Aktien für 16 Milliarden Dollar: Facebook bläht Börsengang auf

Es ist ohnehin ein Börsengang der Superlative - nun erhöht Facebook den Einsatz sogar noch: Zwei Tage vor der Erstausgabe der Aktien erklärt das Unternehmen, weit mehr Anteilsscheine auszugeben als bisher bekannt. Der Gang aufs Parkett könnte nun 16 Milliarden Dollar einbringen.

Gründer Zuckerberg: Facebook will mehr Aktien auf den Markt werfen Zur Großansicht
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Gründer Zuckerberg: Facebook will mehr Aktien auf den Markt werfen

New York - Der Facebook-Hype kennt kaum noch Grenzen: Kurz vor dem geplanten Börsengang hat das soziale Netzwerk das Emissionsvolumen noch einmal erhöht: Aufgrund der hohen Nachfrage will das Unternehmen nun 421,2 Millionen Aktien an die Anleger verteilen. Das kündigte das Online-Netzwerk in einem am Mittwoch bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Dokument an.

Das Emissionsvolumen liegt damit 25 Prozent höher als bisher angekündigt. Bereits am Dienstag hatte Facebook die Bandbreite für den Ausgabepreis auf 34 bis 38 Dollar je Aktie erhöht. Damit käme das Unternehmen beim für Freitag erwarteten Börsengang auf Einnahmen von rund 16 Milliarden Dollar.

Das wäre einer der größten Börsengänge der Geschichte. Unter den Technologieunternehmen steht Facebook für den mit Abstand größten IPO (Initial Public Offering) aller Zeiten. Der US-Internetgigant Google etwa erzielte 2004 nur knapp zwei Milliarden Dollar. Die Nummer eins ist - bis zum geplanten Handelsstart von Facebook am Freitag - noch der deutsche Chipkonzern Infineon, der Thomson-Reuters-Daten zufolge mit seinem Marktdebüt im Jahr 2000 rund 5,9 Milliarden Dollar erlöste.

Auch mit dem angepeilten Börsenwert deklassiert Facebook die anderen Technologiegrößen. Schätzungen zufolge liegt dieser bei 93 bis 104 Milliarden Dollar. Damit wäre das Online-Portal mehr wert als die Computer-Riesen Hewlett-Packard und Dell zusammen.

"Mehr ein Spektakel als Börsengang"

Von den Einnahmen des Börsengangs fließt Facebook selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potential des Online-Treffpunkts früh erkannt haben. Auch Firmengründer Mark Zuckerberg sahnt ordentlich ab. Durch ein besonderes Stimmrechtsverfahren bleibt er zudem auch nach dem Börsengang der Mehrheitseigner mit einem Stimmrechtsanteil von 57,5 Prozent.

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Facebook-IPO: Die Profiteure des Börsengangs
Der Rummel um Facebook sorgt unter Finanzmarkt-Experten für Staunen und Befremden zugleich. "Das ist mehr ein Spektakel als ein Börsengang", sagte Analyst Max Wolff von GreenCrest Capital. Geschäftsmodelle und -daten spielten mittlerweile kaum eine Rolle mehr. Wolff erwartet, dass die Facebook-Aktie beim Debüt an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq etwa zehn Prozent zulegt.

Skeptische Investoren fragen sich dagegen, wie Facebook längerfristig die hochgesteckten Erwartungen erfüllen kann. Ihrer Einschätzung nach hat das Unternehmen bisher keine Strategie, wie es aus der wachsenden Zahl an Nutzern Kapital schlagen kann, die über mobile Geräte auf Facebook zugreifen. Außerdem hat sich das Umsatzwachstum aus dem zentralen Geschäft mit Online-Anzeigen in den vergangenen Monaten verlangsamt.

