Kritik an Facebook-Chef Zuckerberg wirbt mit Katastrophen-Bildern aus Puerto Rico

"Echt magisch": Mark Zuckerberg hat virtuelle Ausflüge mit Facebooks neuer Virtual-Reality-Brille angepriesen - dafür aber ausgerechnet Aufnahmen der verwüsteten Insel Puerto Rico benutzt.

Zuckerbergs Werbe-Video
Facebook.com/Zuckerberg

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Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat viele hervorragende Eigenschaften, aber Fingerspitzengefühl gehört offenbar nicht dazu. Der Netz-Pionier wirbt im Moment mit Videos für ein neues Produkt seines Konzerns, das Virtual-Reality-Headset Oculus Rift.

Zuckerberg postet auf seiner eigenen Facebook-Seite Videos, auf denen man ihn auf ersten virtuellen Streifzügen mit der Neuentwicklung begleiten kann. Die Aktion droht für Facebook allerdings zum PR-Debakel zu werden - weil der Facebook-Gründer für einen Reklamestreifen ausgerechnet auf Bilder aus dem Katastrophengebiet Puerto Rico zurückgriff. Die Insel war Ende September von einem Wirbelsturm verwüstet worden. 16 Menschen kamen dabei ums Leben.

Das sei "die Spitze der Geschmacklosigkeit" urteilt etwa das Technologie-Blog "The Next Web". Zuckerberg sprach im Video zwar auch mit seiner Mitarbeiterin Rachel Franklin über Facebooks neue Partnerschaft unter anderem mit dem amerikanischen Roten Kreuz in Puerto Rico. Facebook wolle sich dafür einsetzen, dass die Menschen in Puerto Rico weiter Zugang zum Internet haben, sagte Zuckerberg. Dem Roten Kreuz will Facebook mit Technologien wie künstliche Intelligenz Werkzeuge zur Verfügung stellen, um Hilfsbedürftige besser und schneller orten zu können.

"Das ist das, was magisch ist an Virtueller Realität", kommentiert Zuckerberg die Bilder. Man bekomme "das Gefühl, wirklich an einem Ort zu sein". Der Facebook-Gründer selbst vermittelt in dem Video allerdings eher einen anderen Eindruck: Vor dem Hintergrund zerstörter Straßen klatscht er sich im Video kichernd mit Franklin ab.

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Brillen-Bilanz: So steht es gerade um Virtual Reality

Viele Facebook-Nutzer fanden das Verhalten Zuckerbergs abstoßend, er sei ein "herzloser Milliardär" und nutze Naturkatastrophen für seine eigenen Zwecke aus, hieß es unter anderem in den Kommentaren. Dass sich der Facebook-Gründer überdies als Avatar im Cartoon-Stil auf die Karibikinsel portieren ließ, prangerte das Technologie-Blog "The Verge" an. Diese Form sei ganz klar "kein idealer Weg, um über Möglichkeiten zu sprechen, wie den Hurrikan-Opfern geholfen werden kann - besonders für einen Milliardär aus dem Silicon Valley, der sein Bestes gibt, mit Amerikanern außerhalb der Tech-Welt in Kontakt zu bleiben". Zuckerberg hat sich für dieses Jahr vorgenommen, alle Bundesstaaten der USA zu bereisen.

Anlass der virtuellen Aufzeichnung war die Konferenz "Oculus Connect 4", die noch bis Mittwoch im kalifornischen San Jose stattfindet. Es sei wirklich "magisch", dass man sich mit Virtual Reality in die Umgebung von Puerto Rico versetzen lassen könne, sagte Zuckerberg. Es fühle sich an, als sei man tatsächlich an dem Ort. Anschließend ließen sich Zuckerberg und Franklin virtuell auf den Mond beamen. Facebook hatte Oculus, den Entwickler der VR-Brillen, für mehr als zwei Milliarden Dollar gekauft und will die Technologie in vielen Lebensbereichen etablieren.

beb/dpa



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