Spekulation über Anleihekäufe EZB will offenbar 50 Milliarden Euro ausgeben - pro Monat

Jetzt gibt es die erste Zahl: Die Europäische Zentralbank will Medienberichten zufolge Staatsanleihen im Wert von rund 50 Milliarden Euro monatlich ankaufen - und das mindestens ein Jahr lang.

EZB-Zentrale in Frankfurt am Main: 50 Milliarden Euro im Monat?
REUTERS

EZB-Zentrale in Frankfurt am Main: 50 Milliarden Euro im Monat?


Frankfurt am Main - 50 Milliarden Euro: Das ist die Summe, welche die Europäische Zentralbank (EZB) angeblich jeden Monat für den Kauf von Staatsanleihen ausgeben will. So soll es das EZB-Direktorium am Dienstag entschieden haben, und so soll es dem am Donnerstag tagenden EZB-Rat vorgeschlagen werden, berichten das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei mit dem Papier vertraute Personen.

Demnach sollen die Anleihekäufe mindestens ein Jahr lang dauern, die endgültigen Zahlen könnten sich allerdings noch ändern. Der Eurokurs reagierte mit leichten Gewinnen auf die Meldungen. Demnach sollen sich die Wertpapierkäufe, mit denen sich die EZB gegen die Wachstums- und Inflationsschwäche im Euroraum stemmen will, auf Staatsanleihen konzentrieren und nicht vor März beginnen.

Die Notenbanker treffen sich von Mittwoch an für ihre Zinssitzung. Das Ergebnis wird am Donnerstagnachmittag bekanntgegeben. Die Märkte rechnen fest mit einem Anleihekaufprogramm, in den vergangenen Wochen wurde über ein jährliches Volumen von 500 bis 1000 Milliarden Euro spekuliert. Die jetzt genannten Zahlen würden 600 Milliarden Euro jährlich ergeben und dürften die Märkte daher eher nicht beeindrucken.

Neben dem Volumen ist auch die genaue Ausgestaltung der Anleihekäufe bisher unklar. Ein Streitpunkt ist die Haftung. Gerade Deutschland will nur begrenzt Risiken übernehmen. Der SPIEGEL berichtete, dass vor allem die nationalen Notenbanken die Anleihen ihres Landes kaufen sollen. Damit würde die Haftung an den Landesgrenzen Halt machen. Experten kritisieren diese Renationalisierung der Notenbankpolitik mit dem Argument, dies höhle die europäische Währungsunion aus.

Durch die Anleihekäufe vor allem bei Banken - auch als quantitative Lockerung oder "QE" bezeichnet - bringt die EZB frisches Zentralbankgeld in Umlauf. Damit will sie die langfristigen Zinsen im Euroraum drücken. Als Konsequenz sollen Anleger wieder mehr investieren und Banken mehr Kredite vergeben. Schon seit Jahren treibt das Geld der Zentralbanken weltweit die Aktienmärkte.

nck/Reuters/dpa

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insgesamt 58 Beiträge
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exil-berliner 21.01.2015
1. 1 Jahr und dann?
Und was ist liebe EZB wenn euer Anleihenkauf Programm nach einem Jahr nicht fruchtet? Europa hat strukturelle Probleme die man auch nicht mit einem Jahr Anleihenkäufe lösen kann. Ein Spiel auf Zeit bevor ein Neuanfang in Form Währungsschnitt welcher einen Gesamteuropäischen Schuldenerlass zur Folge hat kommt.
RalfHenrichs 21.01.2015
2. Funktioniert nicht
Geld ist genug im Umlauf (siehe Aktienmärkte), aber investiert wird nicht. Die Wirtschaftspolitik muss geändert werden, nicht die Geldpolitik.
Orgalo 21.01.2015
3. strittige Details
erst hieß es 50 zu 50, d.h. die Hälfte der Staatsanleihen Ankäufe bleibt den nationalen Notenbanken überlassen. Sofern die Bundesbank die Wahl hat, monatlich für 25 Milliarden Euro deutsche Eurobonds zu kaufen oder nicht? - dann wird sie vermutlich die Entscheidung treffen (schon aus Rücksicht auf dt. Versicherungsfirmen), keine Staatsanleihen zu kaufen. Damit hätte die EZB Entscheidung ganz unterschiedliche Wirkung auf die Marktpreise der nationalen Staatsainleihen, was wiederum nach den Statuten verboten wäre, da nur rein geldpolitische Maßnahmen der EZB erlaubt sind, keine fiskalpolitischen (die jeweils Ländersache sind).
blauervogel 21.01.2015
4. Woher kommt das Geld?
Oder anders gefragt: hat das Geld für den Ankauf der Staatsanleihen einen Gegenwert, oder wird es je nach Bedarf einfach gedruckt? Wer bezahlt das Ganze und wie lange soll der Aufkauf fortgesetzt werden? Ich habe als Vierjährige von meine Oma gelernt, dass man nur so viele Schulden machen soll, dass man sie auch ohne große Probleme in absehbarer Zeit wieder zurück zahlen kann. Hat sich an diesem Prinzip in den letzten 25 Jahren etwas geändert?
schwaebischehausfrau 21.01.2015
5. ..Zinsen drücken...?
"Durch die Anleihekäufe .... will die EZB die langfristigen Zinsen im Euroraum drücken. .." Sorry, die Zinsen sind schon bei NULL, die können auch durch Anleihenkäufe nicht mehr gedrückt werden. Das eigentliche Ziel ist doch nur eine Staatsfinanzierung durch die EZB. Und die sog. "Experten" die jetzt kritisieren, dass vielleicht jedes Land auch separat für seine Staatsanleihen-Käufe haftet" und argumentieren, "dies höhle die europäische Währungsunion aus", sollten lieber kritisieren, dass es die Staatsanleihen-Käufe selbst sind, die die Währungs-Union aushebeln - weil sie das Mandat der EZB überschreiten und nichts anderes sind als eine verdeckte Finanzierung von überschuldeten Pleite- und Beinahe-Pleite Ländern
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