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Finanzspritze: EZB erwägt neue "Dicke Bertha"

Bei ihrer nächsten Ratssitzung dürfte sich die Europäische Zentralbank nicht auf eine Zinssenkung beschränken. Nach SPIEGEL-Informationen erwägt die EZB eine neue Finanzspritze für Banken. Diesmal soll das Geld tatsächlich bei Firmen landen.

EZB-Turm in Frankfurt: Sorge ums Wachstum in Südeuropa Zur Großansicht
REUTERS

EZB-Turm in Frankfurt: Sorge ums Wachstum in Südeuropa

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet nach Informationen des SPIEGEL für die Ratssitzung in der kommenden Woche an einem Maßnahmenpaket, das wohl über eine Zinssenkung hinausgehen wird. Neben einem negativen Einlagezins erwägt das Haus ein neues längerfristiges Refinanzierungsgeschäft, das eine Laufzeit von bis zu vier Jahren haben soll.

Die Ausgestaltung ist im Rat allerdings noch umstritten - vor allem die Frage, ob ein variabler Zins oder ein Festzins verlangt werden soll. Letzterer könnte womöglich nur die Höhe des gültigen Leitzinses von dann wohl sensationell niedrigen 0,15 Prozent haben.

Vorbild für den Sonderkredit ist ein Programm, dem Draghi selbst scherzhaft den Namen "Dicke Bertha" verpasst hatte, nach einem Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg. Weil sich die Banken vor gut zwei Jahren für das billige Geld aber gern mit Staatsanleihen ihrer Heimatländer eindeckten, statt neue Kredite zu vergeben, soll dieses Mal Geld nur an solche Institute vergeben werden, die es tatsächlich an die Wirtschaft weitergeben.

Negativzinsen gehören ebenso wie neue Finanzspritzen für Banken zu den ungewöhnlichen Instrumenten, mit denen die EZB versuchen könnte, das schwächelnde Wachstum in Südeuropa anzukurbeln und eine Deflation zu verhindern. Allerdings sind beide Maßnahmen umstritten. So leiteten Banken in Dänemark ihre durch Negativzinsen erhöhten Kosten an die Verbraucher weiter. An Krediten, die mit Auflagen verbunden werden, kritisieren Ökonomen den planwirtschaftlichen Charakter. Sie warnen, die Vorgaben könnten zu Fehlinvestitionen und damit neuen Krisen führen.

dab

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1. Glaubt der Draghi, das ist buergerfreundlich?
tailspin 01.06.2014
Zitat von sysopREUTERSBei ihrer nächsten Ratssitzung dürfte sich die Europäische Zentralbank nicht auf eine Zinssenkung beschränken. Nach SPIEGEL-Informationen erwägt die EZB eine neue Finanzspritze für Banken. Diesmal soll das Geld tatsächlich bei Firmen landen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ezb-erwaegt-neue-finanzspritze-dicke-bertha-fuer-banken-a-972749.html
Wie jetzt? Ein neues Geld-Experiment wird aus dem Hut gezaubert nach all den fehlgeschlagenen? SPON versucht sich hier in einem positiven Unterton. Leider vergeblich. Ich schuettele nur noch den Kopf, wenn ich so was lese. Wieso gibt die EZB das Geld nicht gleich den Buergern? Wenn jeder andere das Geld zuvor bekommt, sitzen die Buerger einmal mehr alleine am Empfangsende der Inflation und der kalten Steuerprogression.
2. Billiges Geld...
fatal.justice 01.06.2014
... führt offensichtlich nicht zu einer freizügigeren Kreditvergabe der Banken und damit einhergehend einer erhöhten Investitionstätigkeit der beglückten privatwirtschaftlichen Unternehmen. Solange der Finanzsektor völlig unkontrolliert ballon-gleich durch die elitäre Startosphäre schwebt, wird er nicht seinem gesellschaftlichem Auftrag gerecht werden (wollen).
3. Wie nett von uns
japox 01.06.2014
Wählern, dass wir doch gerade die Europäische Regierung wählen durften. Und bei diesen Gesetzen mitbestimmen konnten. Nein, dürfen wir nicht? Solche Beschlüsse haben nichts mit dem gewählten Parlament zu tun? Ach, wirklich? Na, denn ... dann hab ich ja richtig gewählt ...
4. Der letzte verzweifelte Versuch...
schwaebischehausfrau 01.06.2014
und absurde Versuch der EZB. Soweit ich mich erinnere (ist ja noch nicht so lang her..) entstand die Finanzkrise doch massgeblich dadurch, dass die Banken Millionen Menschen (in den USA, Spanien etc...) Kredite vergeben haben, die definitiv nicht kreditwürdig waren. Das nannte man sog. "NINJA-Kredite (No Income, No Job , no Assets ..aber aber trotzdem hat man ihnen Kredite gewährt. Die natürlich geplatz sind!! Nachdem die Banken zumindest in diesem Punkt jetzt geläutert und vorsichtiger sind, geben sie offenbar nur noch Kredite an Firmen/Menschen bei denen sie nach wirtschaftlicher Vernunft eine gute Chance haben, ihr Geld zurückzubekommen (und nicht erneut "gerettet" werden zu müssen). Vernünftig, sollte man meinen. Anstatt die Länder mit nicht wettbewerbsfähiger Wirtschaft dazu zu zwingen, Reformen umzusetzen (ganz schlecht, weil Reformen immer unbeliebt sind bei Wählern, siehe Agenda 2010 und Kanzler Schröder) will die EZB die Banken jetzt also zwingen, wieder Kredite zu vergeben (zu Mini-Zinsen) die sie bei Einsatz ihres wirtschaftlichen Sachverstands nie vergeben würden. Eine Maßnahme, die nur zeigt wie ohnmächtig und verzweifelt die EZB ist. Die Südländer freut's, denn Geld von der EZB heisst immer, dass man andere Staaten mit an seinen Risiken und Schulden beteiligen kann. Wer hat dann noch Lust, schmerzhafte Reformen in Gang zu bringen oder gar seinen Reichen höhere Steuern abzuverlangen...??
5. Skandaloes
gesinecresspahl 01.06.2014
Es ist ein Skandal. Sofern die vom Steuerzahler ah so geschuetzten und gepeppelten Banken an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter siebenstellige Gehaelter auszahlen, sollte kein mueder Euro in diese unmoeglichen Institutionen fliessen. Die Angestellten lachen sich ja tot und winken aus dem naechsten Ferrari. Es ist ja auch verwunderlich, dass die meisten Leute mit wenig Kontakt zu den Quant- und Tradingfloors wenig Vorstellung davon zu haben scheinen, wie es da zugeht, und die Politik laesst sich ueber den Tisch ziehen. Da die Hauptaufgabe der Banken die ist, fuer liquide Finanzmaerkte zu sorgen, ich aber nicht erkennen kann, wie die grossen Investmentbanken dies wirklich als vornehmliches Ziel werten, verstehe ich nicht, warum das Staaten mit sich machen lassen. Fuer das Geld koennten sie die Realwirtschaft ja auch direkt mit Krediten versorgen, und dann muesste sich nicht auch noch die Ferraris der lieben Trader mitbezahlen. Demokratie meinte einmal, dass die Macht vom Volk ausgeht. Es waere eigentlich schoen, wenn sich auf diesem Gebiet die Politik eine Spur von diesem Prinzip zurueckerobern wuerde.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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