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EZB-Kredite für Südeuropa: Draghi will Geldstrom in die Unternehmen leiten

EZB-Präsident Draghi: "Wir sind hiermit nicht am Ende" Zur Großansicht
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EZB-Präsident Draghi: "Wir sind hiermit nicht am Ende"

Die Europäische Zentralbank stemmt sich mit billigem Geld gegen die Krise. Die Notenbank pumpt Kredite von bis zu 400 Milliarden Euro in die Banken, stellt diesen aber Bedingungen: Sie sollen das Geld an Unternehmen weiterreichen.

Frankfurt am Main - Seit Wochen hat Mario Draghi die Finanzwelt darauf vorbereitet, nun hat die Europäische Zentralbank die Geldschleusen weit geöffnet. Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen will die Notenbank das Abgleiten des Euroraums in die Deflation verhindern, die stockende Kreditvergabe ankurbeln und damit zugleich das schwache Wachstum anschieben.

Zentraler Bestandteil des Pakets der EZB ist ein groß angelegtes, zweckgebundenes Kreditprogramm. Damit will die Notenbank insbesondere in Südeuropa die schwache Kreditvergabe anregen. Die Währungshüter hätten einstimmig beschlossen, den Geschäftsbanken im Euroraum billige Kredite im Volumen von bis zu 400 Milliarden Euro über vier Jahre zu verabreichen, sagte Draghi. Der EZB-Präsident stellte sogar noch weitere Schritte in Aussicht: "Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen", sagte er.

In der Krise hat die EZB bereits Billionensummen in das marode Finanzsystem gepumpt, um den stockenden Kreditfluss in Teilen der Währungsunion zu beleben. Doch die Banken nutzten das billige Geld stattdessen vor allem, um damit höher verzinste Staatsanleihen aufzukaufen. Das neue Programm soll deshalb so ausgestaltet werden, dass die Mittel auch wirklich bei kleinen Unternehmen und privaten Haushalten ankommen, die auf Darlehen angewiesen sind. Das Vorgehen weist Ähnlichkeiten mit dem Funding for Lending Scheme (FLS) der britischen Notenbank auf. Ob der Schritt von Erfolg gekrönt wird, gilt unter Beobachtern als ungewiss.

Weitere wichtige Entscheidungen der EZB im Überblick:

  • Der Leitzins wird von 0,25 Prozent auf 0,15 Prozent gesenkt. Zu diesem Zins können sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen. "Der untere Rand ist heute erreicht", sagte EZB-Präsident Draghi zu der Zinssenkung. Allerdings seien weitere kleinere "technische" Anpassungen möglich. Gleichzeitig kündigte Draghi an, dass die Notenbank die Zinsen noch über einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau belassen wird. Der Zins für kurzfristige Ausleihungen bei der Notenbank vermindert sich von 0,75 auf 0,40 Prozent.
  • Der Einlagensatz, zu dem Banken kurzfristig Geld bei der Notenbank parken können, wird erstmals in den negativen Bereich gedrückt. Er sinkt von bisher null Prozent auf minus 0,10 Prozent. Das heißt, die Banken müssen Strafe zahlen, wenn sie ihr Geld der EZB überlassen, anstatt es zum Beispiel in Form von Krediten an ihre Kunden weiterzugeben.
  • Zudem verspricht die EZB den Banken noch länger als bisher unbegrenzte Liquiditätsversorgung. Sie können sich bis Ende 2016 so viel Zentralbankgeld wie gewünscht besorgen. Bisher war dies bis Mitte 2015 möglich.
  • Draghi zufolge bereitet die EZB zudem ein Programm zum Aufkauf von verbrieften Unternehmenskrediten vor. Die sogenannten forderungsbesicherten Wertpapiere sind Bündel aus einer Vielzahl von Krediten, die zu Wertpapieren zusammengefasst und an Investoren verkauft werden. Der Beschluss folgt auf eine gemeinsame Initiative der EZB und der Bank of England. Beide Zentralbanken wollen den in Verruf geratenen Markt für forderungsbesicherte Wertpapiere (Asset Backed Securities, ABS) wiederbeleben. Diese Papiere gelten als ein Auslöser der Weltfinanzkrise 2007/2008.

Die EZB reagiert mit diesem Maßnahmenpaket auf die niedrige Inflation und das schwache Wachstum im Euroraum. Die Notenbank rechnet für das laufende Jahr mit einer Preissteigerung von durchschnittlich 0,7 Prozent. Für 2015 wurde die Prognose von 1,3 auf 1,1 Prozent verringert.

