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Niedrige Zinsen: Deutsche Firmen profitieren von Euro-Krise

Der europäische Währungsraum driftet immer stärker auseinander. Länder wie Spanien oder Italien müssen nicht nur deutliche höhere Zinsen für Staatsanleihen zahlen - auch für südeuropäische Unternehmen werden Kredite teurer. Deutsche Firmen kommen dagegen so billig wie nie an frisches Geld.

Euro-Zeichen in Frankfurt: Die Kluft zwischen starken und schwachen Ländern wächst Zur Großansicht
dapd

Euro-Zeichen in Frankfurt: Die Kluft zwischen starken und schwachen Ländern wächst

London - Die Krise in der Euro-Zone trifft zunehmend auch die Unternehmen in Südeuropa. In wirtschaftlich schwachen Staaten wie Spanien oder Italien seien die Zinsen für Kredite zuletzt deutlich gestiegen, berichtet die "Financial Times" und beruft sich dabei auf Statistiken der Europäischen Zentralbank (EZB).

Für kleine spanische Firmen sind Kredite demnach so teuer wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Deutsche Konkurrenten bekommen frisches Geld dagegen so billig wie noch nie.

Eigentlich soll die einheitliche Zinspolitik in der Währungsunion dafür sorgen, dass europäische Firmen zu ähnlichen Bedingungen an Geld kommen. Die EZB legt deshalb einen Leitzins für die Euro-Zone fest, zu dem sich Banken Geld bei der Notenbank leihen können. Derzeit liegt er bei einem Prozent. In normalen Zeiten geben die Kreditinstitute diesen Zins mit einem Aufschlag an die Unternehmen weiter. Allerdings funktioniert dieser Mechanismus offenbar nicht mehr wie geplant.

Durch die schwere wirtschaftliche Krise in den südeuropäischen Ländern driften die Finanzierungskosten immer stärker auseinander. Laut dem Bericht kosteten Kredite bis eine Million Euro mit einer ein- bis fünfjährigen Laufzeit in Spanien im Juli 6,5 Prozent. Das war der höchste Wert seit Ende 2008, als die Finanzkrise ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte und die EZB damit begann, den Leitzins in der Euro-Zone radikal von 4,25 auf ein Prozent zu senken.

In Italien mussten Firmen für einen vergleichbaren Kredit im Juli 6,24 Prozent Zinsen zahlen, in Deutschland lag der Wert bei 4,04 Prozent - so niedrig wie noch nie seit Einführung der EZB-Statistiken im Jahr 2003.

"Das untergräbt das Grundprinzip des Euro"

Die deutschen Firmen haben damit einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren südeuropäischen Konkurrenten - die Kluft zwischen starken und schwachen Volkswirtschaften dürfte deshalb noch wachsen.

"Die Fragmentierung wird immer schlimmer", zitiert die "Financial Times" den Experten David Riley von der Rating-Agentur Fitch. "Wenn sich dieser Trend verstärkt, bekommen wir es mit einer fundamentalen Neuordnung der Euro-Zone zu tun. Das untergräbt das Grundprinzip des Euro - und könnte womöglich dazu beitragen, dass er auseinander bricht."

Das Problem der auseinanderdriftenden Zinsen ist vor allem eine Herausforderung für die Europäische Zentralbank. Ihre klassische Zinspolitik wirkt nicht mehr wie geplant. Präsident Mario Draghi hat deshalb bereits angekündigt, zu ungewöhnlichen Maßnahmen zu greifen. Am kommenden Donnerstag trifft er sich mit seinem Kollegen im EZB-Rat. Es wird erwartet, dass die Notenbanker ein neues Ankaufprogramm für Staatsanleihen beschließen, das vor allem die Zinsen für Staaten wie Italien und Spanien drücken soll.

Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos erhöhte vor dem Treffen noch einmal den Druck auf die Notenbanker. Die EZB könne zwar die fiskalpolitischen Anstrengungen der Euro-Länder nicht ersetzen, sagte er dem "Handelsblatt". "Aber derzeit gilt es, die Zweifel über den Euro auszuräumen und klarzumachen, dass der Euro irreversibel ist." Dafür könne es "kurzfristig nötig sein, dass die EZB agiert."

stk

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1.
jehudi 04.09.2012
Da freut sich dann der Investor und Aktionär aus Bahrain / Qatar... Michel sei blöd und schufte und zahl unsere Kunden noch das Geld dafür, damit ich weiter Profit machen kann.....
2.
okokberlin 04.09.2012
so eine boshafte wie falsche überschrift . die firmen profitieren ausschließlich von ihrer solidität und innovations und wirtschaftskraft und nicht von der eurokrise!!!
3. fuer dumme
ofelas 04.09.2012
Zitat von sysopdapdDer europäische Währungsraum driftet immer stärker auseinander. Länder wie Spanien oder Italien müssen nicht nur deutliche höhere Zinsen für Staatsanleihen zahlen - auch für südeuropäische Unternehmen werden Kredite teurer. Deutsche Firmen kommen dagegen so billig wie nie an frisches Geld. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,853728,00.html
und, was soll der Vorteil fuer die deutsche Gesellschaft sein wenn jede Produktivitaetssteigerung, Lohnverzicht, nachhaltiges Wirtschaften dann ueber Ausgleichzahlungen, Target 2...endlose Liste weitergereicht wird?
4.
okokberlin 04.09.2012
ps: den euro-fanatikern ist mittlerweile nichts mehr zu dumm um den euro als erfolg und gut für D zu verkaufen. die euro-krise ist wahrscheinlich auch schuld das wir heute in D sonnenschein haben, oder?
5.
fritz3 04.09.2012
Zitat von sysopdapdDer europäische Währungsraum driftet immer stärker auseinander. Länder wie Spanien oder Italien müssen nicht nur deutliche höhere Zinsen für Staatsanleihen zahlen - auch für südeuropäische Unternehmen werden Kredite teurer. Deutsche Firmen kommen dagegen so billig wie nie an frisches Geld. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,853728,00.html
Schön. Das Leben auf Pump wird immer mehr salonfähig. Scheint ja inzwischen gesellschaftsfähig geworden zu sein, dass Invesitionen nicht mehr aus Gewinnen getätigt werden, sondern aus frisch gedrucktem Geld. Kann ein System noch kaputter sein?
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