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Fachkräftemangel: Firmen klagen über deutsche Technik-Muffel

Von Anne Backhaus

Deutschlands Wirtschaft boomt, schon finden manche Unternehmen keine Arbeitskräfte mehr. Vor allem im technischen Bereich fehlt es an qualifiziertem Nachwuchs: Vielen Studenten und Azubis gelten diese Berufe als unsexy. Nun wollen die Firmen ihr Image aufpeppen - und umwerben gezielt junge Leute.

dapd

Hamburg - Oliver Rennig sucht dringend Mitarbeiter für sein Unternehmen, vor allem Ingenieure. Der Direktor für die Region Nord des Gebäudetechnikkonzerns Imtech wirbt deshalb mit großen Firmenfesten, Fußballturnieren und der familiären Atmosphäre im Betrieb. "Unser höchstes Gut ist der Mensch, der steht bei uns im Vordergrund", sagt Rennig.

Dass sich der Manager so rührig kümmert, kommt nicht von ungefähr. Denn der Markt für Fachkräfte ist in Deutschland hart umkämpft.

Und das Problem hat sich seit dem Ende der Wirtschaftskrise noch verschärft. Die Konjunktur läuft gut, viele Firmen fragen sich schon, wie sie all ihre Aufträge bewältigen sollen. Vor allem qualifizierte Mitarbeiter fehlen den Unternehmen. Genauer gesagt: Bau- und Elektroingenieure sowie Spezialisten für technische Gebäudeausrüstung. In diesem Bereich kommen auf einen Hochschulabsolventen in etwa drei freie Stellen. Aber auch Auszubildende sind in der Technikbranche ein knappes Gut.

Der Wettbewerb um Personal ist hart, deshalb setzen die Firmen auf frühe Mitarbeiterbindung. Für künftige Versorgungsingenieure wie Lars Witteck ist das genial. Der 26-jährige Student schreibt bei Imtech an seiner Bachelor-Arbeit, angefangen hat er dort als Auszubildender für Heizungsbau. "Meine Karrierechancen sind sehr gut, wir Ingenieure recht gefragt. Die meisten Absolventen bekommen sofort den Job, den sie sich wünschen", sagt Witteck.

70 Prozent der Unternehmen haben Probleme, offene Stellen zu besetzen

Was für die Studenten eine beruhigende Zukunftsperspektive ist, macht den Unternehmen schwer zu schaffen. "Wir behelfen uns aktuell mit Freiberuflern, aber langfristig können wir unsere Wachstumsstrategien nicht derart schnell verfolgen, wie wir es gerne hätten", sagt Imtech-Geschäftsführer Klaus Betz. Nach einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags haben bereits 70 Prozent der Unternehmen Probleme, offene Stellen zu besetzen. Nach Einschätzung der Unternehmen wird sich der Fachkräftemangel in den kommenden fünf Jahren noch verstärken - über alle Qualifikationsniveaus hinweg. "Arbeitskräfteengpässe zeigen sich nicht nur im Bereich der Akademiker, wie häufig beklagt. Gerade Arbeitskräfte, die einen Fachwirt, einen Meister oder einen anderen Weiterbildungsabschluss vorweisen können, werden gesucht", sagt DIHK-Chef Hans Heinrich Driftmann.

Die Politik steht ziemlich ratlos vor dem Problem. Die Dimensionen seien "noch nicht ganz fassbar", sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei der Vorstellung der DIHK-Studie. Der demografische Wandel verändere das Land langsam, aber grundlegend. Konkrete Vorschläge sind indes nicht zu erkennen. Die Menschen müssten "passgenauer arbeiten", erklärt von der Leyen und fordert, dass drei Personengruppen in der Arbeitswelt eine größere Rolle spielen: Frauen, Ältere und Jüngere mit schlechter Bildung.

Versorgungstechnik klingt nicht eben sexy

Durch Zuwanderung soll das Problem jedenfalls nicht gelöst werden. Beim Schließen der Fachkräftelücke könne Zuwanderung "nur einen kleinen Teil leisten", sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Dafür sprächen allein schon pragmatische Gründe: Dass nicht allzu viele Fachkräfte aus dem Ausland kämen, liege auch an der mangelnden Attraktivität Deutschlands für die Umworbenen.

Die Unternehmen müssen sich also selber helfen. Einige Firmen werben zum Beispiel gezielt um Migranten. Auch Imtech-Chef Betz setzt bei Montagearbeiten auf ausländische Fachkräfte, insbesondere hochqualifizierte Arbeiter aus Osteuropa. "Auf Ingenieurseite sieht es da aber viel schwieriger aus, weil die Ingenieurausbildung in Deutschland eine andere ist. Ausländische Bewerber sind meist nicht für den deutschen Markt geeignet, und dazu kommt dann noch die Fremdsprache als Hindernis", sagt Betz.

Attraktiv ist das Berufsfeld nicht - und das, obwohl die Karrierechancen hoch sind. Versorgungstechnik klingt eben nicht sexy. Geschäftsführer Klaus Betz sieht den Grund für das Desinteresse des potentiellen Fachkräftenachwuchses vor allem bei den Unternehmen. In Zukunft will Betz in Kindergärten und Schulen für das Arbeitsfeld werben: "Das Thema Energie muss attraktiv platziert werden, schon bevor die Leute sich für ihr Studium entscheiden."

