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Niedrige Inflation: EZB hält Leitzins auf Rekordtief von 0,05 Prozent

Die EZB hält an ihrem Kurs des extrem billigen Geldes weiter fest. Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das Wertpapierkaufprogramm wird vorerst nicht aufgestockt.

EZB-Chef Draghi: Kampf gegen Mini-Inflation Zur Großansicht
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EZB-Chef Draghi: Kampf gegen Mini-Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins nicht verändert. Er bleibt auf dem Niveau von 0,05 Prozent, wie die Notenbank mitteilte. Auf diesem Rekordtief liegt er bereits seit September 2014. Der Strafzins für Geld, das Banken über Nacht bei der Notenbank parken, beträgt weiterhin 0,3 Prozent.

Die Währungshüter wollen mit dem niedrigen Leitzins die schwächelnde Konjunktur in der Eurozone ankurbeln und gegen die zu niedrige Inflation ankämpfen. Das billige Geld kommt im Idealfall über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an.

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Gefährlicher Preisverfall: Wie Deflation entsteht
Zudem betreibt die EZB ein Wertpapierkaufprogramm. Sie will bis mindestens März 2017 monatlich 60 Milliarden Euro in die Märkte pumpen. Das billige Geld soll eine deflationäre Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und rückläufigen Investitionen verhindern.

Kurz nach dem Zinsentscheid gab EZB-Chef Mario Draghi bekannt, dass diese Anleihekäufe unverändert fortgesetzt werden. Mögliche weitere geldpolitische Lockerungen würden bei der kommenden Zinsentscheidung im März geprüft. Dann könnten gegebenenfalls Anpassungen vorgenommen werden.

Trotz der Geldflut lag die Inflation in der Eurozone im Dezember auf einem Rekordtief von 0,2 Prozent. Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an, die ihr als optimal für die Konjunkturentwicklung gilt.

Besorgt zeigte sich Draghi angesichts des sinkenden Ölpreises. Es bestehe die Gefahr, dass sich der Preisverfall auch in anderen Gütergruppen festsetze und dadurch eine wirtschaftliche Abwärtsspirale in Gang komme. "Bislang haben wir das nicht. Aber wir müssen sehr wachsam sein", sagte der EZB-Chef. In einer sogenannten Deflationsspirale fallen Preise auf breiter Front, wobei sich Verbraucher in Erwartung sinkender Kosten mit Käufen zurückhalten, Löhne sinken und Investitionen stocken.

mmq/brk/dpa/Reuters

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Staatsfinanzierung läuft weiter
motzki687 21.01.2016
ebenso wie die folgenschwere Enteignung der Sparer.Super Staaten leihen sich Geld , zahlen keine Zinsen und zahlen gleichzeitig nichts zurück. im Ergebnis ist das Geld nichts mehr wert und der Euro und Europa sind de facto gescheitert!
2.
salkin 21.01.2016
Es sind immer wieder die gleichen Sprüche von Herrn Draghi das für ihn nur die Inflationsrate zählt egal welche Nebenwirkungen entstehen. Bisher habe ich noch kein Konzept von der EZB gehört wie man sich ein Zurückfahren dieses Programms vorstellt. Glaubt denn Herr Draghi ernsthaft, dass die ClubMed Länder jemals in der Lage sein werden ohne weitere Stützungskäufe ihre ausufernde Staatsfinanzierung, bei der sie die EZB tatkräftig unterstützt, zu bedienen. Letztlich werden diese Billionen von Staatsanleihen vergemeinschaftet in einem schönen neuen Fonds wie dem ESM.
3. Das ist zu 100% richtig
bstendig 21.01.2016
Zitat von salkinEs sind immer wieder die gleichen Sprüche von Herrn Draghi das für ihn nur die Inflationsrate zählt egal welche Nebenwirkungen entstehen. Bisher habe ich noch kein Konzept von der EZB gehört wie man sich ein Zurückfahren dieses Programms vorstellt. Glaubt denn Herr Draghi ernsthaft, dass die ClubMed Länder jemals in der Lage sein werden ohne weitere Stützungskäufe ihre ausufernde Staatsfinanzierung, bei der sie die EZB tatkräftig unterstützt, zu bedienen. Letztlich werden diese Billionen von Staatsanleihen vergemeinschaftet in einem schönen neuen Fonds wie dem ESM.
Aber machen Sie sich nichts draus. Alles nur Buchungspositionen. Haben wir halt alle gemeinsam ein paar Billionen Schulden. So what? Kein Staat zahlt Schulden zurück, hat er noch nie und wird er nie. Damit kann man leben. Und wenn tatsächlich einer kommt und Geld will - was ich nicht glaube - schmeiß ich ihn raus.
4.
salkin 21.01.2016
Damit dann alle zufrieden sind sollte Schäuble die Schuldenquote Deutschlands an die von Italien anpassen. Dann könnte er über 1 Billionen Euro zusätzliche Schulden zu Minuszinsen machen und jedem Bundesbürger 12.000 Euro überweisen. Sanktionen der EU sind auch nicht zu erwarten. Bei minus 0,3% macht er dann sogar über die Laufzeit der Anleihen jedes Jahr noch einen Gewinn von 3 Mrd. Euro. Das wäre doch für alle ein gutes Geschäft und die EZB würde sich freuen weil dann auch die Inflation wie gewünscht ansteigt und die Steuereinnahmen weiter steigen. Eine klare Win Win Situation.
5.
gerlud5 21.01.2016
1. kann mir jemand sagen, wie die Inflationsrate ohne Energiekosten aussieht? 2. Warum ist es so schlimm, wenn Unternehmen ihre Preise senken, wenn Rohstoffpreise sinken und dadurch oh Schreck die Inflationsrate abnimmt?
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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