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Banken-Stresstest: Die nächste Eurokrise gärt in Italien

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Bankentürme in Mailand: Massenhaft faule Kredite Zur Großansicht
REUTERS

Bankentürme in Mailand: Massenhaft faule Kredite

Italien ist der große Verlierer des europäischen Stresstests. Der Zustand der Banken ist ein Desaster für den italienischen Staat - denn der ist enger mit den Geldhäusern verknüpft, als ihm lieb sein kann.

Hamburg - Viel weiter können die Einschätzungen nicht auseinander liegen. Die italienische Notenbank bezeichnete die Ergebnisse des europäischen Banken-Stresstests noch am Sonntagabend als "insgesamt beruhigend". Am Montag zeigten die Börsen, was von dieser Beschwichtigungsformel wirklich zu halten ist.

Die Aktien italienischer Banken schmierten gleich reihenweise ab. Die Banca Carige aus Genua verlor zeitweise fast 18 Prozent an Wert. Bei der Traditionsbank Monte dei Paschi, immerhin die drittgrößte des Landes, ging es sogar um mehr als 22 Prozent nach unten - ehe die Börse die Notbremse zog und die Aktie vom Handel aussetzte.

Die Reaktionen waren wenig verwunderlich. Schließlich hatten die italienischen Finanzinstitute im Test ziemlich verheerend abgeschnitten: 9 von insgesamt 15 getesteten Banken des Landes sind durchgefallen. So viele wie in den übrigen Eurokrisenstaaten Griechenland, Spanien, Irland und Zypern zusammen.

Weil der Test auf den Bilanzen vom 31. Dezember 2013 basiert, sind einige der diagnostizierten Kapitallücken zwar mittlerweile schon wieder gestopft. Doch es bleibt ein katastrophaler Eindruck.

"Einer der größten Problemfälle der Eurozone"

Das Ergebnis spiegelt die Lage des Landes wider. Die Wirtschaft siecht seit Jahren vor sich hin. Das Bruttoinlandsprodukt -die Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen - liegt auf dem Niveau des Jahres 1999. Für das laufende Jahr sagen die Experten ein weiteres Minus voraus.

"Italien ist derzeit einer der größten Problemfälle der Eurozone", sagt Clemens Fuest, Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. "Ein Land, dessen Wirtschaft nicht wächst, kann auch keine gesunden Banken haben." Umgekehrt kann die Wirtschaft nicht wachsen, wenn die Banken zu schwach sind, um dieses Wachstum zu finanzieren. Ein Teufelskreis.

Entsprechend nervös sind die Investoren. Schon seit dem Sommer ziehen sie Geld aus Italien ab - im August und September waren es zusammen 67 Milliarden Euro - so viel wie seit dem Höhepunkt der Eurokrise 2011 nicht mehr, wie sich im sogenannten Target-System der europäischen Notenbanken ablesen lässt.

"Die italienischen Banken haben das Problem, dass sie ein Großteil ihres Kreditgeschäfts im Inland machen", sagt Guntram Wolff, Direktor des Brüsseler Thinktanks Bruegel. "Das erhöht die Gefahr, dass die Zahl der faulen Kredite weiter steigt."

Schon jetzt türmen sich in den Büchern der italienischen Banken massenhaft Kredite, die wohl nie mehr zurückgezahlt werden. 21,6 Prozent der Forderungen wurden von der EZB beim Bilanzcheck als Not leidend eingestuft. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 7,3 Prozent. In der Branche erzählt man sich, viele marode Unternehmen würden nur deshalb am Leben gehalten, weil die Banken sonst ihre Kredite abschreiben müssten - und mit in den Untergang gerissen würden.

Der Staat ist auf die heimischen Banken angewiesen

Doch es sind nicht nur die Banken und Unternehmen, die in Italien auf unheilvolle Art miteinander verbunden sind. Auch das finanzielle Schicksal des Staates ist eng mit dem seiner Geldhäuser verknüpft. Er braucht sie als seine wichtigsten Finanziers.

Italiens Staatschulden sind gigantisch. Zuletzt beliefen sie sich auf gut 2,1 Billionen Euro - das entspricht mehr als 130 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. In ganz Europa steht nur Griechenland schlechter da.

Gut 400 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen halten die heimischen Banken. Die öffentlichen Schulden machten Ende 2013 rund zehn Prozent ihrer Bilanzsummen aus, doppelt so viel wie 2010.

