Ende der Haltefrist Facebook-Aktie rutscht tief ins Minus

Facebook-Mitarbeiter dürfen ab sofort rund 271 Millionen Anteilsscheine abstoßen, das beschert der Aktie neue Verluste. Der Kurs des Internet-Giganten rutschte zeitweise sieben Prozent ins Minus.

Facebook-Chef Zuckerberg: Aktie unter Druck
AFP

Facebook-Chef Zuckerberg: Aktie unter Druck


New York - 91 Tage wird die Facebook-Aktie erst gehandelt - in dieser kurzen Zeit hat sich ihr Wert fast halbiert. Zum Börsenstart am 18. Mai kostete ein Anteilsschein an dem sozialen Netzwerk noch 38 Dollar - am Donnerstagnachmittag war er nach erneuten Verlusten zeitweise nur noch 19,69 Dollar wert und fiel damit auf ein Allzeittief. Zeitweise verlor die Aktie fast sieben Prozent, später stieg sie leicht - auf rund minus fünf Prozent.

Grund für den erneuten Absturz ist vermutlich eine Schwemme frisch handelbarer Facebook-Aktien. Am Donnerstag ist die Haltefrist für 271 Millionen Anteile ausgelaufen, die Angestellte des Unternehmens besitzen. Eine beträchtliche Anzahl: Beim Börsengang selbst waren 421 Millionen Aktien verkauft worden.

Zu den Eignern, die nun verkaufen dürfen, zählen viele Mitarbeiter und Investoren der ersten Stunde; sie sitzen teils im Verwaltungsrat von Facebook und haben damit Einblick in den Geschäftsverlauf und die Zukunftsplanungen des weltgrößten sozialen Netzwerks. Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg darf erst ab November wieder Aktien verkaufen.

Nach US-Börsenschluss hatten sich die Facebook-Aktien leicht erholt. Nach dem Allzeittief vom Nachmittag schlossen die Papiere am Ende um 6,23 Prozent tiefer bei 19,88 Dollar. Beobachter hatten aufgrund des Auslaufens der Haltefristen allerdings noch deutlichere Abschläge befürchtet.

Viele Anleger zweifeln am Geschäftsmodell von Facebook. Immer mehr Nutzer greifen mit ihren Smartphones auf Facebook zu. Von den 955 Millionen Nutzern kommunizieren inzwischen 543 Millionen mobil mit ihren Freunden und Bekannten auf Facebook. Auf den kleinen Bildschirmen lässt sich aber kaum Werbung unterbringen. Anzeigen sind die Haupteinnahmequelle von Facebook, durch die Verlagerung der Abrufe ins mobile Internet verlangsamt sich das Wachstum. Neue Einnahmequellen im mobilen Web müssen sich aber erst noch entwickeln.

Das Unternehmen war am Tag des Börsengangs 104 Milliarden Dollar wert. Nach dem Absturz ist das Unternehmen noch immer gut 42 Milliarden Dollar wert, das 42-fache des Jahresgewinns 2011. Bei den ungewissen Geschäftsaussichten ist das noch immer sehr optimistisch, selbst für die hochgehandelte Digitalbranche. Langsameres Wachstum verträgt sich nicht mit dieser Bewertung.

Ob die Verluste am Donnerstag wirklich nur damit zusammenhängen, dass Alteigner ihre Aktien abstoßen, ist nicht klar. Börsenexperten schätzen, dass die meisten Eigner, die verkaufen wollen, es schon vorab getan haben - per Optionsschein. Diese Verkäufe wären im Aktienkurs der vergangenen Tage bereits berücksichtigt gewesen - "eingepreist", wie es im Börsenjargon heißt. Es ist also auch möglich, dass andere Anteilseigner ihre Papiere abstoßen - weil sie aufgrund der auslaufenden Haltefrist einen Absturz erwarten und diesem vorbeugen wollen.

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ssu/dpa/Reuters

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insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
Emil Peisker 16.08.2012
1. herbe Verluste...
Zitat von sysopAFPFacebook-Mitarbeiter dürfen ab sofort rund 271 Millionen Anteilsscheine abstoßen, das beschert der Aktie jetzt herbe Verluste. Der Kurs des Internet-Giganten rutschte zeitweise sieben Prozent ins Minus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,850461,00.html
Ostern 2013 erreicht das Papier die 1€-Grenze.
mocki 16.08.2012
2.
Wäre ich Facebook Mitarbeiter würde ich auch so schnell wie möglich die Aktien versilbern. Man sollte aber nicht sagen dass Zuckerberg irgednwelche Verluste durch den kursverfall erleidet. Er hat ja nichts dafür bezahlt im Gegensatz zu den meisten Anlegern.
Gerüchtsvollzieher 16.08.2012
3. Na sowas...
...eine Aktie, die zu 100 Prozent aus heisser Luft besteht verliert die Hälfte ihres Wertes!? Mir gefällt das ;-)
mischpot 16.08.2012
4. Ich kann darin keine Neuigkeit entdecken
Das ist bei einem riesigen Schneeballsystem doch vorher klar gewesen. In ein paar Jahren heißt es wer ist Facebook? Braucht kein Mensch.
Nonvaio01 16.08.2012
5. tja
Zitat von sysopAFPFacebook-Mitarbeiter dürfen ab sofort rund 271 Millionen Anteilsscheine abstoßen, das beschert der Aktie jetzt herbe Verluste. Der Kurs des Internet-Giganten rutschte zeitweise sieben Prozent ins Minus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,850461,00.html
der normale Buerger wusste das schon vorher. FB wird das gleiche schicksal erleiden wie Myspace. Ich z.b. nutze FB nur noch auf dem Handy, am PC ist die seite nicht einmal mehr in den Top 6 (die bei Chrome)
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