Misstrauisch zeigt sich unter anderem General Motors. Der US-Autobauer kündigte am Mittwoch an, künftig keine Werbung mehr über Facebook zu schalten. Die Opel-Mutter hält offenbar die Erfolgsaussichten der Werbung bei Facebook für zu gering.

ssu/dapd/Reuters

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Schlampenstempel
johnbatz 16.05.2012
So wie die einst coole Tätowierung am Ende des Rückens zum Schlampenstempel mutiert ist werden Facebook-Aktien zu Idiotenpapier mutieren.
2. Noch schnell den Markt ausquetschen...
felsen2000 16.05.2012
bevor der Hype zusammenbricht. Und hinterher jammern die Muttis wieder, weil sie ihr Haushaltsgeld verzockt haben. Gier frisst Hirn.
3. Virtuelle Tulpenzwiebeln
Koana 16.05.2012
Zitat von sysopREUTERSEs ist ohnehin ein Börsengang der Superlative - nun erhöht Facebook den Einsatz sogar noch: Zwei Tage vor der Erstausgabe der Aktien erklärt das Unternehmen, weit mehr Anteilsscheine auszugeben als bisher bekannt. Der Gang aufs Parkett könnte nun 16 Milliarden Dollar einbringen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833555,00.html
Was uns in der Schule die kleinen Briefchen unter der Bank waren, ist heute Facebook - globaler Klatsch und Tratsch in getippter Form - glaubt die Werbewirtschaft tatsächlich es nötig zu haben, solch einer Plattform Milliardenbeträge zahlen zu müssen? Sind wir noch immer nicht ausreichend abgerichtet - als Konsumkarnickel? Werden die Visionen von Kükü wahr? Der sagte vorraus, das die Menschen einst, erst dann Geld für Nahrung ausgeben, wenn sie das täglich Must-have welches ihnen in der Abendpropaganda injeziert wurde, am nächsten Tag per Post erhalten - natürlich over-night service des I-Net-Market-Place - solche must haves können Plastik-unterhosen mit eingebautem Deo, oder Nasenschoner mit eingebautem gps sein - sie sind praktisch immer völlig sinnfrei und wertlos - doch das Branding macht die Sache teuer. Wenn das kommt, könnte Facebook vielleicht der Konsumgott der Zukunft werden - die Community lechzt abends nach der Botschaft und klickt auf buy.
4. Gier!
TS_Alien 16.05.2012
Wenn man einmal kräftig absahnen kann, dann gibt es kein Halten. Der Facebook-Börsengang wird viele Facebook-Mitarbeiter reich machen. Und noch viel mehr Menschen etwas ärmer. Denn langfristig wird die Facebook-Aktie deutlich unter den Einstiegspreis fallen. Das Geschäftsmodell ist nicht nachhaltig (es ist nur eine Werbeplattform) und kann relativ leicht durch andere in weitaus besserer Form auf den Markt gebracht werden. Wieder ein Hype mehr, der ausgenutzt wird. Typisch daran ist, dass den potentiellen Aktienkäufern eine Knappheit der Aktien suggeriert wird. Schlimm, dass das Wissen um IT-Blasen nach zehn Jahren aus dem Sinn der Kleinanleger verschwunden ist.
5. Facebook
crocodil 16.05.2012
Das ist doch wie ein sogenanntes Schneeballsystem, wo nur der Zuckerberg und seine Miteigentümer Milliardäre werden. Arme Aktienanleger, die noch nicht wissen, wie schnell ihr Geld wieder verbraten ist. Aber wie heisste es so schön: Mit der Dummheit der Menschen wird am meisten Geld verdient!!!
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Größenvergleich: Facebook = Siemens + RWE + ThyssenKrupp + Lufthansa
Die zehn größten Börsengänge der Welt
Rang Firma Jahr Volumen in Mrd Dollar Land
1. General Motors 2010 23,1* USA
2. AgBank 2010 22,1 China
3. AIA (Versiche- rer) 2010 22,0 Hongkong
4. ICBC (Bank) 2006 21,97 China
5. Visa (Kredit- karten) 2008 19,65 USA
6. NTT Mobile 1998 18,05 Japan
7. Enel (Energie) 1999 16,59 Italien
8. Facebook 2012 16,01** USA
9. NTT (Telekom) 1986 13,75 Japan
10. Deutsche Telekom 1996 12,49 Deutschland
* Bei Addition der Stamm- und Vorzugsaktien; ** Bei Verkaufspreis am oberen Ende der Spanne; Quelle Reuters

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