Facebook-Börsengang Zuckerberg gefällt das trotzdem

Monatelang hatten Investoren gehofft und gefiebert. Doch nun verlief der Facebook-Börsengang lauwarm, gigantische Kursgewinne blieben aus. Konzernchef Zuckerberg und seinen Mitarbeitern war es egal. Während Börsianer hadern, feiern sie den Deal als Meilenstein für den Konzern.

Von , New York


Mark Zuckerberg zeigt der Wall Street, wo die Party stattfindet. Zum US-Börsengang bequemt sich der Gründer und Chef von Facebook nicht nach New York. Statt dessen läutet er die symbolische Eröffnungsglocke der Tech-Börse Nasdaq via Fernsteuerung - vom Silicon Valley aus.

Hunderte Mitarbeiter haben sich dort schon am frühen Freitagmorgen in der Facebook-Zentrale in Menlo Park versammelt, eine Autostunde südlich von San Francisco. Auf einer Bühne unter freiem Himmel ist ein Podium mit einem großen Plastikknopf aufgebaut. Der 28-jährige Zuckerberg erscheint in seiner üblichen Arbeitsuniform: Jeans, Turnschuhe, Kapuzenpulli. Er reibt sich die Hände warm.

Mit ihm scheint ganz Amerika zu warten: Die Zeitungen, Websites, Blogs und TV-Programme haben an diesem Morgen kein anderes Thema. Der Wirtschaftssender CNBC hat seine Moderatoren extra ins gläsernene Studio im Erdgeschoss der Nasdaq am Times Square gesetzt, wo sie aber so deplatziert wirken wie in einem leeren Aquarium. Zwar blinkt die riesige LED-Fassade der Technologiebörse hoch über ihnen in Facebook-Blau: "Willkommen Facebook." Doch wie gesagt: Die Party läuft im Silicon Valley.

Reich auf Knopfdruck

Dort brechen die Facebook-Leute schon in Jubel aus, bevor der Nasdaq-Countdown beginnt. "Alright, seid ihr alle soweit?", ruft Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in die Menge, begrüßt von rhythmischem Klatschen.

Zuckerberg, flankiert von seiner Führungsriege sowie Nasdaq-Vorstandschef Bob Greifeld (ebenfalls im T-Shirt), zählt laut mit: "Fünf! Vier! Drei! Zwei! Eins!" Die virtuelle Börsen-"Glocke" bimmelt schrill, Zuckerberg grinst etwas unbeholfen, und alle umarmen sich. Die meisten von ihnen sind gerade richtig reich geworden - buchstäblich per Knopfdruck.

Noch aber müssen sie etwas warten: Die eigentliche Facebook-Aktie (Tickerkürzel "FB") kommt erst zwei Stunden später in den Handel. So groß ist der Andrang, dass sich die Nasdaq Zeit ausbittet, um die "Buy"- und "Sell"-Orders zu filtern. Die Händler melden, es habe noch nie so viele Aufträge für ein neues Listing gegeben.

Viele sind nervös, nicht zuletzt auch an der Nasdaq, die noch nie einen so großen Börsengang zu bewältigen hatte. "Das muss ohne Panne ablaufen", warnte Larry Tabb, Chef der Finanz-Unternehmensberatung TABB, in der "Los Angeles Times". "Wenn das schiefgeht, würde das nicht nur ein schlechtes Licht auf die Nasdaq werfen, sondern auf die gesamte US-Marktstruktur."

Tatsächlich gibt es zunächst eine weitere Verzögerung: Der Handel sollte um 11 Uhr Ortszeit beginnen - doch nichts geschieht. Die Nasdaq, so ist zu hören, habe offenbar Probleme mit der Elektronik. Erst um 11.30 Uhr bewegt sich die FB-Aktie. Die US-Börsenaufsicht SEC hat inzwischen angekündigt, die Pannen zum Handelsstart genauer untersuchen zu wollen.

Haben die Banken die Blamage verhindert?

