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Fachkräftemangel: Migrationsforscher empfiehlt Flüchtlinge aus Nordafrika

Von Andrea Brandt

In Deutschland gibt es zu wenige Altenpfleger - deshalb fordert der Migrationsforscher Klaus J. Bade den kontrollierten Zuzug von Flüchtlingen aus Nordafrika. Mit dem Geld, das die Menschen in der Bundesrepublik verdienen, sollen sie dann die Wirtschaft in ihrer Heimat aufbauen.

Hamburg - Deutschland soll über Regierungsabkommen mit Tunesien und Ägypten so schnell wie möglich einige Tausend Menschen aus Nordafrika befristet aufnehmen. Das fordert der Migrationsforscher Klaus J. Bade, Vorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration.

Im Rahmen eines Pilotprojekts, so die Idee, sollten geeignete Männer und Frauen für zwei bis fünf Jahre in Deutschland arbeiten, besonders in Berufsgruppen mit Arbeitskräftemangel wie Facharbeiter oder Alten- und Krankenpfleger. Anschließend sollen sie mit ihren Ersparnissen und zusätzlich erworbenen Erfahrungen den Wirtschaftsaufbau in ihrer Heimat vorantreiben.

"Wir müssen uns beeilen, in begrenztem Maße Kanäle für legale Migration aus Nordafrika zu öffnen", argumentiert Bade. So könne illegale Zuwanderung eingedämmt werden. Sicherten Regierungsabkommen die Rückkehr der Migranten ab, profitierten alle Beteiligten. Als Voraussetzung für den Erfolg eines solchen Modells gilt freilich, dass die Deutschen zugleich helfen, die Lage in den Herkunftsländern zu stabilisieren. Die Rückkehr müsse sich für die Migranten lohnen, betont Bade.

Widerstand dürfte von der CSU kommen

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats konkretisiert mit seinem Vorstoß Erkenntnisse des Migrationsgutachtens 2011, das in dieser Woche vorgestellt wurde. Darin hatte das hochkarätige Expertengremium unter anderem eine stärkere Verbindung von Migrations- und Entwicklungspolitik empfohlen.

Von der Mehrheit der Deutschen erwarten die Wissenschaftler keine Widerstände gegen eine pragmatische Steuerung von Zuwanderung. Die Bevölkerung sei aufgeschlossen für realistische Migrationskonzepte.

Bei führenden Politikern dürfte dagegen erhebliche Überzeugungsarbeit für die neuen Ideen nötig sein. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte sich gegen die Aufnahme von Wirtschaftsflüchtlingen aus Nordafrika ausgesprochen.

Dem Sachverständigenrat gehören neun Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen und Forschungsrichtungen an. Ihre Arbeit wird von acht großen deutschen Stiftungen unterstützt.

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1. Die EU hat Überschußnahrung für min. 100 Millionen
rkinfo 16.04.2011
Zitat von sysopIn Deutschland gibt es zu wenige Altenpfleger - deshalb fordert der Migrationsforscher Klaus J. Bade den kontrollierten Zuzug von Flüchtlingen aus Nordafrika. Mit dem Geld, das die Menschen in der Bundesrepublik verdienen, sollen sie dann die Wirtschaft in ihrer Heimat aufbauen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757429,00.html
Auch wenn wir überall in der EU Super98E25 einführen würden gäbe es noch genug Überschußnahrung für 100 Mill. neue Arbeitskräfte in der EU und in Deutschland. Die Versorgung von Industrie bis Sozialberufe mit Arbeitskräften muss Priorität haben vor alten Zöpfen gegen Gastarbeiter in einer alternden Gesellschaft. Die Nordafrikaner in D sind die Rettung der Rentenkasse und könnten Rente 67 entbehrlich machen ... also 'Packen wir es an !'
2. ...
TC Matic 16.04.2011
Zitat von sysopIn Deutschland gibt es zu wenige Altenpfleger - deshalb fordert der Migrationsforscher Klaus J. Bade den kontrollierten Zuzug von Flüchtlingen aus Nordafrika. Mit dem Geld, das die Menschen in der Bundesrepublik verdienen, sollen sie dann die Wirtschaft in ihrer Heimat aufbauen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757429,00.html
Und in Nordafrika wimmelt es von Altenpflegern? Was, wenn diese Fachkräfte dann nach der abgelaufenen Frist genauso hier bleiben, wie so viele Türken, die nach Ablauf der Arbeitsverträge nicht zurückgekehrt waren?
3. Willkommen, Ambermoon.
Ambermoon 16.04.2011
Hm. Also zunächst mal ist es ja gut, darüber nachzudenken, wie man unterbesetzte Branchen wie die Altenpflege mit Personal versorgt. Evtl. gibt's da aber ein paar Probleme. Zunächst mal ist es doch so, dass die Pflegebranche unter schlechter Bezahlung und knappen Personaldecken leidet. Gäbe es da Vollzeitstellen, würden sich möglicherweise genug Menschen aus dem ohnehin vorhandenen Arbeitslosen-/Minijobber-/Weiterbildungs-/Zuverdiener-Heer finden. Die Träger haben aber kein Geld dafür. M.E. müsste man eher da ansetzen, statt Tagelöhner ins Land zu holen. Weiterhin gab es in der Vergangenheit schon mal so eine "für ein paar Jahre"-Welle - verständlicherweise sind die Menschen aber nicht wieder heim gegangen. Scheint mir insgesamt nicht durchdacht zu sein. Just my 2ct.
4. Albern
donbernd, 16.04.2011
Zitat von sysopIn Deutschland gibt es zu wenige Altenpfleger - deshalb fordert der Migrationsforscher Klaus J. Bade den kontrollierten Zuzug von Flüchtlingen aus Nordafrika. Mit dem Geld, das die Menschen in der Bundesrepublik verdienen, sollen sie dann die Wirtschaft in ihrer Heimat aufbauen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757429,00.html
Diese Migrationsforscher tun ja gerade so als wenn es in der EU nicht knapp 40 Millionen Arbeitslose gäbe von denen jeder einzelne weil er EU Bürger ist spätenstens ab Mai Niederlassungsfreiheit geniesst. In Spanien und Griechenland haben wir eine Jugendarbeitslosigkeit von >45% , aber auch das wird schnell mal ausgeblendet und weitere kulturfremde Migration gefordert. Das es in Deutschland alleine knapp 8 Millionen Transferleistungsempfänger gibt ist natürlich auch nicht relevant. Ein Blick über den Tellerand nach Resteuropa täte diesen 'Migrationforschern' mal gut.
5. Ach, der Titel
catalina67 16.04.2011
Zitat von sysopIn Deutschland gibt es zu wenige Altenpfleger - deshalb fordert der Migrationsforscher Klaus J. Bade den kontrollierten Zuzug von Flüchtlingen aus Nordafrika. Mit dem Geld, das die Menschen in der Bundesrepublik verdienen, sollen sie dann die Wirtschaft in ihrer Heimat aufbauen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757429,00.html
Der Mann träumt. Wie wäre es denn, wen wir in Deutschland beginnen würden, vernünftige Löhne, speziell in Pflegeberufen, zu zahlen?! Wir haben hier im Lande 3 Millionen Arbeitslose und geschätzte 4 Millionen ALG2-Bezieher, die man umschulen und mit entsprechender Entlohnung motivieren könnte. Und warum überhaupt sollten sie in ihre Heimat zurückkehren und dort etwas aufbauen, wenn hier, wo sie leben, doch schon alles aufgebaut ist.
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Quelle: Statistisches Bundesamt / ILO

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