EZB-Konferenz Draghi will Deflation verhindern

Mario Draghi beschwichtigt die Märkte. Er will bei Bedarf ein Abgleiten der Euro-Zone in die Deflation verhindern - und scheut dafür auch nicht vor neuen Maßnahmen zurück.

Mario Draghi (Archivbild): "Falls nötig handeln"
REUTERS

Mario Draghi (Archivbild): "Falls nötig handeln"


Lissabon - Die Europäische Zentralbank (EZB) sorgt sich um die Stärke der Währung im Euro-Raum. EZB-Präsident Draghi hat deshalb nun angekündigt, bei Bedarf auf die Risiken niedriger Inflation zu reagieren.

"Wir werden uns nicht damit abfinden, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt", sagte Draghi auf einer Konferenz der EZB in Sintra nahe der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Zwar erwarte die Notenbank aktuell, dass die Teuerungsrate in der Euro-Zone auf mittlere Sicht wieder in Richtung der von ihr angestrebten zwei Prozent anziehe, kündigte der EZB-Präsident an.

"Es ist aber unsere Verantwortung, die Risiken für dieses Szenario zu sehen und uns darauf vorzubereiten, falls nötig zu handeln", fügte Draghi hinzu. Gegenwärtig liege das volle Augenmerk der Notenbanker darauf, ob es zu einer Abwärtsspirale fallender Preise, nachgebender Inflationserwartungen und einer weiter sinkenden Kreditdynamik in den von der Krise besonders hart getroffenen Ländern kommt.

"Gesamten Werkzeugkasten ausschöpfen"

Zum Auftakt der EZB-Konferenz hatte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, die Notenbanken im Ringen um stabilere Finanzmärkte in die Pflicht genommen. Zentralbanken müssten ihren gesamten Werkzeugkasten ausschöpfen, sagte Lagarde am Sonntagabend laut ihrem Redetext. "Das meint nicht nur Geld- und Währungspolitik, sondern auch Regulatorik und Fiskalpolitik", präzisierte die IWF-Chefin.

Der IWF hatte Europas Währungshüter erst kürzlich zum erneuten Handeln gedrängt. Die seit einiger Zeit niedrigen Inflationsraten brächten Risiken für die konjunkturelle Erholung im Euro-Raum mit sich, hatte Lagarde festgestellt.

Die EZB entscheidet das nächste Mal bei ihrer Sitzung am 5. Juni über ihren weiteren geldpolitischen Kurs. An den Finanzmärkten wird weithin erwartet, dass Draghi abermals die Zinsen senkt - mutmaßlich von 0,25 auf 0,15 Prozent - und erstmals auch Strafzinsen für Bankeinlagen bei der EZB erhebt. Der EZB-Chef hatte Anfang Mai bereits Spekulationen um ein baldiges Eingreifen der Zentralbank befeuert.

bos/dpa/Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
derandereblick 26.05.2014
1. Gebt das Geld den Bürgern!
Statt die Milliarden immer wieder verzweifelt den Banken hinterherzuwerfen, die das Geld ja doch nur in Spekulationsgeschäfte investieren und so die nächste Finanzblase aufpumpen, sollte die EZB jedem Bürger der Eurozone einmalig tausend Euro überweisen – ohne Bedingung, ohne Rückzahlungsverpflichtung, einfach so als Geschenk. Der Großteil dieses Geldes würde sofort in den Wirtschaftskreislauf fließen - also genau dahin, wo man es haben will, aber bisher nicht hingebracht hat. Es würde einen enormen Nachfrageschub geben, der weltweit zu spüren wäre; die Unternehmen würden Leute einstellen, Kredite nachfragen und investieren, und die Inflationsrate würde anziehen. Zudem würde man damit innerhalb kürzester Zeit alle Euroskeptiker zum Schweigen bringen. Kurzum: Man würde auf einen Schlag erreichen, was man bisher aufgrund einer verfehlten, da einseitig angebotsorientierten und ideologisch-neoliberalen Krisenpolitik nicht vermocht hat: die Abwärtsspirale aus Stagnation/Rezession und Deflation zu stoppen.
Progressor 26.05.2014
2. Geldpolitik und Inflationsrate
"Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen." Milton Friedman Wenn man den Monetaristen Glauben schenkt, dann liegt es nahe den Zentralbanken die Inflationssteuerung zu überlassen. Nun sehen wir aber, wie schon theoretisch begründbar, dass diese Vorstellung dabei ist empirisch zu scheitern. Die Gründe sind einfach: Zentralbanken können die _nachfragewirksame_ Geldmenge nicht bestimmen. Ein niedriger Zinssatz ist dazu als Anreiz nicht hinreichend. Und selbst wenn sie es könnten: Wie soll denn bei gesteigerter Nachfrage in einem Wirtschaftsraum mit hoher Unterbeschäftigung Inflation entstehen? "Asset Price Inflation"? Diese Vorstellung ist doch wohl gruselig.
kiman 26.05.2014
3. Letztendlich läuft
alles darauf hin das der Euro abgewertet werden muss, bzw. An Wert verliert, denn Inflation = "Innere Inflation" +"Äußere Inflation" Innere Inflation ist die Geldentwertung gegenüber der Güter innerhalb eines Landes. "Äußere Inflation ist die Geldentwertung gegenüber anderer Währungen.
Progressor 26.05.2014
4. Warum haben wir im Euroland deflationäre Tendenzen?
Ein Gemeinschaftswährungsraum hat eigene makroökonomische Spielregeln. Die Einen werden diese _nie_ verstehen, die Anderen möchten sie nicht einhalten (dann müssen sie aber konsequenterweise gegen den Euro sein). Deutschland hält die Zielinflationsrate von nahe bei aber knapp unter 2 % nicht ein. Dies wird durch Lohndumping induziert. Deutschlands Arbeitnehmer werden seit geraumer Zeit nicht mehr am Produktivitätsfortschritt beteiligt. Wenn wir uns weigern den anderen Ländern entgegenzukommen, sondern diese auffordern zu uns herab zu sinken, dann kann rein logisch die Zielinflationsrate im Euroland nicht mehr eingehalten werden. Da kann sich die EZB auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln.
mborevi 26.05.2014
5. Ich denke, bei einer ...
... realen Inflation um die 10 % jährlich sind wir weit entfernt von jeder Deflationsgefahr. Wer also profitiert von diesem Gerede? Die Banken, denn sie bekommen das Spekulationsgeld noch billiger.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.