Dann aber geht es rund. Der Kurs schnellt mit einem einzigen Wimpernschlag vom Einstiegspreis (38 Dollar) auf 42,99 Dollar - ein Plus von 13 Prozent. Allein in den ersten 30 Sekunden wechseln da 82 Millionen Aktien den Besitzer. Ein fulminantes Debüt.

Kurz darauf sackt der Wert schon wieder ab, rutscht unter 40 Dollar. 23 Minuten nach der Premiere landet die Aktie auf ihrem Ausgangswert: 38 Dollar. "Unchanged", blinkt es von der Nasdaq-Wand - unverändert. Tiefer ging es jedoch nicht. Fortan pendelt das Papier hin und her. Mal nahe der 42 Dollar, mal bei 40 Dollar. Immer noch im Plus, aber eben nicht so deutlich wie zum Auftakt. Prompt setzen die Spekulationen am Markt ein. Nach Einschätzung von Beobachtern dürften die Banken, die den Börsengang begleiteten, zu diesem Zeitpunkt mit Aktienkäufen eine Blamage verhindert haben. Die Aktie wird den Handelstag nur noch bei 38,23 Dollar beenden.

Experten warnen, dass die Zahlen nicht viel heißen müssen: Listings explodieren oft am Anfang. Worauf es wirklich ankommt, ist der Langzeittrend. Sicher, mit dem Börsengang bezifferte das erst acht Jahre alte soziale Netzwerk seinen Marktwert auf sagenhafte 104 Milliarden Dollar, mehr als jeder andere US-Konzern bei seiner Börsenpremiere. Mit 18,4 Milliarden Dollar verdient sich Facebook damit den Titel des größten Tech-Listings und des drittgrößten Börsengangs überhaupt in der US-Börsengeschichte.

Doch Partystimmung sieht anders aus. "Wir sehen da draußen einige unglückliche Leute. Sie hatten darauf gehofft, dass Facebook sich deutlich besser schlägt. Ich wette, da sind viele enttäuscht", sagte Wayne Kaufman vom Brokerhaus John Thomas Financial. Das holprige Börsendebüt belastete die Wall Street. Alle Indizes notierten im Minus. "Wir stehen nach diesem wenig erstaunlichen Handelsstart etwas unter Druck. Der Börsengang konnte nicht wie von einigen Händlern erhofft den Gesamtmarkt beflügeln", sagte Frank Davis von LEK Securities in New York.

Skeptiker dürften sich von dem wackeligen Auftakt bestätigt sehen. Vor allem die zuletzt enttäuschenden Umsatzzahlen und die unscharfe Unternehmensstrategie schrecken vorsichtige Anleger weiterhin ab. Hinzu kam am Freitag ein Bericht über eine Sammelklage gegen das Netzwerk. Nutzer werfen Facebook vor, ihre Spuren im Internet aufgezeichnet zu haben - selbst nachdem sie die Website geschlossen hätten. Die Kläger verlangen nun im Namen aller Geschädigten in den USA 15 Milliarden Dollar.

Dauerfete bis zum Börsengang

Zuckerberg wischte in einer ersten Stellungnahme den müden Börsengang beiseite und sprach von einem "Meilenstein" für den Konzern: "Unsere Mission ist nicht, eine börsennotierte Firma zu sein. Unsere Mission ist, unsere Welt offener zu machen und stärker zu vernetzen."

Schon die zweiwöchige Roadshow, mit der Facebook landesweit um Investoren warb, gab einen Vorgeschmack auf den Irrsinn an diesem Freitag. Da standen Wall-Street-Banker stundenlang Schlange, um sich mit dem blutjungen Facebook-Team zu treffen. Das Interesse war so groß, dass Facebook den Aktienpool aufstockte, auf nunmehr 484,4 Millionen Aktien. Viele stammen von frühen Facebook-Finanziers, etwa dem deutschstämmigen Silicon-Valley-Unternehmer Peter Thiel. Allein der stößt fast 17 Millionen Aktien ab - ein prima Geschäft.

