Facebook-Börsengang Das Milliarden-Dollar-Face

Die IT-Branche bekommt einen neuen Börsenstar: Facebook hat offiziell den Gang aufs Parkett beantragt. Das soziale Netzwerk muss nun so manches Firmengeheimnis offenlegen - zum Beispiel die Vorstandsgehälter. Allein das Vermögen von Gründer Mark Zuckerberg wird auf 28 Milliarden Dollar taxiert.

Von , New York

Unternehmensgründer Zuckerberg: "Facebook nicht erfunden, um ein Konzern zu sein"
dapd

Unternehmensgründer Zuckerberg: "Facebook nicht erfunden, um ein Konzern zu sein"


Wie viel sind Freunde wert? Seit Mittwoch ist es offiziell - mindestens fünf Milliarden Dollar. So viel Erlös erhofft sich Facebook von den Firmenanteilen, die bei dem geplanten Börsengang veräußert werden. Dessen Eckdaten präsentierte das weltgrößte soziale Netzwerk am Mittwochabend in seinem US-Börsenprospekt. Fast 200 Seiten umfasst dieses heiß erwartete Papier, samt Statistiken, Grafiken und tiefblauer Facebook-Logos - ein Dokument der Rekorde und Risiken, welches das Selbstbewusstsein des Konzerns offenbart.

Die meisten Details waren zwar längst bekannt, bis hin zum Tickerkürzel FB (FACE war bereits an einen Kosmetikkonzern vergeben). Trotzdem behandelten die US-Medien den Moment, da Facebook jetzt mit dem "Formular S-1" bei der US-Börsenaufsicht SEC den Startschuss für seine Pläne gab, wie einen internationales Großereignis. Die TV-Sender unterbrachen ihr Programm, "New York Times" und "Wall Street Journal" verschickten E-Mails an ihre Abonnenten mit der Betreffzeile: "Breaking News".

Tatsächlich bricht der Börsengang alle Rekorde, als größtes Initial Public Offering (IPO) in der Geschichte des Silicon Valley. Der avisierte Erlös von fünf Milliarden Dollar für den zu veräußernden Firmenanteil ist sogar nur die übliche Tiefstapelei. Direkt nach dem Gang aufs Parkett Ende Mai könnte der Kurs rasant steigen - was den Marktwert des Gesamtunternehmens auf 75 bis 100 Milliarden Dollar aufblähen könnte.

Das freut die Wall Street. Fünf Banken dürfen den Börsengang einfädeln - ein lukrativer Auftrag, um den es hinter den Kulissen böses Blut gegeben hatte. Durchgesetzt hat sich Morgan Stanley Chart zeigen, gefolgt von JPMorgan Chase Chart zeigen, Goldman Sachs Chart zeigen, Bank of America-Merrill Lynch, Barclays Capital Chart zeigen und Allen & Company. Die könnten dabei 100 Millionen Dollar verdienen. Das sind schwindelerregende Summen für eine kaum acht Jahre alte Website, die auf den ersten Blick nur aus virtuellen Freundschaften besteht.

28 Milliarden Dollar für Zuckerberg

Es ist eine ironische Wendung für Zuckerberg: Der Geheimniskrämer, der viele Geheimnisse seiner Fans kennt, muss sich künftig selbst in die Karten sehen lassen. Das begann schon jetzt mit dem IPO-Prospekt: Der wimmelt von faszinierenden, bisher unbekannten Details:

  • Etwa den Jahresgehältern von Facebook-Vorstandsfrau Sheryl Sandberg (30,9 Millionen Dollar), Finanzchef David Ebersman (18,7 Millionen Dollar) und Zuckerberg selbst (1,5 Millionen Dollar). Ab 2013 sinkt das Grundgehalt des Firmengründers auf einen Dollar.
  • Arm ist Zuckerberg trotz des verhältnismäßig geringen Gehalts nicht: Er besitzt gut 28 Prozent der Aktien von Facebook. Bei einem möglichen Börsenwert von 100 Milliarden Dollar würde ihn das zum 28-fachen Milliardär machen.
  • Zuckerbergs Stimmrechtsanteil beträgt derzeit 56,9 Prozent. Auch nach dem Börsengang wird er das Unternehmen kontrollieren, da er Aktien der Klasse B erhält, die zehn Stimmen haben. Anleger bekommen dagegen nur A-Klasse-Papiere mit je einer Stimme.
  • Facebook hat laut Prospekt im Moment 483 Millionen "aktive Nutzer pro Tag", die Zahl der täglichen "Gefällt mir"-Klicks und Kommentare beträgt 2,7 Milliarden.

Zuckerberg hat vorgesorgt für die neue Transparenz. In Washington, wo über Datenschutzund Regulierung entschieden wird, hat er längst seine Truppen positioniert. Im vergangenen Jahr gab Facebook 1,4 Millionen Dollar für Lobbyarbeit aus, fast viermal so viel wie 2010.

Außerdem hat Facebook ein Political Action Committee (PAC) gegründet, das über Parteispenden diskreten Einfluss auf die Legislative nehmen kann. Allein im letzten Quartal 2011 sammelte das PAC 170.000 Dollar. Zuckerberg steuerte dazu 5000 Dollar bei. Es war die erste politische Spende seines Lebens.

