360.000 unbesetzte Stellen Mittelstand befürchtet Umsatzeinbußen wegen Fachkräftemangels

Eigentlich ist die Stimmung bei den deutschen Mittelständlern gut - trotzdem befürchtet jeder zweite Umsatzeinbußen, weil die Fachkräfte fehlen. Eine Untersuchung schätzt den Schaden auf etwa 46 Milliarden Euro pro Jahr.

Ohne "Fachkraft" bricht der Arbeitsmarkt zusammen: Im Mittelstand fehlt geeignetes Personal
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Ohne "Fachkraft" bricht der Arbeitsmarkt zusammen: Im Mittelstand fehlt geeignetes Personal


Viele deutsche Mittelständler können ihre gute Auftragslage mangels geeigneter Arbeitskräfte nicht voll ausschöpfen. Mit 49 Prozent klagt fast jedes zweite mittelständische Unternehmen über Umsatzeinbußen, weil Fachkräfte fehlen, wie das am Dienstag veröffentlichte Mittelstandsbarometer der Wirtschaftsberatung Ernst & Young (EY) ergab. Den Schaden schätzen die Berater aktuell auf etwa 46 Milliarden Euro im Jahr.

Dabei ist die Stimmung im Mittelstand gut: Mehr als die Hälfte der Mittelständler (56 Prozent) ist vollends zufrieden mit seiner Geschäftslage - höher war der Wert nur im Jahr 2004. 36 Prozent erwarten, dass sich die Geschäftslage im kommenden halben Jahr bessert. Der Geschäftsklimaindex stieg auf 46,1 Punkten - so hoch wie zuletzt im Juli 2014. Jedes vierte Unternehmen will in den kommenden sechs Monaten mehr investieren.

Doch Sorgen macht der Fachkräftemangel. In den kommenden sechs Monaten will knapp ein Drittel der Unternehmen Personal aufbauen. 62 Prozent der Unternehmen können aber bereits ihre unbesetzten Stellen mangels geeigneter Bewerber nicht besetzen. Den Schätzungen zufolge sind derzeit im Mittelstand 360.000 Stellen nicht besetzt. "Der Fachkräftemangel bedroht den deutschen Mittelstand - gerade in ländlichen Regionen - schon länger", sagt Peter Englisch, Partner bei EY. "Das Problem wird aber gerade jetzt offensichtlich, wo stellenweise quasi Vollbeschäftigung herrscht."

Die Mehrheit der Firmen (85 Prozent) würde deshalb auch Flüchtlinge beschäftigen - 49 Prozent sogar ohne Vorbehalt. Hürden sehen die Unternehmen aber nicht nur in Deutschkenntnissen, sondern auch in der schwierigen Rechtslage während des Asylverfahrens und der fehlenden Planungssicherheit, wenn die Gefahr einer Abschiebung besteht. "Wenn wir wollen, dass die Unternehmen das Potenzial, das die Flüchtlinge mitbringen, tatsächlich im großen Stil nutzen, muss der Staat für Planungssicherheit sorgen - sonst wird nicht viel passieren", sagt Englisch.

nck/dpa

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