Dass der Anteil so rasant gestiegen ist, haben die Banken ebenfalls einem Italiener zu verdanken: Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Um die Banken in der Eurozone zu einer stärkeren Kreditvergabe zu bewegen, versorgt die EZB sie seit drei Jahren mit massenhaft billigem Geld - das leider nicht dort ankommt, wo es hin soll. "Die italienischen Banken reichen die Liquidität nicht an die Wirtschaft weiter, sondern nutzen sie um Staatsanleihen zu kaufen", sagt Experte Wolff.

Aus Sicht der Banken ist das verständlich. Denn um Kredite an Unternehmen zu vergeben, verlangen die internationalen Finanzregeln ausreichend Eigenkapital - und das ist bei vielen italienischen Banken knapp, wie der Stresstest zeigt. Für Staatsanleihen verlangen die Regeln dagegen kein Eigenkapital als Sicherheitspuffer. Noch dazu versprechen sie sichere Renditen. Schließlich hat Draghi versprochen, keinen Eurostaat pleitegehen zu lassen.

Ein lohnendes Geschäft also, zumindest solange es billiges Geld von der EZB gibt. Schon deshalb kann die Notenbank nicht so einfach von ihrer lockeren Geldpolitik abweichen.

Für Italien bedeutet das erst einmal weiteres Siechtum. "Das Kartenhaus wird aufrecht erhalten, solange die Zinsen niedrig sind", sagt Wirtschaftsforscher Fuest. "Falls sie irgendwann wieder steigen, kann das ein großes Problem werden."

Das sind die Durchfaller 2014
Deutschland Münchener Hypothekenbank
Österreich Österreichischer Volksbanken-Verbund
Belgien Axa Bank Europe
Belgien Dexia
Zypern Bank of Cyprus
Zypern Cooperative Central Bank
Zypern Hellenic Bank
Spanien Liberbank
Frankreich C.R.H. Caisse des Refinancement de l'Habitat
Griechenland Eurobank
Griechenland National Bank of Greece
Griechenland Piräus Bank
Irland Permanent tsb
Italien Monte dei Paschi di Siena
Italien Banca Carige
Italien Veneto Banca
Italien Banco Popolare
Italien Banca Popolare de Milano
Italien Banca Popolare di Vicenza
Italien Credito Valtellinese
Italien Banca Popolare di Sondrio
Italien Banca Popolare dell'Emilia Romagna
Portugal Banco Comercial Portugues
Slowenien Nova Kreditna Banka Maribor
Slowenien Nova Ljubljanska banka

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insgesamt 91 Beiträge
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1.
glen13 27.10.2014
Der Betrag, den alle italienischen Banken zu bezahlen haben nach dem Stresstest, ist eine Lachtablette für eine einzelne Bank dieser Größenordnung, geschweige denn für alle. Panikmache, um Klicks zu erzeugen, ist nicht gerade toll. Vielleicht sollte man mal den Stresstest für Online - Nachrichten einführen.
2. Wozu haben wir eigentlich die EU?
Monsterwelle 27.10.2014
Wozu haben wir eigentlich die EU? Damit wir uns von Krise zu Krise würgen? Beendet endlich diesen Schwachsinn. Löst diesen von keinem Bürger bestellten oder gewählten Verein endlich auf! Aber da hängen leider inzwischen zu viele Ferkel an den aus unseren Steuergeldern finanzierten Gesäuge. Da werden wir wohl selber nach Brüssel fahren müssen um sie aus ihren Palästen zu bitten.
3. p/forza italia
ambesten 27.10.2014
Das Land ist wohl eine Nummer zu groß für den Rettungsschirm und weil sich die Italiener seit Jahren weder vor noch zurück bewegen, kann man Das auch in der Zukunft nicht erwarten. Wer wird Das wohl am Ende bezahlen? wir natürlich, wer sonst.
4. Falsche Berichterstattung
bartsuisse 27.10.2014
ist es dem SPON und dem deutschen Leser klar dass die italienische Wirtschaft auch grösser ist als die spanische griechische zypriotische und irische zusammen? Mit 1900 Milliarden rund 19% der gesamten Eurozone? Und ist es dem deutschen Leser auch bewusst dass es 2 Banken in Italien sind die zum heutigen Zeitpunkt aufgefordert sind 2.8 Milliarden Euro Kapital aufzustocken und nicht deren 9 Banken??? Und ist es dem deutschen Leser auch bewusst dass die beiden grossen Italienischen Banken Unicredit und Intesa den Stresstest bestanden haben und diese unter den ersten 5 europäischen Banken zählen im Vergleich zur Deutschen Bank auf Platz 11? Und die drammatische Staatsverschuldung Italiens exakt der deutschen Staatsverschuldung von 2100 Milliarden entspricht? Niemand will die Situation Italiens schönreden aber solche Berichterstattung ist tendenziös, schlecht und man hat den Eindruck als wolle man einen Handelskrieg anfachen um von den eigenen drammatischen Problemen abzulenken. Ist der DAX noch nie um 2% "eingebrochen"? Ich als Schweizer empfinde dieses deutsche Fingerzeigen und hysterische Reagieren als sehr peinlich und ob der eigenen Situation als äusserst unangebracht!
5. und dann kommt Frankreich
ofelas 27.10.2014
derren Banken diesen "Stresstest" bestens ueberstanden haben, aber derren Institute mit fast 400 Mrd in Italien exponiert sind - falls Italien faellt geht Frankreich gleich mit!! Wurde beim Stresstest auch beruecksichtigt in wieweit die Laender und Banken gegenseitig abhaengig sind.
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Bankencheck: Die Stresstester

