EZB Trichet hilft Banken mit Milliardenspritzen

Es ist die letzte wichtige Amtshandlung des scheidenden EZB-Chefs Jean-Claude Trichet - und die hat es in sich: Die Zentralbank will die von der Schuldenkrise bedrohten Institute mit gewaltigen Geldmitteln retten. Eine Notmaßnahme, die zuletzt nach dem Lehman-Crash helfen musste.


Berlin/Frankfurt am Main - Mit langlaufenden Krediten und einem neuen Anleihenkaufprogramm will die Europäische Zentralbank (EZB) die lodernde Bankenkrise in Europa bekämpfen. Das kündigte der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag nach einer turnusmäßigen Ratssitzung an, die dieses Mal in Berlin stattfand - es war Trichets letzte als Vorsitzender.

Das Vertrauen fehlt auf dem europäischen Bankenmarkt. Die Institute leihen einander kaum noch Geld. Vor allem in den Schuldenländern wie Griechenland oder Portugal säßen die Banken ohne die ständigen Hilfe der EZB längst auf dem Trockenen.

Momentan ist die Lage besonders ernst. Deshalb greift die EZB auf besonders drastische Hilfsmaßnahmen, die sie zuletzt während der Finanzkrise 2008 und 2009 eingesetzt hatte:

  • Zum einen stellt die Notenbank den Geschäftsbanken Geld mit besonders langer Laufzeit zur Verfügung. In zwei sogenannten Tendern können sich die Institute so viel Geld wie nötig für 12 beziehungsweise 13 Monate leihen - normal sind kürzere Geschäfte von einer Woche. Der Vorteil der langfristigen Ausleihe: Die Banken haben Planungssicherheit - und die EZB ist die sicherste Adresse, die man sich nur wünschen kann. Vor gut zwei Jahren hatte die EZB bereits drei solcher Jahrestender aufgelegt. Beim ersten dieser Tender hatten sich mehr als tausend Banken aus der gesamten Euro-Zone die Riesensumme von 442 Milliarden Euro geliehen.

  • Zum zweiten will die Notenbank wieder sogenannte gedeckte Anleihen ("covered bonds") aufkaufen. Dazu gehören zum Beispiel die in Deutschland beliebten Pfandbriefe. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass die Gläubiger notfalls den direkten Zugriff auf Sachwerte wie Immobilien haben, die hinter den Anleihen stehen. Das Volumen der Ankäufe bezifferte Trichet auf 40 Milliarden Euro. Damit soll den Banken ebenfalls frisches Geld zugeführt werden.

Angesichts der Milliarden-Engagements der Geschäftsbanken in Staatspapieren europäischer Krisenländer ist das Misstrauen der Banken untereinander gewachsen. Das zeigen die großen Summen, die die Finanzinstitute derzeit bei der EZB hinterlegen, anstatt das Geld für höhere Zinsen an eine andere Bank zu leihen. Am Donnerstag waren die Einlagen, die die Banken über Nacht bei der EZB parken, auf 221,4 Milliarden Euro gestiegen. Damit lagen sie so hoch wie zuletzt im Juli 2010.

Trichet forderte die Banken auf, ihre Bilanzen und ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Falls nötig, sollten die Institute auf Regierungsmaßnahmen zurückgreifen. "Die Situation auf dem Bankensektor erfordert besondere Aufmerksamkeit", sagte Trichet.

Den Leitzins für die Euro-Zone hielt der Rat der Europäischen Zentralbank konstant bei 1,5 Prozent. Trichet warnte, "die anhaltenden Spannungen an den Finanzmärkten und ungünstige Effekte für die Finanzierungsbedingungen werden wahrscheinlich das Tempo des Wirtschaftswachstums in der Euro-Zone in der zweiten Jahreshälfte drücken". Der Ausblick für die Wirtschaft bleibe "vor allem von großer Ungewissheit und stärkeren Abwärtsrisiken geprägt".

stk/dpa/Reuters



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Seite 1
cp³, 06.10.2011
1. 1²³
Zitat von sysopEs war der letzte wichtige Auftritt des scheidenden EZB-Chefs Jean-Claude Trichet - er hat*ihn genutzt: Die Zentralbank will die von der Schuldenkrise bedrohten Institute mit gewaltigen Geldmitteln retten.*Eine Notmaßnahme, die zuletzt nach dem Lehman-Crash helfen musste. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,790346,00.html
Rennt der überhaupt noch frei herum? Darf jeder Eurokrat deutsche Steuergelder ins Klo schmeißen? Eines ist sicher - am Ende fließen wieder die Boni, Abfindungen und Managergehälter - fürs Nichtstun und Versagen!
Meckermann 06.10.2011
2. Mittäterschaft
Wer verbrechern hilft, macht sich mitschuldig. Ich hoffe dieser Herr stirbt einsam und verzweifelt.
roland.vanhelven 06.10.2011
3. Na Super !
werfen wir den privaten banken kartellen noch mehr steuergelder in den rachen, damit sie wieder rekord boni an ihre manager zahlen koennen ! mal sehen, wie oft das noch geht mit den schafen...
Nationaldemokrat, 06.10.2011
4. Trichet?
Zitat von sysopEs war der letzte wichtige Auftritt des scheidenden EZB-Chefs Jean-Claude Trichet - er hat*ihn genutzt: Die Zentralbank will die von der Schuldenkrise bedrohten Institute mit gewaltigen Geldmitteln retten.*Eine Notmaßnahme, die zuletzt nach dem Lehman-Crash helfen musste. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,790346,00.html
Es gibt keinen Grund, diesem Herren ein Denkmal zu setzen. Er hat unsere Währung in französischen Interesse und vielleicht auch Auftrag verkauft. Franzosen an solch exponierten Stellen haben nur ein Interesse: Stärkuung der eigenen Nation durch Schwächung der deutschen. Er hat die Maastricht und Lissabon Verträge gebrochen. Solche LEute gehören hinter Gitter und nicht in den sehr gut bezahlten Ruhestand
Tikal69 06.10.2011
5. Alptraum
Zitat von sysopEs war der letzte wichtige Auftritt des scheidenden EZB-Chefs Jean-Claude Trichet - er hat*ihn genutzt: Die Zentralbank will die von der Schuldenkrise bedrohten Institute mit gewaltigen Geldmitteln retten.*Eine Notmaßnahme, die zuletzt nach dem Lehman-Crash helfen musste. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,790346,00.html
Ich habe das Gefühl, in einen nie enden wollenden Alptraum zu stecken. Kann mich bitte jemend kurz kneifen, ich möchte gerne wieder aufwachen....bitte!
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