Entscheidung der Notenbank EZB hält Leitzins auf historischem Tiefstand

Noch hält sich die Europäische Zentralbank zurück: Die Währungshüter belassen den Leitzins auf dem historisch niedrigen Stand von 0,25 Prozent. EZB-Chef Draghi kündigte jedoch an, bei Bedarf alle verfügbaren Instrumente einzusetzen, um die Wirtschaft in der Euro-Zone in Schwung zu bringen.

EZB-Chef Draghi: Der Leitzins bleibt unverändert niedrig
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EZB-Chef Draghi: Der Leitzins bleibt unverändert niedrig


Hamburg - Nach dem historischen Zinsschritt im vergangenen Monat belässt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins für die Eurozone auf seinem Rekordtief. Der zentrale Zinssatz für die 17 Staaten der Währungsgemeinschaft bleibe bei der Marke von 0,25 Prozent, teilte die EZB am Donnerstag nach einer Sitzung des 23-köpfigen Notenbankrats mit. Im Kampf gegen die schwache Kreditvergabe in Südeuropa stellte EZB-Präsident Mario Draghi jedoch ungewöhnliche Schritte in Aussicht: "Wir sind bereit, über alle verfügbaren Instrumente nachzudenken."

Im November hatte der EZB-Rat überraschend den Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt. Seit Anfang November müssen die Finanzinstitute lediglich noch 0,25 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie sich Geld bei der Zentralbank leihen.

Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und treiben so die Wirtschaft an. Die Preise können dadurch theoretisch zwar stärker steigen. Davon ist bisher in der Euro-Zone allerdings nichts zu sehen. Im November stieg die jährliche Inflationsrate im Euroraum nach vorläufigen Zahlen des Statistikamts Eurostat zwar von 0,7 Prozent im Vormonat auf 0,9 Prozent. Sie liegt damit aber nach wie vor weit entfernt von der Zielmarke der EZB. Die Notenbank sieht Preisstabilität bei einer Inflationsrate knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Auch für die kommenden beiden Jahre erwartet die Zentralbank ungewöhnlich niedrige Teuerungsraten. Die volkswirtschaftliche Abteilung senkte ihre Inflationsprognose für 2014 auf 1,1 Prozent. Im Jahr 2015 werde die Rate voraussichtlich auf 1,3 Prozent steigen. "Wir dürften eine längere Phase niedriger Inflation erleben", sagte Draghi.

Trotz der niedrigen Zinsen kommt das billige Geld derzeit nicht bei Unternehmen und Haushalten an. Vor allem in Südeuropa ist die Kreditvergabe weiter rückläufig. Um das zu ändern, wird im EZB-Rat über den Einsatz unkonventioneller Instrumente nachgedacht. Dazu gehören zum Beispiel negative Zinsen für Einlagen der Banken der EZB, aber auch neue langfristige Finanzspritzen.

"Wir sind bereit und in der Lage zu handeln", sagte Draghi. Allerdings habe sich der EZB-Rat nicht für ein bestimmtes Instrument entschieden. "Wir hatten eine kurze Diskussion über Negativzinsen, aber sie war kurz", sagte Draghi.

Solche Strafzinsen sind umstritten. Ökonomen befürchten, dass die Banken den Strafzins auf ihre Kunden abwälzen. Auch das deutsche EZB-Ratsmitglied Jörg Asmussen hatte sich jüngst skeptisch gezeigt. Er wäre "sehr, sehr vorsichtig" mit einem solchen Schritt, hatte Asmussen gesagt.

