Neues Batteriesystem: Boeings Dreamliner darf wieder fliegen

Elektronik, Batterien und Öldämpfe: Problemflieger von Airbus, Boeing und Co. Fotos
AP/dpa

Boeing kann aufatmen: Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA hat das neue Batteriesystem des Dreamliners genehmigt. Sobald die 50 bereits ausgelieferten Flugzeuge umgerüstet wurden, darf der Pannenflieger wieder starten. "Wir sind zurück im Geschäft", twitterte eine Boeing-Unterstützergruppe.

Washington - Seit drei Monaten darf der pannengeplagte Dreamliner 787 nicht mehr fliegen, geschätzte 600 Millionen Dollar hat die Boeing die Zwangspause bisher gekostet - jetzt darf das Prestigeflugzeug wieder starten. Am Freitag genehmigte die US-Flugaufsichtsbehörde FAA das neue Batteriesystem für den Dreamliner. Damit können jetzt die 50 Maschinen repariert werden, die bereits für acht Fluggesellschaften in aller Welt unterwegs sind - seit Wochen aber ein Startverbot haben. Der einzigen Haken: Auch die ausländischen Aufsichtsbehörden müssen noch ihre Zustimmung geben.

Seit rund drei Monaten befinden sich die Dreamliner-Maschinen am Boden, nachdem eine Pannenserie mehrere Maschinen lahmgelegt hatte. Neben Problemen wie zwei Treibstofflecks, einer Bremsstörung und einem geborstenen Cockpit-Fenster hatten sich in zwei Maschinen die Lithium-Ionen-Batterien so stark überhitzt, dass sie in Brand gerieten. Mehrere Fluggesellschaften, die ihre Maschinen am Boden lassen mussten, kündigten bereits Schadensersatzforderungen an Boeing an.

Die FAA teilte mit, der Dreamliner dürfe fortan wieder bis zu 180 Minuten über dünn besiedelte Gebiete oder übers Meer fliegen, sobald die Starterlaubnis erteilt sei. Zuvor hatte es geheißen, eventuell könne diese Reichweite limitiert werden - was die Einsatzmöglichkeit des spritsparenden Flugzeugs eingeschränkt hätte. Boeing-Chef Jim McNerney betonte, alle Vorzüge des Langstreckenflugzeugs blieben "vollständig erhalten". Die Reaktionen aus der Branche waren erleichtert.

"We're back in business, baby!" - wir sind zurück im Geschäft, twitterte beispielsweise die Washington Aerospace Partnership, eine Kooperation von Firmen, Arbeitern und Politikern in Boeings Heimatstaat Washington im Nordwesten der USA. United Airlines, die einzige US-Fluggesellschaft, die Boeings 787 in ihrer Flotte hat, sprach von einem "großen Schritt nach vorn". United will die Flüge mit dem Dreamliner am 31. Mai wieder aufnehmen, schon am 10. Juni soll der erste Direktflug von Denver nach Tokio starten. Alles hänge davon ab, wie schnell die Flugzeuge umgerüstet werden könnten.

Boeing spricht von fünf Tagen Umrüstzeit pro Flugzeug, danach könnten die Maschinen den Liniendienst theoretisch sofort aufnehmen. In der Regel führen die Fluggesellschaften aber noch Testflüge ohne Passagiere durch. Boeing selbst hat zehn Teams zusammengestellt, die jetzt weltweit darauf warten, mit der Arbeit an den Maschinen zu beginnen. Fast die Hälfte aller bisher ausgelieferten 787 sind im Besitz der japanischen Fluggesellschaften All Nippon Airways und Japan Airlines.

Sobald die FAA Anfang kommender Woche dem umgerüsteten Dreamliner die Flugtüchtigkeit offiziell bescheinigt hat, muss die japanische Flugaufsicht noch nachziehen. Möglicherweise wird die Behörde noch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen einfordern.