Kein Wunder, dass sie bei Facebook schon die ganze Nacht durchfeierten - mit einem Event, der so typisch für die Facebook-Kultur ist wie Zuckerbergs "Hoodie", sein unvermeidliches Kapuzenshirt. Mit einem "Hackathon", einer Art Programmier-Dauerfete, wetteiferten die Software-Gurus um neue Ideen, befeuert von Energydrinks und Live-DJs. Dutzende Mitarbeiter verbrachten die Nacht mit ihren Laptops auf Sofas, Sesseln und Schlafsäcken im "Hackers Square", einem speziellen Saal in der Unternehmenszentrale. Mittendrin: Mark Zuckerberg.

Der zelebriert den Termin auf die gleiche Weise, wie auch 900 Millionen Facebook-Nutzer ihr Leben längst dokumentieren - mit einem Eintrag in der Chronik seines Facebook-Profils. Und zwar mit typischer Zuckerberg-Chuzpe: Ein Facebook-Mitarbeiter hatte dafür heimlich den Nasdaq-Knopf in der Facebook-Zentrale gehackt. Als der Firmengründer auf ihn drückte, wurde via Handy der entsprechende Eintrag auf Zuckerbergs Profil eingetragen.

Da steht jetzt als jüngstes Update: "Mark Zuckerberg listete eine Firma an der Nasdaq."

Mit Material von dpa und Reuters

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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
c59 18.05.2012
1. Gute Nacht!
Zitat von sysopREUTERSMonatelang hatten Investoren gehofft und gefiebert. Doch nun verlief der Facebook-Börsengang lauwarm, gigantische Kursgewinne blieben aus. Konzernchef Zuckerberg und seinen Mitarbeitern war es egal. Während Börsianer hadern, feiern sie den Deal als Meilenstein für den Konzern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833899,00.html
Zuckerzwerg weiß doch noch gar nicht wer er ist. Natürlich ist es Hype, natürlich ist es überhitzt, natürlich wird er abkacken aber um damit in Wohlstand und mehr 100 Jahre alt zu werden, wird es wohl reichen. Noch viel Spaß dabei und Gute Nacht.
Dr. Fuzzi 18.05.2012
2. Och Joh!
Wer ist denn Zuckerberg? Dem Typen muß man doch nur in die Augen schauen, um zu erkennen, das dahinter nur absolute Leere ist. Diese unsägliche Blase, auf die leider auch massenhaft "renommierte" Unternehmen dank ihrer "Experten" gehüpft sind, wird hoffentlich bald platzen und sich in Nichts auflösen! Weder hat Zuckerberg irgendetwas innovatives kreiert oder erfunden, lediglich alt bekannte Methoden werbewirksam propagiert.
raven_wolf 18.05.2012
3. News
Zitat von sysopREUTERSMonatelang hatten Investoren gehofft und gefiebert. Doch nun verlief der Facebook-Börsengang lauwarm, gigantische Kursgewinne blieben aus. Konzernchef Zuckerberg und seinen Mitarbeitern war es egal. Während Börsianer hadern, feiern sie den Deal als Meilenstein für den Konzern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833899,00.html
1. wenn 470.429.499 Stk. schon gehandelt wurden und der Preis nicht steigt verkaufen die meisten schon 2. Facebook handelt sich Klage über 15 Milliarden Dollar ein quelle :Finanzen.net
silvio003 18.05.2012
4. gelächter
Die Telekom hat auch so einen Börsengang hingelegt! Wer bewertet ein simple Webadresse mit 104 Milliarden Dollar? Und wie naiv muss man sein daran zu glauben? Die alte Geschäftsregel bewahrheitet sich immer wieder: "Jeden Morgen steht ein Dummer auf! Du musst ihn nur finden."
bode1211 18.05.2012
5. Die lachen mit Recht
Jeder der dort steht, hat gut Lachen. Ist doch völlig egal ob Hype oder nicht, nur die Fakten zählen: Das Ding konnte zu Höchstpreisen an andere weiterverkauft werden. Über Erfolg lässt sich nicht streiten. Irgendwer bewertet den Laden sehr sehr hoch, und das genügt. Zuckerberg sollte schnell sämtliche Anteile abstoßen, das wäre mein Rat.
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