stk/dpa/AFP



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idealist100 05.12.2013
1. Wer
Zitat von sysopDPADie Europäische Zentralbank belässt den Leitzins auf dem historisch niedrigen Stand von 0,25 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag. Die Billigzinsen sollen die Wirtschaft in der Euro-Zone in Schwung bringen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ezb-haelt-leitzins-auf-historischem-tiefstand-a-937383.html
Wer es glaubt. Hier geht es doch nur darum die Banken zu retten damit die mit billigen Geld zocken können, z.B. mit Rohstoffen, Währungsmanipulation, -differenzen, Staatsanleihen aufkaufen usw.
joG 05.12.2013
2. International fragt man sich just....
...ob Draghi den Wert des Euro herunterreden wird. Niemand sprach von währungskrieg.... Manch glauben er sollte etwas tun und nicht nur auf die Amerikaner warten.
founder 05.12.2013
3. Die Wirtschaftsblockade
Die Politik blockiert die wirtschaftliche Entwicklung. Die Folge dieser Blockadepolitik sind Arbeitslosigkeit von Mensch und Geld. Arbeitslosigkeit von Geld? Das Arbeitsamt veröffentlicht die Arbeitslosenstatistik. Die EZB und FED veröffentlicht die Arbeitslage vom Geld. EZB 0,25% Zinsen, FED 0% Zinsen. Experten der wirtschaftlichen Lage meinen, es kommt praktisch kein Geld in der Realwirtschaft an. Geht alles nur ins Spielcasino. Wenn in der Realwirtschaft kein Geld ankommt, dann sind dies die Symptome einer Wirtschaftsblockade. Beschreibung der idealen Szene Der Ausweg aus Klimaänderung und Peak-Öl-Gas-Kohle-Uran wird breit in der Öffentlichkeit von Parteien und Experten diskutiert. Unternehmer übertreffen sich mit Plänen für den Umstieg auf erneuerbare Energie und elektrische Mobilität. Gigantische Investitionen sind nötig. Für diese Investitionen sind ebenso gigantische Mengen an Geld nötig, die mit dem Verkauf von Aktien oder über Kredite bereit gestellt werden müssen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Die ungeheure Nachfrage nach Investitionen in die Realwirtschaft führt zu ungewöhnlich hohen Zinsen. Wer "Arbeit für Geld" für etwas Verwerfliches hält, sollte an seine Zusatzrente denken. Der Traum von einer auf der Arbeit von Geld basierenden Zusatzrente zerplatzt bei weiter 0,25% EZB Zinsen wie eine Seifenblase im Taifun Haiyan. Es sind Boomjahre um die Folgen einer jahrzehntelangen wirtschaftlichen Blockade aufzuholen.
Wunderläufer 05.12.2013
4. Juchhu
Sparen ade. Sparen bedeutet Verlust, lang lebe die Verschwendung...! Schon lange kein Lebenszeichen der Bundesbank vernommen. Wird die abgewickelt?
Spiegelkritikus 05.12.2013
5. Die EZB ist nicht aufrichtig
Offiziell verkünden Draghi und seine EZB, sie wollten die Kreditvergabe in Südeuropa ankurbeln. das geschieht nun schon seit Jahren ohne Erfolg. Daher stellt sich die Frage, welche Ziele die EZB denn sonst noch verfolgt und ob die sogar vorrangig sind. Südliche Banken werden mit billigigstem Geld in theoretisch unbegrenzter Höhe versorgt. Was nun machen die Banken damit? Sie sanieren sich langsam mit lukrativen und möglichst sicheren Zinsgeschäften, denn viele sind wegen Fehlspekulation bzw. Finanzkrise hoch verschuldet. Sie bieten sehr wohl Kredite für Unternehmen und Privatleute an, allerdings werden meist horrende Zinsen verlangt, was potentielle Kreditnehmer abschreckt. Die Banken kaufen viel lieber Staatsanleihen ihrer Länder, das ist sicher und lukrativ. Die EZB betreibt schon lange in grossem Stil Staatsfinanzierung via Geschäftsbanken. Überschüssige Gelder setzen die Banken zur Spekulation ein oder parken sie bei der EZB. Mit anderen Worten: Der eigentliche Zweck der Geldflutung durch die EZB sind erstens die Sanierung der maroden Banken und zweitens das Überwasserhalten ebensolcher Staatshaushalte. Die propagierte Ankurbelung der Wirtschaft ist lediglich ein Argumentations-Instrument zur Legitimation der Banken- und Staatsfinanzierung! Ein wirklich ärgerlicher "Nebeneffekt" dieses Gebarens ist die zunehmende Entwertung von Ersparnissen sich diese nicht wehren, machen Draghi und Co. ungerührt weiter.
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