Imagedebakel Urteil überschattet Facebooks Virtual-Reality-Pläne

Eine halbe Milliarde Dollar kostet Facebook der Streit um die Oculus-Technologie. Finanziell kann der Konzern das gut verkraften, weniger dagegen beim Image: Virtual Reality soll Facebooks Zukunft werden.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit Oculus-Brille
AFP

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit Oculus-Brille


Facebook Chart zeigen muss im Streit um die Entwicklungsgeschichte der Virtual-Reality-Brille Oculus Rift eine heftige Niederlage wegstecken. Geschworene in Texas entschieden, dass das US-Unternehmen 500 Millionen Dollar an die Spielefirma ZeniMax zahlen muss, der Mutterfirma des Spieleherstellers Bethesda ("Fallout", "Skyrim").

Oculus-Mitgründer Palmer Luckey habe ein Geheimhaltungsabkommen verletzt, lautete die Begründung. Oculus muss laut dem Urteil 300 Millionen Dollar für entstandene Schäden zahlen, Luckey 50 Millionen und Mit-Gründer Brandon Iribe ist für 150 Millionen Dollar verantwortlich.

Für Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist das Urteil kritisch. Er hatte den Start von Virtual-Reality-Angeboten zur Chefsache erklärt. Sie sollen die Zukunft des Konzerns werden. Daher hatte sich Zuckerberg gegen die Anschuldigungen gegenüber den Oculus-Entwicklern gestemmt.

ZeniMax hatte in der Klage erklärt, die Oculus-Brille sei nur dank bei ihr entwickelter Technologien möglich geworden. Oculus wies in einer Erklärung nach dem Urteil darauf hin, dass die Geschworenen zugleich keinen Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen festgestellt hätten.

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Zukunftstechnik: Was ist Virtual Reality?

Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg kündigte an, man werde eine Berufung prüfen. Für das Geschäft des Unternehmens sei der Betrag unerheblich, sagte sie im Technologieblog "Recode".

Facebook hatte Oculus im Frühjahr 2014 für rund zwei Milliarden Dollar gekauft, im vergangenen Jahr war die VR-Brille Rift nach jahrelanger Entwicklung und massiven Investitionen schließlich in den Handel gekommen. Während des mehrwöchigen Verfahrens war auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg in den Zeugenstand gerufen worden, wo er die ZeniMax-Vorwürfe zurückwies.

Mit der VR-Technologie können Nutzer in virtuelle Welten eintauchen, etwa in Form der Oculus Rift kombiniert mit den kürzlich erschienenen Handcontrollern Oculus Touch. Zuckerberg zeigt sich überzeugt, dass VR viele Lebensbereiche wie Kommunikation und Bildung verändern kann.

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20 Beispiele: Diese Spiele gibt es für Oculus Touch

Werbeerlöse steigen weiter deutlich

Durch das Urteil wurden auch die guten Quartalszahlen Facebooks überschattet. Das soziale Netzwerk übertraf mit weiter rasantem Wachstum im vergangenen Quartal alle Erwartungen. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 51 Prozent auf 8,81 Milliarden Dollar (umgerechnet 8,2 Milliarden Euro). Der Gewinn wurde mit 3,57 Milliarden Dollar sogar mehr als verdoppelt, teilte das Unternehmen nach US-Börsenschluss mit. Die Aktie legte nachbörslich um rund zwei Prozent zu.

Im vergangenen Quartal stieg die Zahl aktiver Nutzer bei Facebook um 70 Millionen auf 1,86 Milliarden im Monat. Rund 1,74 Milliarden von ihnen greifen auf das weltgrößte Onlinenetzwerk von Smartphones aus zu und über 1,2 Milliarden Nutzer sind täglich bei Facebook.

Die tragende Säule des Geschäfts sind nach wie vor die Werbeerlöse, die im Jahresvergleich um 53 Prozent auf 8,63 Milliarden Dollar stiegen. Rund 84 Prozent davon kommen aus Anzeigen auf mobilen Geräten. Facebook hatte in den vergangenen Monaten unter anderem stark das Geschäft mit Video-Werbung und Anzeigen bei seiner Foto-Plattform Instagram mit 600 Millionen Nutzern ausgebaut.

max/kig/dpa

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homernarr 02.02.2017
1. sicher doch, technik und knowhow gestohlen, kopiert, was auch immer
... aber selber immer noch kein eigene Brille im Angebot. Da hat jemand einen Trend verschlaffen, eigene Resoucen wie Carmack nicht genutzt, aber lässt sich das eigene Versagen versüßen. Way to go!
Ignorant00 02.02.2017
2. Interessantes Rechtsverständnis
Zitat von homernarr... aber selber immer noch kein eigene Brille im Angebot. Da hat jemand einen Trend verschlaffen, eigene Resoucen wie Carmack nicht genutzt, aber lässt sich das eigene Versagen versüßen. Way to go!
Vielleicht wollen die aktuell gar keine Brille entwickeln und dennoch darf man ja nicht einfach deren KnowHow abgreifen und an Absprachen vorbei Produkte nutzen! Möchte Sie erleben, wenn Ihnen jemand Ideen und Ressourcen klaut! Das ist meines Ermessens von Patenttrollereien weit entfernt, nicht umsonst waren Zenimaxx ja sogar von Oculus vor dem Rechtsstreit Anteile angeboten worden. Oculus und Sony werden mit Ihren Exklusivtiteln ja vielleicht nicht Trendsetter, sondern Totengräber der VR. Das schadet meines Ermessens ganz massiv der Entwicklung von VR. Hoffe das HTC und andere offene Drittanbieter mit einem gemeinsamen Standard die lachenden Dritten werden!
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