"Das erinnert mich an die Dotcom-Blase"

Facebooks rasante Geschichte ist auch die Geschichte einer neuen Internetgeneration, für die Google Chart zeigen ein Dinosaurier ist. Aus Jux gegründet in einer Studentenbude hat Facebook heute mehr als 845 Millionen Nutzer weltweit, zwei Drittel außerhalb der USA. Es ist längst viel mehr als eine Website für junge Nerds. Es ist eine Plattform für Werbung, Marketing, Handel, Medien, Entertainment, Konsum. Es ist das, was einst AOL sein wollte und danach Google - es ist das Internet.

Doch wie immer bei hochgejubelten IT-Firmen stellt sich auch bei Facebook die Frage: Wie lange hält der Hype?

"Facebook wurde ursprünglich nicht erfunden, um ein Konzern zu sein", schreibt Zuckerberg in seinem Investorenbrief. Er verteidigt das Vorgehen von Hackern als soziale Mission, um die Welt offener und vernetzter zu machen - und stellt klar: "Wir schaffen keine Dienste, um Geld zu verdienen. Wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu schaffen."

Davon abgesehen, dass dies in erster Linie PR ist, erinnert der Wirbel auch an frühere Dramen der New Economy. Die Nachfrage nach dem IPO-Katalog ließ sogar den SEC-Server vorübergehend abstürzen. "Ist der Facebook-Börsengang der Beginn einer neuen Tech-Blase?", fragt der Wirtschaftskanal CNBC. "Das erinnert mich an die riesige Dotcom-Blase und an jene verrückten Zeiten, als die Bewertungen sehr hoch waren", sagte der Großinvestor Richard Harris von Port Shelter Investment Management dem Sender. "Es gibt großes Interesse, viel Hitze und Leben, aber keine wirklichen Produkte."

Facebooks Produkt sind die Nutzerdaten: Jeder Status, jedes "Gefällt mir", jedes "Lebensereignis" wird gespeichert, innerhalb und zusehends außerhalb des Facebook-Orbits.

Das ist eine Goldgrube für Werbekunden - und ein rotes Tuch für Datenschützer. Nicht nur in Europa, sondern immer mehr in den USA, wo Facebook schon der Handelskommission FTC ins Gehege kam. Bisher konnte das Unternehmen solchen Ärger geheimhalten, als Aktienkonzern muss es ihn fortan öffentlich machen. Facebook warnt deshalb auch auf Seite 19 des Prospekts: "Wir gehen davon aus, dass wir weiterhin Gegenstand von regulatorischen Ermittlungen und Bilanzprüfungen weltweit sein werden."



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Seite 1
colakirsch 02.02.2012
1. Baba Facebook!
Hoffentlich geht Facebook in ein paar Jahren unter, so wie auch schon vorher die sozialen Netzwerke uboot in den frühen 2000ern (umso erbärmlicher, dass man erst seit 4, 5 Jahren von "Web 2.0" spricht - soziale Netzwerke gab es lange vor MySpace und Co.!) oder in jüngerer Zeit MySpace, StudiVZ und Konsorten. Ich wünsche Herrn Zuckerberg, dass er sein gesamtes Vermögen verliert.
Macundco 02.02.2012
2. Naja....
Ich frage mich welchen "Wert" das Unternehmen wirklich hat. Meiner Ansicht tendiert der Wert gegen null, hier wird eine neue Blase verkauft. Produziert wird nichts, es gibt keine "Warenwerte". Letztendlich ist das Unternehmen völlig überbewertet.
krügerrand 02.02.2012
3. "soziales" Netzwerk?
Zitat von sysopDie IT-Branche bekommt einen neuen Börsenstar: Facebook hat offiziell den Gang aufs Parkett beantragt. Das soziale Netzwerk muss nun so manches Firmengeheimnis offenlegen - zum Beispiel die Vorstandsgehälter. Allein das Vermögen von Gründer Mark Zuckerberg wird auf 28 Milliarden Dollar taxiert. Facebook-Börsengang: Das Milliarden-Dollar-Face - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812831,00.html)
Mir ist es schier unbegreiflich wie sich Menschen diesem unsäglichen Daten-Vampir freiwillig ausliefern...und niemand kann sagen, er hätte es nicht gewußt...von wegen "soziales"-Netzwerk und so...
Systemrelevanter 02.02.2012
4. @colakirsch
Zitat von colakirschHoffentlich geht Facebook in ein paar Jahren unter, so wie auch schon vorher die sozialen Netzwerke uboot in den frühen 2000ern (umso erbärmlicher, dass man erst seit 4, 5 Jahren von "Web 2.0" spricht - soziale Netzwerke gab es lange vor MySpace und Co.!) oder in jüngerer Zeit MySpace, StudiVZ und Konsorten. Ich wünsche Herrn Zuckerberg, dass er sein gesamtes Vermögen verliert.
Ich nehme an, Sie haben eines dieser ominösen Sozialen Netzwerke gegründet, von denen keiner etwas weiß, und nun sind Sie verbittert, dass es andere besser gemacht haben? ..oder wohler kommt der Neid?
maxmehr2008 02.02.2012
5. Wirklich...
Zitat von colakirschHoffentlich geht Facebook in ein paar Jahren unter, so wie auch schon vorher die sozialen Netzwerke uboot in den frühen 2000ern (umso erbärmlicher, dass man erst seit 4, 5 Jahren von "Web 2.0" spricht - soziale Netzwerke gab es lange vor MySpace und Co.!) oder in jüngerer Zeit MySpace, StudiVZ und Konsorten. Ich wünsche Herrn Zuckerberg, dass er sein gesamtes Vermögen verliert.
...ein toller Kommentar. Dabei kann ich mal wieder kaum nachvollziehen, warum Deutschland als Land der Neider und Missgünstlinge gilt?! Wirklich schwach...
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