Facebook US-Investoren wollen Zuckerberg aus Aufsichtsrat drängen

Er soll Firmenchef bleiben, aber den Vorsitz im Aufsichtsgremium abgeben: Die Investmentfonds von vier US-Bundesstaaten wollen die Macht von Facebook-Chef Mark Zuckerberg begrenzen. Der Vorstoß ist eher symbolischer Art.

Mark Zuckerberg
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Vier große staatliche US-Investoren fordern, den Einfluss von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zu begrenzen. Grund sind Datenskandale und andere Kontroversen um das weltgrößte Online-Netzwerk. Der Firmenchef solle den zusätzlich gehaltenen Vorsitz im übergeordneten Verwaltungsrat abgeben, verlangen die staatlichen Investoren. Der Verwaltungsrat in US-Unternehmen ist dem Aufsichtsrat in deutschen Konzernen ähnlich.

Zuckerberg müsse in dem Aufsichtsgremium durch einen unabhängigen Vorsitzenden ersetzt werden, verlangte der Chef des Rechnungshofs von New York, Scott Stringer. Die Stadt hält Mittel aus ihrem Rentenfonds in Facebook-Aktien, die Beteiligung sei aktuell rund 745 Millionen Dollar wert, berichtete das "Wall Street Journal". Das Online-Netzwerk spiele gesellschaftlich eine überdimensionale Rolle und habe hohe Verantwortung, deshalb seien Unabhängigkeit und Verlässlichkeit in dem Gremium nötig, argumentierte Stringer. Nur so könne Facebook das Vertrauen wiedergewinnen.

Außer Stringer stellten sich auch die Investmentfonds der Bundesstaaten Illinois, Pennsylvania und Rhode Island hinter einen bereits im Sommer eingereichten Vorschlag des Hedgefonds Trillium Asset Management, Zuckerberg als Chef des Verwaltungsrates abzusetzen.

Aktienkurs stürzte ab

Der Vorstoß hat allerdings kaum mehr als symbolischen Charakter, da Zuckerberg quasi die absolute Kontrolle über Facebook hat und gegen seinen Willen nicht abgesetzt werden kann. Dafür sorgen besondere Aktien mit zehnmal mehr Stimmrechten als bei herkömmlichen Investoren, die bei Entscheidungen nur eine Stimme pro Anteilsschein bekommen. Frühere Versuche von Anlegern, etwas gegen den Willen der Facebook-Führung durchzusetzen, waren bereits entsprechend aussichtslos gewesen.

Dennoch ist das jüngste Aufbäumen ein Zeichen für die wachsende Unzufriedenheit unter den Anteilseignern, die ihr Investment durch immer neue Krisen bedroht sehen. In diesem Jahr hatten die Anleger keine Freude an der Facebook-Aktie Chart zeigen. Der Kurs schnellte zwar erst zur Jahresmitte von 181 auf 217 Dollar hoch - doch dann kam der Absturz nach einem enttäuschenden Quartalsbericht. Zuletzt notierte das Papier nur noch bei 159 Dollar.

Facebook steht nach dem Cambridge-Analytica-Skandal und anderen Datenpannen sowie durch den Missbrauch der Plattform für politische Propaganda und Falschmeldungen unter massiver Kritik. Zudem schlugen die Auswirkungen der EU-Datenschutzgrundverordnung auf die Werbeeinnahmen.

fdi/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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dasfred 18.10.2018
1. Wer hat sie gezwungen die Aktien zu kaufen?
Bei Anlegern in dieser Größenordnung sollte doch etwas mehr Vernunft erwartet werden, aber man hat aus purer Gier in Facebook Aktien investiert und jedes Risiko ausgeblendet. Da hält sich mein Mitleid in Grenzen. Zuckerberg ist untrennbar mit Facebook verbunden.
m.b. 18.10.2018
2.
Sicher ist Mark Zuckerberg mit Facebook untrennbar verbunden. Aber was bedeutet das? Wenn Facebook untergeht, dann geht er damit unter. Oder? Klar war es die Gier aller. Aber auch mit Mark sollte man kein Mitleid haben. Was geschehen wird, wird geschehen.
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