Euro-Zone EZB belässt Leitzins auf Rekordtief

Die Inflation in der Euro-Zone ist auf ein Rekordtief gefallen, trotzdem belässt die Europäische Zentralbank den Leitzins bei 0,25 Prozent. EZB-Chef Mario Draghi stellte jedoch eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht - auch durch Anleihenkäufe.

Baustelle EZB in Frankfurt am Main: Leitzins bleibt auf Rekordtief
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Baustelle EZB in Frankfurt am Main: Leitzins bleibt auf Rekordtief


Frankfurt am Main - Trotz der extrem niedrigen Inflation hält die Europäische Zentralbank (EZB) den Zins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. Das teilte die EZB am Donnerstag nach ihrer Ratssitzung in Frankfurt mit.

Der Einlagensatz, zu dem Banken kurzfristig Geld bei der Notenbank parken können, liegt weiterhin bei null Prozent, der Ausleihungssatz bleibt bei 0,75 Prozent. EZB-Chef Mario Draghi stellte eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik in Aussicht, falls die Inflation weiter sinken sollte. Auch ein großangelegter Einsatz am Anleihemarkt sei diskutiert worden.

Im März war die Jahresteuerung im Euro-Raum auf 0,5 Prozent gesunken und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren. Der Wert liegt deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von knapp unter 2,0 Prozent. Das hatte die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinssenkung steigen lassen.

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Denn der seit Monaten geringe Preisauftrieb schürt Sorgen vor einer Deflation, also einer Abwärtsspirale der Preise quer durch alle Warengruppen. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen und Anschaffungen in der Erwartung weiter sinkender Preise hinauszögern. Das könnte die ohnehin noch fragile Erholung der Konjunktur in Europa abwürgen.

Dennoch hatte eine Mehrheit der Ökonomen nicht mit einer Zinssenkung gerechnet. Sie verweisen darauf, dass die Konjunktur im Euro-Raum allmählich anzieht. Das stärkt den Preisauftrieb. Ohnehin dürfte die Inflationsrate schon im April wieder anziehen, sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil: "Durch die späte Lage von Ostern in diesem Jahr werden insbesondere die Preise für Pauschalreisen im April stärker steigen als im Vorjahr." Auch der Effekt des milden Winterwetters laufe aus.

nck/dpa/Reuters

insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
senecab 03.04.2014
1. wo ist die anziehende Konjunktur?
Weil einige Energiepreise gesunken sind reduziert sich die Inflation. Für die EZB aber Grund zur Panikmache um endlich einen Freibrief zu bekommen um Staatsanleihen aus Italien (Draghi), Frankreich, Spanien ... zu kaufen.immer versprochen wird? Wo ist denn eigentlich die Anziehende Konjunktur die von Mutti im "Staatsfernsehen". Die hört sich an wie Honnecker zu DDR-Zeiten.
digitus_medius 03.04.2014
2. Mist. Wenn der Leitzins noch lange
so tief bleibt, wird es zunehmend schwerer von den Zinsen zu leben. Der Nettozins sollte gesetzlich zumindest an die Inflation angepasst werden.
RenegadeOtis 03.04.2014
3.
Zitat von senecabWeil einige Energiepreise gesunken sind reduziert sich die Inflation. Für die EZB aber Grund zur Panikmache um endlich einen Freibrief zu bekommen um Staatsanleihen aus Italien (Draghi), Frankreich, Spanien ... zu kaufen.immer versprochen wird? Wo ist denn eigentlich die Anziehende Konjunktur die von Mutti im "Staatsfernsehen". Die hört sich an wie Honnecker zu DDR-Zeiten.
Warum sollten die Staatsanleihen gekauft werden - der Zinssatz ist auf dem freien Markt günstig wie lange nicht. Und interessant ist, dass die niedrige Inflation entweder als "ist viel höher, siehe gestiegene Energiepreise" oder "gar nicht so schlimm, nur gesunkene Energiepreise" bezeichnet wird. Nennen Sie mich kleinlich, ich finde das widersprüchlich.
qwertz00001 03.04.2014
4.
yes....Feuer frei fuer Dax und co.
muellerthomas 03.04.2014
5.
Zitat von qwertz00001yes....Feuer frei fuer Dax und co.
Weshalb? Mit der Entscheidung hatten so ziemlich alle Marktteilnehmer gerechnet.
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