Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

EZB-Druck auf Griechenland: Aktienkurse in Athen brechen ein

Eingangshalle der Athener Börse: Furcht vor Eskalation der Krise Zur Großansicht
DPA

Eingangshalle der Athener Börse: Furcht vor Eskalation der Krise

Die harte Linie der Europäischen Zentralbank gegenüber Griechenland schockiert Anleger. An der Börse in Athen stürzen die Kurse ab. Auch Italien und Spanien bekommen die Nervosität der Investoren zu spüren.

Frankfurt am Main - Das forsche Auftreten der neuen griechischen Regierung hat die Europäische Zentralbank zu einem weitreichenden Schritt gebracht: Ab dem 11. Februar akzeptiert sie griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit für neues Zentralbankgeld. Bei Anlegern geht nun die Furcht vor einer Eskalation der Finanzkrise in Griechenland um.

An der Athener Börse rauschte der Leitindex ATG um mehr als neun Prozent ins Minus, am späten Vormittag stand er noch mit fünf Prozent im Minus. Der Banken-Index brach zwischenzeitlich um mehr als 23 Prozent ein. Zugleich schnellten die Risikoprämien für Staatsanleihen in die Höhe: Die Rendite von griechischen Papieren mit zehnjähriger Laufzeit kletterte auf elf Prozent. Auch spanische und italienische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit gerieten unter Druck.

Im Gegenzug setzten viele Investoren auf Bundesanleihen. Händlern zufolge wollen Anleger auf Nummer sicher gehen und reduzieren ihre Bestände an südeuropäischen Staatspapieren zugunsten von deutschen Anleihen.

Auch der Eurokurs Chart zeigen kam zeitweise unter Druck, erholte sich dann aber wieder, nachdem er kurz nach der EZB-Entscheidung zeitweise nur noch knapp über 1,13 Dollar notiert hatte.

EZB erhöht den Druck

Politiker und Notenbanker in Griechenland mühten sich, Anleger zu beschwichtigen. "Die Entscheidung der EZB wird keine Auswirkungen auf die Stabilität und Liquidität des griechischen Bankensystems haben", zitiert die Agentur Reuters einen Vertreter der griechischen Zentralbank.

Auch die Regierung in Athen versicherte, die Institute seien nicht in Gefahr, weil sie auf Liquiditätshilfen der heimischen Notenbank zugreifen könnten. Tatsächlich werden die Geldhäuser diese Hilfen möglicherweise bald verstärkt abrufen müssen. Ein Regierungsvertreter sagte in Athen, die EZB habe die Obergrenze für die Notfinanzierung um zehn Milliarden Euro angehoben. "Die Liquidität griechischer Banken ist somit zwar gesichert, aber zu höheren Kosten", erklärten Analysten der Commerzbank. Denn bei der Notfinanzierung gelte nicht der Leitzins von 0,05 Prozent.

Beim Dax Chart zeigen wurden die Sorgen um Griechenland von guten Nachrichten überlagert. So verzeichnet die deutsche Industrie einen hohen Auftragseingang. Der deutsche Leitindex gab nach dem Handelsstart nur leicht nach.

Analyst Robert Halver von der Baader Bank sagte, trotz des Drucks der EZB auf Griechenland gebe es nur begrenzt Anlass zur Sorge für die Finanzmärkte. "Diese durchschauen das Spiel", sagte er. Da die EZB trotz allem die Regelung für Notkredite aufrechterhalte, sei ein "unmittelbarer Super-GAU für die griechischen Banken" nicht zu erwarten. "Es ist ein Pokerspiel", sagte Halver. Auf ein Entgegenkommen der EZB dürften die Griechen wohl hoffen, wenn sie etwas anböten, also Steuereintreibung und Korruptionsbekämpfung.

mmq/Reuters/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 116 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
salkin 05.02.2015
Hier wird den Griechen über die Notkredite noch Zeit eingeräumt ihr Geld ins Ausland zu transferieren. Der DAX steigt ja auch weiter. Im Ergebnis läuft das auf ein ähnliches Szenario wie Zypern hinaus. Die reichen Griechen können ihr Geld noch schnell zur Seite bringen und die Gläubiger stehen dann im Regen. Vielen Dank Herr Draghi.
2.
LH526 05.02.2015
Willkommen in der Realität Herr Tsipras.
3. Angriff auf Griechenland
Paulchen der Bestäuber 05.02.2015
Hat die Troika mehr Angst vor dem Eingeständnis des Versagens ihrer Austeritätspolitit, als dem wirtschaftlichen Kollaps Griechenlands? Das Vorgehen der EZB ist politisch motiviert. Tsipras muss stürzen.
4. Quelle Surprise
prosinn 05.02.2015
Die scheinbar unter Realitätsverlust leidenden Griechen Minister machen auf dicke Hose, stellen Forderungen, biedern sich bei den Russen an, und wundern sich das sie auf die Finger gehauen bekommen und nicht alles so läuft wie sich die kleinen Prinzen das sofort wünschen. Die Europäischen Berufspolitiker fügen sich einfach nicht in ihre Rolle als griechische Bedürfnis Erfüllungsgehilfen. Komisch.
5.
paulroberts 05.02.2015
ist das Absicht?Wollen wir denen vielleicht gar nicht helfen, sondern sie fertigmachen? Der schuss geht nach hinten los.Dafür sind wir zu verflochten.Also-lasst den Quatsch.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




22:44 Uhr Kurs absolut in %
DAX 10.544,44 -43,33 -0,41
MDax 21.518,14 -42,00 -0,19
TecDax 1.725,47 +2,27 0,13
E-Stoxx 2.998,50 -11,86 -0,39
Dow 18.502,99 +107,59 0,58
Nasdaq 100 4.791,09 +7,39 0,15
Nikkei (late) 0,00 +0,00 0,00
€ in $ 1,1187 +0,0001 0,01
€ in £ 0,8537 +0,0010 0,12
€ in sfr 1,0945 +0,0000 0,00
Öl ($) (late) 49,10 -0,47 -0,94
Gold ($) (late) 1.318,75 -2,55 -0,19


SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: