreise treibenden Kauf von Wertpapieren zu drängen, indem man auf das Inflationsziel von 2% verweist. Die Aufgabe der EZB ist aber genau anders herum gedacht: Sollte infolge starker Kreditvergabe das Risiko bestehen, dass die Teuerung über 2% ansteigt, muss die EZB den Leitzins so setzen, dass dies vermieden wird. Nachhaltige Inflation entsteht über die Löhne, denn die höheren Preise muss auch jemand bezahlen können. Die EZB kann aber nicht die Löhne erhöhen. Das können nur die Tarifparteien. Diesen Fakt ignorieren die Befürworter von QE sehr gerne, denn sie erhoffen sich daraus offensichtlich Vorteile für ihr Depot.
4. Die EZB soll an Weihnachten an jeden 10.000 Euro verschenken,
RuthTW 04.12.2014
aber unter einer Bedingung: Die Leute müssen sich vertraglich verpflichten, das Geld innerhalb eines Vierteljahres auf den Kopf zu stellen. Also IRGEND etwas zu kaufen. Falls sie ihr Versprechen nicht einhalten, müssen sie das Geld an die EZB zurückzahlen. So wären die Leute gezwungen, Geld auszugeben. Dadurch würde die Wirtschaft angekurbelt, die zirkulierende Geldmenge würde kräftig erhöht und damit die Inflation schön befeuert.
5. @#2: Kein Widerspruch
Flugor 04.12.2014
Zitat von dasdondelMan ist es wohl schon so sehr gewohnt, das nicht auffällt, das dieser Satz in sich einen Widerspruch enthält : die Preise sind nicht stabil bei 2% Inflation, sie steigen jährlich um 2%. Das ist ja gerade die Definition von Inflation.
Kein echter Widerspruch: Inflation entsteht über höhere Löhne, denn höhere Löhne ermöglichen es, dass höhere Preise auch Käufer finden. Höhere Preise wiederum können auf höheren Kosten basieren, wozu auch höhere Löhne gehören. Wenn Sie also höhere Löhne wollen, müssen Sie auch Inflation akzeptieren. Die EZB hat nun das Ziel, diese auf ca. 2% zu begrenzen, d.h. u.A. die aus den 70ern bekannte Lohn-/Preisspirale zu verhindern.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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