So funktioniert der Stresstest
Worum geht es?
Es ist der bisher größte Bankencheck in Europa. Ein Jahr lang hat die EZB mithilfe der nationalen Aufsichtsbehörden und der Beratungsfirma Oliver Wyman die 130 größten Banken in der Eurozone untersucht, darunter 24 deutsche.
Wo liegen die größten Risiken für jedes einzelne Institut? Sind die Kredite in den Bilanzen richtig bewertet? Und schließlich der Stresstest: Wie würden die Banken eine neue schwere Wirtschaftskrise überstehen? In dieser letzten Stufe wurden in Zusammenarbeit mit der europäischen Aufsichtsbehörde EBA auch Banken aus Nicht-Euro-Ländern wie Großbritannien oder Dänemark mitgeprüft.
Was soll der Test bringen?

Der Test soll vor allem Vertrauen schaffen, das bisher fehlt. Seit der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 herrscht immer noch Misstrauen in der europäischen Bankenbranche. Zwar haben viele Institute ihr Eigenkapital seitdem gestärkt und sind damit krisenfester geworden. Doch noch immer gibt es Zweifel, ob einige Institute wirklich so gesund sind, wie sie nach außen glauben machen wollen.

Die umfassende Prüfung soll nun Transparenz bringen. Anhand der Ergebnisse, so die Hoffnung, können Investoren und Gläubiger sehen, wie es einzelnen Banken wirklich geht. Diejenigen Geldhäuser, bei denen Probleme auftreten, werden zum Nachbessern gezwungen.

Was genau wurde getestet?

Im Stresstest mussten sich die Banken zwei Szenarien stellen. Im ersten wurde ein eher positiver Wirtschaftsverlauf in den Jahren 2014 bis 2016 angenommen. Die Wirtschaft in Europa wächst, die Arbeitslosigkeit geht leicht zurück, die Preise steigen moderat.

Im zweiten, dem sogenannten adversen Szenario, wurde ein wirtschaftlicher Schock simuliert, der auch die Finanzmärkte erfasst: Die Wirtschaftsleistung geht um gut zwei Prozent zurück, Aktien- und Immobilienmärkte brechen ein, die Zinsen steigen und Banken kommen schwieriger an frisches Geld.

Um den Stresstest zu bestehen, müssen die Teilnehmer bestimmte Eigenkapitalquoten erfüllen. Dabei geht es um jenes Kapital, das der Bank in Form von Aktienkapital oder einbehaltenen Gewinnen zur Verfügung steht. Dieses Polster wird ins Verhältnis gesetzt zu den Risiken in der Bankbilanz, also vor allem Kredite und Wertpapiere. Im ersten Szenario darf die Eigenkapitalquote der Institute nicht unter acht Prozent fallen, im Stressszenario liegt die Grenze bei 5,5 Prozent.

Was passiert mit den Banken, die durchfallen?

Wer schon das Normalszenario im Stresstest nicht übersteht, dürfte arge Probleme bekommen. Wenn er sich seit dem Prüfungsstichtag 31.12.2013 nicht schon frisches Eigenkapital besorgt hat, muss er dies nun tun. Zwei Wochen haben die betroffenen Banken Zeit, den Aufsehern entsprechende Pläne vorzulegen. Werden diese genehmigt, müssen die Institute ihre Kapitallücken innerhalb von sechs Monaten füllen.

Institute, die nur im harten Stressszenario durchfallen, haben es etwas leichter. Falls sie sich das fehlende Kapital nicht schon seit Jahresbeginn besorgt haben, bekommen sie nun neun Monate dafür Zeit.

Banken, die es nicht schaffen, die Anforderungen in der vorgegeben Zeit zu erfüllen, müssen damit rechnen, abgewickelt zu werden. Die Kosten tragen die jeweiligen Nationalstaaten.

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Bankenprüfung: Der Stresstest im Überblick


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