Dem Imageproblem will Imtech außerdem als Namenssponsor für das HSV-Volksparkstadion entgegenwirken. Doch die "Imtech-Arena" macht Fußballfans sicher nicht zu Ingenieursanwärtern. Da muss sich die Branche wohl mehr einfallen lassen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 315 Beiträge
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1. Technikmuffel?
Hilfskraft 19.09.2010
Zitat von sysopDeutschlands Wirtschaft boomt, schon finden manche Unternehmen keine Arbeitskräfte mehr. Vor allem im technischen Bereich fehlt es an qualifiziertem Nachwuchs: Vielen Studenten und Azubis gelten diese Berufe als unsexy. Nun wollen die Firmen ihr Image aufpeppen - und umwerben gezielt junge Leute. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,718050,00.html
Mir fielen zu deutschen Firmen noch ganz andere Attribute ein. Ausbeuter wäre ein Beispiel. H.
2. Welche Firmen ?
Das Auge des Betrachters 19.09.2010
Welche Firmen klagen denn? Und Wen brauchen die denn? Wer wird gesucht und zu welchem Preis? Alles sehr diffus, kommt mal aus den Löchern und dann hören wir mal die dazu, die sich bei diesen Firmen beworben haben, welche Erfahrungen haben die mit diesen Firmen gemacht und was sagen die Mitarbeiter, wenn es die gibt und es sich nicht um Zeitarbeiter handelt. Als o mehr Klarheit in die Recherche und nicht dieses Lobbygebrabbel.
3. Auf Thema antworten
Pinon_Fijo 19.09.2010
Diskutieren Sie diesen Artikel ! Ja, was soll man diese ewigen Artikel über Fachkräftemangel noch diskutieren ? Als Ingenieur der Elektrotechnik kann ich nur sagen: Es gibt keinen Fachkräftemangel ! Dafür gibt es in diesem Land Lügen von vorne bis hinten !
4. ...
seine_unermesslichkeit 19.09.2010
Ich interessiere mich nicht für die Seifenopern im deutschen Fernsehen, bin mir aber sicher, dass auch diese schuld daran haben, dass der deutsche Ingenieur so unsexy rüberkommt!
5. Wundert das jemanden
caillebotte, 19.09.2010
Solange ... # man als Investment Banker Millionen machen soll # als McK Berater 100.000 plus und später mehr # Ärzte, Theologen, Juristen für Ihre Bemühungen bezahlt werden - unabhängig vom Erfolg der Bemühungen Solange ... # die Leute noch nicht vergessen haben, wie gerade ältere und weibliche Ingenieure behandelt werden und wurden # nicht mal die Inder Lust haben, hier für 40.000 Euro Jahresgehalt als Ingenieur zu arbeiten ... wundert mich das alles überhaupt nicht :-). Die Industrie tut mir da leider keine Minute leid. Wie ordentliche Personalpolitik geht ist hinreichend bekannt. Aber jammern ist billiger, als das ehrlich umsetzen. Lieber nach Indern schreien (die auch nicht viel Lust auf Schland haben) Wenn die Leute mies behandelt werden, braucht man sich nicht wundern, wenn man keine mehr bekommt oder wenn die dann lieber als Berater oder sonstwas arbeiten, aber nicht mehr als Ingenieure.
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Alles, was Azubis Recht ist
Was muss der Ausbilder können?
Der Ausbilder muss in der jeweiligen Fachrichtung ausgebildet sein und über entsprechende Berufserfahrung verfügen. Das regeln die Paragrafen 29 und 30 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) , die Paragrafen 21 und folgende der Handwerksordnung (HwO) sowie das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) in Paragraf 25.
Wer bezahlt Material und Maschinen?
Der Arbeitgeber muss alle Arbeitsmaterialien bereitstellen, dazu gehören z.B. Kittel, Schutzkleidung, Sicherheitsschuhe, aber auch Fachbücher, Berichtshefte und Schreibmaterialien. Der Azubi ist verpflichtet, mit jedem Arbeitsgerät sorgsam umzugehen. (Paragraf 14 Abs. 1 Nr. 3 und Paragraf 13 Nr. 5 BBiG)
Ist die Arbeit wichtiger als die Berufsschule?
Nein, Berufsschulzeit ist Arbeitszeit. Der Betrieb muss einen für die Schule freistellen - und man muss hingehen. Auch für Betriebsbesichtigungen und ähnliches muss der Ausbildungsbetrieb den Azubi freistellen. Fängt der Unterricht um 9 Uhr an, muss man vorher nicht zur Arbeit, ab fünf Schulstunden täglich muss man auch danach nicht mehr in die Firma, es sei denn, man ist 18 Jahre oder älter. Die Arbeitszeit darf trotzdem nicht über die tariflich geregelte Arbeitszeit hinausgehen. Berufsschulstunden müssen nicht nachgearbeitet werden.
Was ist erlaubt - und was nicht?
Es sind nur Arbeiten erlaubt, die mit dem Ausbildungszweck zu tun haben und die eigenen körperlichen Kräfte nicht übersteigen. Nicht gestattet sind private Aufträge durch den Chef (Auto waschen, Einkaufen, usw.), Urlaubs- und Krankheitsvertretung für Kollegen, Putzen (außer am eigenen Arbeitsplatz und an eigenen Geräten), sowie Fließband- und Akkordarbeit . (Paragraf 14 Abs. 2 BBiG). Quelle: IG Metall Jugend

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