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06. Oktober 2011, 16:41 Uhr

EZB

Trichet hilft Banken mit Milliardenspritzen

Es ist die letzte wichtige Amtshandlung des scheidenden EZB-Chefs Jean-Claude Trichet - und die hat es in sich: Die Zentralbank will die von der Schuldenkrise bedrohten Institute mit gewaltigen Geldmitteln retten. Eine Notmaßnahme, die zuletzt nach dem Lehman-Crash helfen musste.

Berlin/Frankfurt am Main - Mit langlaufenden Krediten und einem neuen Anleihenkaufprogramm will die Europäische Zentralbank (EZB) die lodernde Bankenkrise in Europa bekämpfen. Das kündigte der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag nach einer turnusmäßigen Ratssitzung an, die dieses Mal in Berlin stattfand - es war Trichets letzte als Vorsitzender.

Das Vertrauen fehlt auf dem europäischen Bankenmarkt. Die Institute leihen einander kaum noch Geld. Vor allem in den Schuldenländern wie Griechenland oder Portugal säßen die Banken ohne die ständigen Hilfe der EZB längst auf dem Trockenen.

Momentan ist die Lage besonders ernst. Deshalb greift die EZB auf besonders drastische Hilfsmaßnahmen, die sie zuletzt während der Finanzkrise 2008 und 2009 eingesetzt hatte:

Angesichts der Milliarden-Engagements der Geschäftsbanken in Staatspapieren europäischer Krisenländer ist das Misstrauen der Banken untereinander gewachsen. Das zeigen die großen Summen, die die Finanzinstitute derzeit bei der EZB hinterlegen, anstatt das Geld für höhere Zinsen an eine andere Bank zu leihen. Am Donnerstag waren die Einlagen, die die Banken über Nacht bei der EZB parken, auf 221,4 Milliarden Euro gestiegen. Damit lagen sie so hoch wie zuletzt im Juli 2010.

Trichet forderte die Banken auf, ihre Bilanzen und ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Falls nötig, sollten die Institute auf Regierungsmaßnahmen zurückgreifen. "Die Situation auf dem Bankensektor erfordert besondere Aufmerksamkeit", sagte Trichet.

Den Leitzins für die Euro-Zone hielt der Rat der Europäischen Zentralbank konstant bei 1,5 Prozent. Trichet warnte, "die anhaltenden Spannungen an den Finanzmärkten und ungünstige Effekte für die Finanzierungsbedingungen werden wahrscheinlich das Tempo des Wirtschaftswachstums in der Euro-Zone in der zweiten Jahreshälfte drücken". Der Ausblick für die Wirtschaft bleibe "vor allem von großer Ungewissheit und stärkeren Abwärtsrisiken geprägt".

stk/dpa/Reuters

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