Hamburg - Gerade einmal 238.000 Pfund Unternehmenssteuern hat Facebook im Jahr 2011 in Großbritannien bezahlt. Das geht aus Daten des Handelsregisters hervor. Ziemlich wenig für ein soziales Netzwerk, das laut Analystenschätzungen im gleichen Jahr rund 175 Millionen Pfund eingenommen haben soll. Offiziell weist es aber nur gut 20 Millionen Pfund aus. Der Rest wird offenbar über den Sitz der Europa-Zentrale in Irland verbucht.
Das entsetzt sogar die sonst so wirtschaftsfreundlichen Briten. "Das Vereinigte Königreich wird verschaukelt", erregt sich der Steuerexperte Richard Murphy in der Zeitung "The Guardian". Facebook treibe eine gängige Unsitte der internationalen IT-Konzerne auf die Spitze. Irland gewähre diesen Unternehmen Steuererleichterungen und profitiere davon.
Möglich wird das Ganze offenbar, weil Firmen wie Facebook einen großen Teil ihrer Umsätze nicht dort verbuchen, wo sie entstehen, sondern sie stattdessen über ihre Europa-Zentrale laufen lassen. Im Falle von Facebook sitzt die in Dublin, ebenso bei Google und Ebay. Amazon hat sein Hauptquartier in Luxemburg angemeldet - und musste sich bereits mit ähnlichen Vorwürfen auseinandersetzen.
Laut der Zeitung "The Independent" zahlte der Internetriese Google 2011 gerade mal sechs Millionen Pfund Steuern in Großbritannien, obwohl es laut amerikanischen Daten vier Milliarden Dollar umsetzte.
Illegal ist das nicht, aber es stößt in Großbritannien auf immer größere Kritik. "Es ist unredlich und unmoralisch, wenn diese hochprofitablen Unternehmen ihre Steuern nicht dort zahlen, wo sie sitzen und wo sie ihre Gewinne machen", zitiert der "Independent" den Labour-Abgeordneten John Mann. "Sie profitieren enorm von der Internet-Infrastruktur des Landes, aber sie wollen nicht dazu beitragen, diese Infrastruktur zu bezahlen."
Immerhin: Die Mitarbeiter scheinen etwas von den gesparten Steuern zu haben: Laut den Berichten verdienten die 90 Facebook-Beschäftigten in Großbritannien im vergangenen Jahr insgesamt 24,8 Millionen Pfund. Das entspricht im 275.000 Pfund pro Kopf. Ein einzelner Mitarbeiter bekam 2011 im Schnitt also mehr Geld, als das ganze Unternehmen in Großbritannien an Steuern gezahlt hat.
stk
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