"Die Zeche zahlen die Sparer"

Bei Ökonomen, Wirtschaftsverbänden und in der Politik stößt die Strategie der EZB auf gemischte Reaktionen. "Das ist der verzweifelte Versuch, mit noch billigerem Geld und Strafzinsen auf Einlagen die Kapitalströme nach Südeuropa umzuleiten und dort die Wirtschaft anzukurbeln", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. "Die Zeche zahlen jetzt alle jene, die Geld langfristig anlegen, also die Sparer und die Besitzer von Lebensversicherungen."

Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer gab zu bedenken: "Die Banken leiden nicht unter vermeintlich zu hohen Notenbankzinsen, sondern unter dem hohen Bestand fauler Kredite, an dem Negativzinsen nichts ändern." Die wahren Nutznießer der Minizinsen seien die Finanzminister der hoch verschuldeten Krisenländer. Denn diese müssten auf ihre Schuldenberge künftig noch niedrigere Zinsen zahlen.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sagte, die EZB-Entscheidung könnte zwar die Bildung von Finanzblasen und riskantes Verhalten von Banken noch verstärken. "Allerdings wäre es noch riskanter und eine deutlich schlechtere Option, wenn die EZB nichts täte", sagte Fratzscher. Die EZB sei schon durch ihr Mandat gezwungen, die Preisstabilität sicherzustellen.

mmq/Reuters/dpa

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insgesamt 178 Beiträge
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1. Wer zahlt?
diddi99 05.06.2014
400 Mrd? Wer das zahlt, ist klar. Wer kriegt denn ab sofort keine Zinsen mehr fürs Ersparte? Wer darf für sein Konto nun Gebühren bezahlen? Und wem wird die private Altersvorsorge gekürzt? Dass dieser Schritt erst nach der Europawahl kommt, war ja klar. Kriminell und dreist. Draghi ist komplett fehl am Platz!
2. Aha!
logtor 05.06.2014
Zitat von sysopAPDie Europäische Zentralbank stemmt sich mit billigem Geld gegen die Krise. Die Notenbank pumpt Kredite von bis zu 400 Milliarden Euro in die Banken, stellt diesen aber Bedingungen: Sie sollen das Geld an Unternehmen in Südeuropa weiterreichen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ezb-entscheidung-kredite-und-senkung-des-leitzins-a-973657.html
Weil Draghi Italiener ist, meint er die Banken müssten Kredite "nur" in den Süden weiterleiten. Eigentlich dachte ich, die EZB sei die Bank aller Europäer. Aber man lernt ja nie aus. Es scheint so zu sein, als sei die EZB die Zentralbank Südeuropas. Was sagen die deutschen Unternehmerverbände dazu?
3.
dwg 05.06.2014
Zitat von sysopAPDie Europäische Zentralbank stemmt sich mit billigem Geld gegen die Krise. Die Notenbank pumpt Kredite von bis zu 400 Milliarden Euro in die Banken, stellt diesen aber Bedingungen: Sie sollen das Geld an Unternehmen in Südeuropa weiterreichen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ezb-entscheidung-kredite-und-senkung-des-leitzins-a-973657.html
"Sie sollen das Geld an Unternehmen in Südeuropa weiterreichen." Ach, und die Basel 1,2,ff. Kriterien z.B. zum Eigenkapital kommen gleich mit in die Tonne? Für uns sind die Zinsen jedenfalls viel zu niedrig.
4. Ein Phänomen
tapsitoertel 05.06.2014
Die Ersparnisse der Bürger sowie deren Altersversorgung werden vernichtet um die Schuldzinsen der Finanzminister insbesondere in den Südländern niedrig zu halten. Der deutsche Michel ist an Loyalität aber auch an Einfältigkeit nicht zu überbieten.
5. so ganz nebenbei....
klaus47112 05.06.2014
Zitat von sysopAPDie Europäische Zentralbank stemmt sich mit billigem Geld gegen die Krise. Die Notenbank pumpt Kredite von bis zu 400 Milliarden Euro in die Banken, stellt diesen aber Bedingungen: Sie sollen das Geld an Unternehmen in Südeuropa weiterreichen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ezb-entscheidung-kredite-und-senkung-des-leitzins-a-973657.html
sollen offensichtlich nach den faulen Staatsanleihen nun auch die maroden Unternehmensanleihen bei der EZB entsorgt werden können! Diese ganzen faulen Kredite waren bisher Grund für die Zurückhaltung bei der Vergaben von Unternehmenskrediten, -Stichwort Stresstest-zumal mit risikolosen Staatsanleihen mehr zu verdienen war! Die EZB als Badbank Europas!
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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