Aktiendebüt an der Nasdaq: Investor verklagt Börse wegen Facebook-Panne

Das Aktiendebüt von Facebook scheint allen Beteiligten Unglück zu bringen: Der Kurs ist eingebrochen, der Börsenbetreiber Nasdaq wird wegen der technischen Probleme beim Handelsstart verklagt - und die verantwortliche Bank Morgan Stanley wird von den Regulierungsbehörden durchleuchtet.

Nasdaq in New York: Ein Investor hat Sammelklage gegen den Börsenbetreiber eingereicht Zur Großansicht
AP

Nasdaq in New York: Ein Investor hat Sammelklage gegen den Börsenbetreiber eingereicht

New York - Der Betreiber der US-Technologiebörse Nasdaq könnte von den technischen Problemen beim Facebook-Börsengang am vergangenen Freitag mehr als nur einen Imageschaden davontragen. Der Investor Phillip Goldberg aus dem US-Bundesstaat Maryland verklagte die Nasdaq wegen Nachlässigkeit. In seiner Klageschrift beantragte Goldberg vor dem Bundesbezirksgericht in Manhattan den Status einer Sammelklage im Namen aller Investoren, die wegen der technischen Schwierigkeiten am 18. Mai Geld verloren hatten.

Die Nasdaq räumte umgehend ein, bei dem IPO Fehler gemacht zu haben. Investoren und Broker waren am Freitag beim Börsengang des weltgrößten sozialen Online-Netzwerks stundenlang im Unklaren über den Stand ihrer Kauf- und Verkaufsaufträge geblieben. Die US-Börsenaufsicht leitete bereits eine Untersuchung der Vorgänge ein. Nach Einschätzung von Investoren trugen die Pannen dazu bei, dass das Interesse an den Aktien nicht so stark war, wie zunächst erwartet.

US-Regulierungsbehörden wollen Morgan Stanley durchleuchten

Auch für die als Konsortialführer für den Börsengang verantwortliche US-Bank Morgan Stanley Chart zeigen hat das verpatzte Facebook Chart zeigen-Aktiendebüt ein Nachspiel. Ein Vorwurf: Sie habe die Nachfrage deutlich überschätzt und zu viele Papiere auf den Markt geworfen. Es kommt aber ein weiterer dazu, weshalb nach der US-Börsenaufsicht SEC jetzt auch der Vorsitzende der Regulierungsbehörde Finra, Richard Ketchum, ankündigte, die Vorfälle um den IPO bei Morgan Stanley zu prüfen.

Nach Informationen des "Wall Street Journal" haben sich Analysten von Morgan Stanley und des ebenfalls am Börsengang beteiligten Konkurrenten Goldman Sachs Chart zeigen eine Woche vor der Aktienplatzierung kritisch zu den Aussichten für das Facebook-Geschäft geäußert. Unmittelbar vor der Erstnotiz senkte Morgan Stanley Anlegern zufolge die Umsatzprognose für das weltgrößte soziale Online-Netzwerk. Sollte dies zutreffen, wäre dies ein Fall für die Regulierungsbehörden, sagte Ketchum.

Wegen der Vorwürfe kündigte auch der Bundesstaat Massachusetts eine Untersuchung an. Morgan Stanley teilte mit, man habe bei Facebook die gleichen Abläufe eingehalten wie bei jedem anderen Börsengang auch. Dabei seien auch alle Vorschriften eingehalten worden. Die Aktie der US-Bank fiel im nachbörslichen Handel um 1,4 Prozent.

Am Montag hatte das mit viel Euphorie erwartete Facebook-Papier elf Prozent verloren, nachdem es beim Börsendebüt letztlich nur dank der Stützungskäufe von Konsortialführer Morgan Stanley den Ausgabepreis von 38 Dollar halten konnte. Am Dienstag ging es mit einem Abschlag von weiteren knapp neun Prozent aus dem Handel.

nck/Reuters/dpa

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Geschäftsmodelle
andig_ef 23.05.2012
mhh... auch ein interessantes Geschäftsmodell... man kaufe völlig überteuerte, überbewertete Aktien, verliere dadurch haufenweise Geld und hole es sich dann von jemand anderes wieder, weil alle anderen Schuld sind :) ja is klar, es gab wirklich Pannen usw. aber wenn ich FB Aktien gekauft hätte würde ich doch mal schön die Klappe halten und nicht noch damit in die Öffentlichkeit gehen - das ist doch peinlich :D
2. hm...
JGC 23.05.2012
Muss man dazu noch was sagen? Gier war schon immer ein schlechter Berater und mangelnde Vorbereitung eine schlechte Start-Voraussetzung. Es gibt halt jeden Tag etwas Neues zu lernen.
3. ..........
janne2109 23.05.2012
man verklage weil etwas ist was nicht sein kann....., schade, dass Spon oder auch der Spiegel nicht in der Lage sind die derzeitige Aktionärsstruktur aufzuzeigen. Wer hat denn überhaupt gekauft?? Wieviel % private Anleger sind es?? oder haben wieder die Banken und Hedgefonds gekauft, versuchen die Aktien den Kleinanlegern zu verkaufen oder ihre Fonds aufzuhübschen.
4. Sag ich doch
copperfish 23.05.2012
Betrug mit langer Ansage. Dazu passt dann auch das "Aussetzen" der Nasdaq-Software, sonst hätte die klamme "Morgan Stanley" ja noch viel mehr gegensteuern müssen. Bin mal gespannt, ob SEC und Finra zu ende recherchieren.
5. Eigentlich nur noch unverschämt
kippelman 23.05.2012
Wer mit gesundem Menschenverstand über Facebook nachdenkt musste wissen, dass dieser Laden nicht mehr wert sein kann als jeder andere Großkonzern auf der Welt. Damit war doch klar, dass der Ausgabepreis für diese Aktien masslos überhöht war. Trotzdem haben ja die "Investoren" - und der im Zusammenhang mit einer Klage erwähnte Investor ist bestimmt kein Kleinaktionär mit 100 Aktien - durch ihr extrem spekulatives Verhalten selbst den Preis in diese Irrsinshöhen katapultiert. Selbst Schuld - die Frechheit, mit der ein derartiger "Investor" jetzt auch noch über eine Klage nachdenkt ist schon ziemlich unfassbar, aber klar, für die eigene Blödheit müssen ja andere schuld sein. Und diese Art von "Investoren" bringen dann leider auch viele seriöse Investoren und das ganze System in Verruf.
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Die zehn größten Börsengänge der Welt
Rang Firma Jahr Volumen in Mrd Dollar Land
1. General Motors 2010 23,1* USA
2. AgBank 2010 22,1 China
3. AIA (Versiche- rer) 2010 22,0 Hongkong
4. ICBC (Bank) 2006 21,97 China
5. Visa (Kredit- karten) 2008 19,65 USA
6. NTT Mobile 1998 18,05 Japan
7. Enel (Energie) 1999 16,59 Italien
8. Facebook 2012 16,01** USA
9. NTT (Telekom) 1986 13,75 Japan
10. Deutsche Telekom 1996 12,49 Deutschland
* Bei Addition der Stamm- und Vorzugsaktien; ** Bei Verkaufspreis am oberen Ende der Spanne; Quelle Reuters

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