Boeing hält an seinem Auslieferungsplan für dieses Jahr fest. Analysten gehen davon aus, dass die Pannenserie den Airbus-Konkurrenten rund 50 Millionen Dollar pro Woche kostet.

nck/Reuters

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1.
SpitzensteuersatzZahler 20.04.2013
Sehr beruhigend, dass man diesem Quickfix immerhin 180 Minuten Flugzeit über dünn besiedeltem Gebiet zutraut...
2.
Jochen Binikowski 20.04.2013
Mit ETOPS 180 befindet sich der Dreamliner in der selben Kategorie wie die A 320, B 757 und B 737 NG. Mal sehen was die Airlines zu diesen eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten sagen. Weiterhin darf man gespannt sein ob eine genügen große Anzahl an Passagieren Vertrauen in diese Lösung hat. Immerhin ist die eigentliche Ursache der Batteriebrände immer noch unbekannt. Na ja, wenn Boeing und die FAA meinen dass es kein Problem ist 3 Stunden mit einer brennenden Batterie an Bord zu fliegen dann wird das alles schon seine Richtigkeit haben. Allerdings werde ich persönlich nicht mit diesem Teil fliegen wollen.
3. optional
firmentrottel 20.04.2013
Eine sehr fragwürdige Entscheidung der FAA. Ich bin gespannt wie die Luftausichtsbehörden anderer Länder das sehen. Bisher wurden ja die Entscheidungen bzw. Genehmigungen der FAA und der EASA immer gegenseitig anerkannt. Wie aber an anderer Stelle zu lesen, wurden die entsprechenden Unterlagen der FAA an diese Behörden weitergeleitet. Konkret: Bisher bedeutet dies, das die 787 nur in den USA wieder fliegen darf. Auch bleibt die Frage, wie die Passagiere das sehen und wie die Luftfahrtgesellschaften die die 787 einsetzen, damit umgehen werden. Denn für diese könnte das ein Peoblem sein, das sie eine Maschine einsetzen, die zwar vom Hersteller und FAA als sicher bezeichnet wird, die Passagiere aber Zweifel daran haben. Spätestens aber bei dem nächsten Batteriebrand, wenn auch in der Box, wird das ganze zu Deseaster für Boeing und die FAA. D.h.: Im Moment ist das einen Situation, in der alle nur verlieren können. FAA das Vertrauen in Ihre Entscheidungen, Boeing das Vertrauen in ihre Entwicklungen und Fähigkeit sichere Flugzeuge zu bauen und die Luftfahrtgesellschaften das Vertrauen ihrer Passagiere. Da ist es schon nachzuvollziehen, das eine japanische Airline wohl plant die 787 nur auf Inlandsflügen einzusetzen. Sogar von reinen Frachtflügen ist die Rede. Es bleibt spannend. Gruß
4. Ob da alles mit rechten Dingen zuging?
just_ice 20.04.2013
Vor ein paar Monaten, als die Probleme zum ersten Mal publik wurden, hieß es, das gesamte Konzept des Dreamliners sei um die Energieversorgung (sprich Akku) herum entwickelt worden, weshalb sich das Problem nicht lösen ließ, ohne dass weitreichende strukturelle Veränderungen an den Flugzeugen vergenommen werden müssten. Ich bin zwar diesbezüglich nur ein technischer Laie, aber so und so ähnlich war es damals in den Medien überall zu lesen.
5.
Jochen Binikowski 20.04.2013
Zitat von firmentrottelSpätestens aber bei dem nächsten Batteriebrand, wenn auch in der Box, wird das ganze zu Deseaster für Boeing und die FAA.
Selbst wenn dabei nur Sachschaden entstehen würde gäbe es sofort ein neues Grounding. Dann war nicht nur der Aufwand für den Quick-Fix für die Katz sondern es muß eine komplett andere Lösung geben. Also entweder auf herkömmliche Batterien umstellen oder das ganze Projekt einstampfen. Vermutlich würde beides den sofortigen Konkurs von Boeing bedeuten. Das Problem ist ja nicht auf den Dreamliner beschränkt und es geht auch nicht nur um technische Lösungen. Wenn ein Passagier sicher sein will dass er nicht mit einer B 787 fliegen wird muß er zwangsläufig bei einer Airline buchen die keine Dreamliner in der Flotte hat. Denn egal welcher Flugzeugtyp im E-Ticket angegeben ist, die Airline hat das Recht bei Bedarf ein anderes Modell einzusetzen.
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